Über die Grenzen der Bibelauslegung durch die Kirchenväter

 

Es ist notwendig, die Ansichten der Alten zu erlernen. (…) Das wird nämlich auch zu zweierlei nützlich sein. Erstens, weil wir das, was von ihnen gut gesagt worden ist, zu unserer Unterstützung erlernen werden. Zweitens, weil wir das, was schlecht ausgedrückt wurde, vermeiden werden. (Thomas v. Aquin: Über die Seele I,2)

In diesem Blog lasse ich immer wieder die Kirchenväter ausführlich zu Wort kommen, da sie die biblischen Texte bereits vor mehr als anderthalb Jahrtausenden gründlich gelesen und oft sehr tiefsinnig ausgelegt haben. Ihr spiritueller Zugang kann auch heutigen Menschen eine Hilfe sein, die antiken biblischen Texte besser zu verstehen und sich existentiell anzueignen. Dennoch ist es notwendig, sich über die Grenzen ihres Zugangs Rechenschaft abzulegen und nicht den Fehler zu machen, sich in einer Art spirituellem Märchenwald zu verlaufen.

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Was bedeutet Kairos?

Einleitung

In seiner Beschreibung Griechenlands bietet Pausanias (um 115 – ca. 180) bei seinem Besuch in Olympia eine Altar-Periegese – und kommt dabei auf den kairos zu sprechen:
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Die Bibel und die Landkarte Israels

Gelegentlich treffe ich auf die Ansicht, dass die Bibel eigentlich mit schuld am Nahostkonflikt sei, da hier Israel von Gott ein Gebiet versprochen wurde, dass deutlich größer sei, als die völkerrechtlich anerkannten Grenzen des heutigen Staates Israel. Das würde es religiösen und/oder nationalistischen Fanatikern ermöglichen, immer mehr Land zu fordern und münde so praktisch in ethnische Säuberungen, wie beispielsweise im Ostjordanland. Ich möchte hier als Bibliker diesen Vorwurf an die Bibel überprüfen: Ist das wirklich so?

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In sich krümmen oder tief verbeugen?

In diesem Beitrag soll der Weg von der Grammatik zur Spiritualität
führen, das geht in drei Schritten: Vers→Verb→Deutung

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Was bedeutet der Namen Morijah?

Der Namen Morijah findet sich das erste Mal in der hebräischen Bibel in Gen 22,2, als Abraham von Gott den Auftrag empfängt, seinen Sohn Isaak zu opfern. Die Frage, welche Bedeutung dieser Namen hat, beschäftigt biblisch Interessierte bis heute.

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Findet sich die Auferstehung der Toten in der Torah?

In gewohnt polemischer Weise hat François-Marie Arouet, genannt Voltaire, diese Frage beantwortet. In seinem 1777 anonym in London gedruckten Buch „Die Bibel endlich verstanden“, schreibt er zu den Versen Dtn 23,13-15:

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Der Begriff des nómos im Römerbrief

Ein zentraler Begriff des Römerbriefes ist das griechische Wort νόμος (nómos), das allein in diesem Brief 61 Mal vorkommt. Ein einzelner Vers (Röm 2,14) kommt dabei auf vier Vorkommen, ein weiterer (Röm 7,7) auf drei. Aber was ist mit diesem Wort gemeint?

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Lessing zitiert Origenes

In seiner Schrift „Ueber den Beweis des Geistes und der Kraft“ bringt Lessing zu Beginn ein griechisches Origenes-Zitat. Da Lessings Text die berühmte Formulierung enthält „das ist der garstige breite Graben, über den ich nicht kommen kann“, interessiert es vielleicht jemanden, was Lessing da genau zitiert hat.

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„Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst und sein Blut nicht trinkt, habt ihr das Leben nicht in euch.“

Diese Worte Christi im vierten Evangelium führen zu einer nachhaltigen Verstörung unter seinen Anhängern. Die Frage, wie sie sinnvollerweise verstanden werden können, beschäftigt Ausleger bis heute. Hier einige interessante Ein- und Ansichten.

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„Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen“

Katholiken sind es gewohnt, diese Worte Jesu aus dem Matthäusevangelium mit dem Papstamt in Verbindung zu bringen. In diesem Sinn sagt der Weltkatechismus der katholischen Kirche:

936 Der Herr hat den hl. Petrus zum sichtbaren Fundament seiner Kirche gemacht und ihm die Schlüssel der Kirche übergeben Der Bischof der Kirche von Rom, der Nachfolger des hl. Petrus, ist „Haupt des Bischofskollegiums, Stellvertreter Christi und Hirte der Gesamtkirche hier auf Erden “(CIC, can. 331).

Von daher schmückt auch das lateinische Zitat des Herrenwortes die Kuppel des Petersdoms in Rom: Tu es Petrus et super hanc petram aedificabo ecclesiam meam […] et tibi dabo claves regni caelorum – du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen […] und ich werde dir die Schlüssel des Königreiches der Himmel geben (Mt 16,18.19)
Nach einem Blick auf den griechischen Text der Perikope möchte ich hier eine weitere, sehr alte Auslegungstradition dieser Perikope vorstellen.

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