Ich gab ihnen Satzungen, die nicht gut waren?

Zur Übersetzung und Auslegung von Ez 20,25-26

Die Aussage in gängiger Übersetzung

Im masoretischen Text lauten die beiden Verse:

וְגַם־אֲנִי נָתַתִּי לָהֶם חֻקִּים לֹא טוֹבִים וּמִשְׁפָּטִים לֹא יִֽחְיוּ בָּהֶֽם׃ וָאֲטַמֵּא אוֹתָם בְּמַתְּנוֹתָם בְּהַעֲבִיר כָּל־פֶּטֶר רָחַם לְמַעַן אֲשִׁמֵּם לְמַעַן אֲשֶׁר יֵֽדְעוּ אֲשֶׁר אֲנִי יְהוָֽה׃

„Ich gab ihnen Satzungen, die nicht gut waren?“ weiterlesen

Kann man einen Buchstaben in einer Übersetzung einfach entfallen lassen?

Die drei ersten Bücher der Tora nach der Genesis beginnen im Hebräischen alle mit dem Buchstaben Wav, wobei dieser Präfix die Bedeutung von ‚und‘ hat. Warum ist das wichtig – und warum sollte man diesen Buchstaben bei einer Übersetzung berücksichtigen? „Kann man einen Buchstaben in einer Übersetzung einfach entfallen lassen?“ weiterlesen

Wer ist die Frau aus Offenbarung 12?

Offb 12 schildert eine Frau, bekleidet mit der Sonne. den Mond zu ihren Füßen und auf ihrem Kopf eine Krone von 12 Sternen. So wie Albrecht Dürer (1471-1528) auf dem Frontispiz seiner Illustration zur Apokalypse von 1511 werden viele Lesende sofort an Maria, die Mutter Jesu denken. Diese Deutung ist – vor allem auch durch die Kunst – weit verbreitet. Aber: sie ist nicht ursprünglich. „Wer ist die Frau aus Offenbarung 12?“ weiterlesen

Die sechste Vater-Unser-Bitte in der lateinischen Tradition

Ich werfe hier nach der vorherigen Untersuchung einen Blick auf die lateinische Tradition ab dem 4. Jahrhundert, der einen erstaunlichen Befund bietet. Bei allen Autoren habe ich den Zeitpunkt angegeben, zu dem das jeweils zitierte Werk verfasst wurde.
„Die sechste Vater-Unser-Bitte in der lateinischen Tradition“ weiterlesen

Sechshundertsechsundsechzig?

Die wohl bekannteste Zahl der Bibel lautet 666 und über ihre Bedeutung sind unzählige Beiträge verfasst worden. Um die Sache zu verkomplizieren, möchte ich hier darauf hinweisen, dass es keinesweges gesichert ist, dass die Zahl in Offb 13,18 ursprünglich 666 lautete. Denn wirklich gut bezeugt ist auch die Lesart 616.

„Sechshundertsechsundsechzig?“ weiterlesen

Woher kommt die so genannte Kanonformel?

Generell wird die Formel »nichts hinzufügen – nichts mehr wegnehmen« gerne als »Kanonformel« bezeichnet. Sie findet sich innerbiblisch zunächst zweimal im Buch Deuteronomium, jeweils in den Versen Dtn 4,2 und 13,1. 1 „Woher kommt die so genannte Kanonformel?“ weiterlesen

Wenn ein Mann und eine Frau über das Gleiche lachen, ist es trotzdem nicht dasselbe

In Gen 17 und 18 lachen zuerst Abraham und dann Sara, als sie von Gott erfahren, dass sie in ihrem hohen Alter noch einen Sohn bekommen sollen. Von dem Verb צחק (= lachen) wird der Namen des Kindes – nämlich יצחק (Jitzchak – Isaak) abgeleitet. Interessant finde ich, wie unterschiedlich in der traditionellen Bibelauslegung das Lachen des Mannes und das Lachen der Frau über den selben Sachverhalt beurteilt wird. „Wenn ein Mann und eine Frau über das Gleiche lachen, ist es trotzdem nicht dasselbe“ weiterlesen

Midrasch und Masora

Als der wichtigste Textzeuge des masoretischen Textes vollendet wurde, waren die Midraschim schon viele hundert Jahre alt. Gelegentlich begegnet man ihrem Einfluss auf die Masoreten, etwa zu Beginn des berühmten Kapitels Zweiundzwanzig der Genesis, das die Bindung Isaaks erzählt. „Midrasch und Masora“ weiterlesen

War der Apostel Paulus verheiratet?

Der Wortlaut von Phil 4,3 lässt diese Frage bis heute nicht zur Ruhe kommen, ich werfe hier einen Blick auf das Pro und Contra. „War der Apostel Paulus verheiratet?“ weiterlesen

Die puncta extraordinaria in der Tora

Wenn man die Textsignale der hebräischen Bibel genauer betrachtet, fallen einem gelegentlich aussergewöhnliche Punktierungen auf, mit denen der Text versehen ist. Als Beispiel bringe ich hier Num 9,10 im Schriftbild der Biblia Hebraica Kittel von 1905 – der ausserordentliche Punkt ist von mir (und von Kittel) hervorgehoben.

Num 9,10 in der Biblia Hebraica Kittel mit einer aussergewöhnlichen Punktierung.
Num 9,10 in der Biblia Hebraica Kittel mit einer aussergewöhnlichen Punktierung.

Es handelt sich um einen der puncta extraordinaria, die mit Sicherheit wesentlich älter sind als der masoretische Text. Nähere Auskunft zu diesen Punkten gibt in der BHS die kleine Masora. „Die puncta extraordinaria in der Tora“ weiterlesen