Von Ägypten über Oxford nach Washington und zurück – ein aktueller Papyri-Skandal

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Der in diesem Blog schon mehrfach erwähnte Papyrologe Brent Nongbri hat durch seine Beharrlichkeit einen Skandal (mit)aufgedeckt, der derzeit die scheinbar so beschauliche Welt der Papyrologie durcheinander wirbelt. Verwickelt sind ein renommierter Professor aus Oxford, das von einer evangelikalen US-Familie finanzierte „Museum of the Bible“ in Washington und ein gewisser Scott Carroll. Aber der Reihe nach. „Von Ägypten über Oxford nach Washington und zurück – ein aktueller Papyri-Skandal“ weiterlesen

Wie alt ist Papyrus 52?

Seit seiner ersten Publikation machte 𝔓 52 Furore: er galt als der älteste erhaltene Text des NT und wurde in der zweiten Auflage des Lehrbuches »Der Text des Neuen Testamentes« von Kurt und Barbara Aland auf dem Einband dargestellt, quasi als Symbol für die wissenschaftliche Sicherung des ursprünglichen Bibeltextes.

Die Alands schrieben in ihrem Lehrbuch, der Papyrus gehöre

zu den wahrlich sensationellen Funden der letzten Generation. 𝔓 52 bot zwar nur ein Fragment aus Kap. 18 des Johannesevangeliums, aber die Datierung »um 125 n. Chr.« durch die führenden Papyrologen war an ihm das Entscheidende. Nun schließt »um 125« zwar einen Spielraum von ca. 25 Jahren nach beiden Seiten ein, neuerdings scheint sich aber die Überzeugung durchzusetzen, daß das Jahr 125 die Endgrenze darstellt, so daß 𝔓 52 ganz dicht an die wahrscheinliche Entstehung des Johannesevangeliums um 90-95 n. Chr. heranrückt. 1

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Das angebliche Evangelium von Jesus Frau

Der Fernsehsender Phoenix hat am 30. Oktober 2018 eine ‚Dokumentation‘ mit dem Titel »Aufgedeckt: Geheimnisse des Altertums. Auf der Suche nach Jesus Frau« gebracht, in der Karin L. King, Professorin an der Harvard Divinity School, ausführlich zu Wort kam, die ein koptisches Evangelium von der Frau Jesu entdeckt haben will. Sie publizierte ihre ‚Entdeckung‘ 2014 und generierte umfassende Aufmerksamkeit.
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Kann man einen Buchstaben in einer Übersetzung einfach entfallen lassen?

Die drei ersten Bücher der Tora nach der Genesis beginnen im Hebräischen alle mit dem Buchstaben Wav, wobei dieser Präfix die Bedeutung von ‚und‘ hat. Warum ist das wichtig – und warum sollte man diesen Buchstaben bei einer Übersetzung berücksichtigen? „Kann man einen Buchstaben in einer Übersetzung einfach entfallen lassen?“ weiterlesen

Die sechste Vater-Unser-Bitte in der lateinischen Tradition

Ich werfe hier nach der vorherigen Untersuchung einen Blick auf die lateinische Tradition ab dem 4. Jahrhundert, der einen erstaunlichen Befund bietet. Bei allen Autoren habe ich den Zeitpunkt angegeben, zu dem das jeweils zitierte Werk verfasst wurde.
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Und führe uns nicht in Versuchung?

Papst Franziskus hat in einem Interview ausdrücklich die deutsche Übersetzung der sechsten Bitte des Vater-unser kritisiert, weil Gott niemanden in Versuchung führe. Ich werfe daher einen genaueren Blick in die biblischen Aussagen zum Thema.

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Die Zeichen der Zeit

Zu den bekanntesten theologischen Ausdrucksformen gehört sicherlich die Rede von den »Zeichen der Zeit«. Theologisch Gebildete wissen, dass der Ausdruck eine prominente Rolle in einem der grundlegenden Dokumente des Zweiten Vatikanischen Konzils spielt (Gaudium et Spes). Aber ist er auch biblisch?

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Frauen sollen in der Kirche schweigen

Zu den berüchtigtsten Texten des Neuen Testamentes gehört der ominöse Satz aus dem 1. Korintherbrief, einem in der Forschung unumstritten Paulus zugeschriebenem Brief: mulieres in ecclesiis taceant – die Frauen sollen in den (gottesdienstlichen) Versammlungen schweigen (1 Kor 14,34). Die Frage ist aber: hat Paulus das wirklich geschrieben?

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Sechshundertsechsundsechzig?

Die wohl bekannteste Zahl der Bibel lautet 666 und über ihre Bedeutung sind unzählige Beiträge verfasst worden. Um die Sache zu verkomplizieren, möchte ich hier darauf hinweisen, dass es keinesweges gesichert ist, dass die Zahl in Offb 13,18 ursprünglich 666 lautete. Denn wirklich gut bezeugt ist auch die Lesart 616.

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Woher kommt die so genannte Kanonformel?

Generell wird die Formel »nichts hinzufügen – nichts mehr wegnehmen« gerne als »Kanonformel« bezeichnet. Sie findet sich innerbiblisch zunächst zweimal im Buch Deuteronomium, jeweils in den Versen Dtn 4,2 und 13,1. 1 „Woher kommt die so genannte Kanonformel?“ weiterlesen