Die puncta extraordinaria in der Tora

Wenn man die Textsignale der hebräischen Bibel genauer betrachtet, fallen einem gelegentlich aussergewöhnliche Punktierungen auf, mit denen der Text versehen ist. Als Beispiel bringe ich hier Num 9,10 im Schriftbild der Biblia Hebraica Kittel von 1905 – der ausserordentliche Punkt ist von mir (und von Kittel) hervorgehoben.

Num 9,10 in der Biblia Hebraica Kittel mit einer aussergewöhnlichen Punktierung.
Num 9,10 in der Biblia Hebraica Kittel mit einer aussergewöhnlichen Punktierung.

Es handelt sich um einen der puncta extraordinaria, die mit Sicherheit wesentlich älter sind als der masoretische Text. Nähere Auskunft zu diesen Punkten gibt in der BHS die kleine Masora. „Die puncta extraordinaria in der Tora“ weiterlesen

Simon Magus, eine altlateinische Inschrift und ihre Folgen

In Apg 8,9-24 berichtet Lukas von einem Simon, der als Magier großen Eindruck auf die Einwohner der Stadt Sebaste1 in Samaria machte. Beeindruckt von der Verkündigung des Philippus lässt er sich taufen und versucht, Petrus die Vollmacht, durch Handauflegung den Heilige Geist zu verleihen, abzukaufen. Die Perikope endet mit einer brüsken Zurückweisung Simons durch Petrus, dem Aufruf zur Umkehr an Simon und dessen Bitte an Petrus, für ihn zu beten. „Simon Magus, eine altlateinische Inschrift und ihre Folgen“ weiterlesen

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  1. So identifiziert Rudolph Pesch die von Lukas in 8,5 genannte »Stadt Samarias« in EKK V/1 S. 272

Zur Lichtregie in der Feier der Osternacht

Nach der Osteroktav ist es Zeit für einen kleinen Rückblick auf die Liturgie der Osternachtfeier. Hier spielt die Bibelauslegung durch die Liturgie eine ganz entscheidende Rolle, und sehr erhellend ist dabei der Einsatz von Licht und Finsternis. „Zur Lichtregie in der Feier der Osternacht“ weiterlesen

Notizen zur Entwicklung des römisch-katholischen Eheverständnisses IV

Gratian hatte die Durchsetzung der Ehefähigkeit von Sklaven vorangetrieben und er urteilte, dass eine Frau nicht gegen ihren Willen verheiratet werden darf – ebenso wie ein Mann. Damit legte er die Grundlage für die klassische Formulierung des römisch-katholischen Eherechts, die in zeitlicher Nähe zu der Erstellung seiner Rechtssammlung erfolgte.
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Notizen zur Entwicklung des römisch-katholischen Eheverständnisses III

Gratian brach als erster mit dem Rechtsprinzip, dass Sklaven ohne Einwilligung oder gar gegen den Willen ihrer Besitzer nicht heiraten können. Wie aber sah es mit der freien Gattenwahl der Frauen aus? Auch hier lohnt sich der Blick in die von ihm begonnene Rechtssammlung. „Notizen zur Entwicklung des römisch-katholischen Eheverständnisses III“ weiterlesen

Notizen zur Entwicklung des römisch-katholischen Eheverständnisses II

Das Erbe der Antike war das Konsensprinzip und die »Eheunfähigkeit« der Sklaven. Wie ging die Entwicklung weiter? Für uns Heutige ist die antike rechtliche Regelung betreffend die nach römischem Rechtsverständnis unmögliche Eheschließung zwischen Sklaven und Freien ein Schlag ins Gesicht. „Notizen zur Entwicklung des römisch-katholischen Eheverständnisses II“ weiterlesen

Notizen zur Entwicklung des römisch-katholischen Eheverständnisses I

Die Entwicklung des römisch-katholischen Eherechts ist komplex, was auch damit zusammenhängt, dass es in den ersten Jahrhunderten keine eigene kirchliche Eheschließung gab. „Notizen zur Entwicklung des römisch-katholischen Eheverständnisses I“ weiterlesen

Über das Knien beim Sonntagsgottesdienst

Seit meiner Kindheit im Rheinland bin ich es gewohnt, während des Hochgebetes von der Epiklese bis zum Herrengebet zu knien. Hier in Wien ist eine mildere Variante üblich – während der Wandlung wird gekniet, nach der Volksakklamation setzen sich alle nieder. Beides wäre in der Alten Kirche am Sonntag nicht nur undenkbar gewesen, es war sogar ausdrücklich verboten. „Über das Knien beim Sonntagsgottesdienst“ weiterlesen

Nahm Bischof Nikolaus von Myra am Konzil von Nicäa teil?

Die traditionelle katholische Kirchengeschichtsschreibung ging – wie etwa Carl Joseph von Hefele in seiner Conciliengeschichte 1 – selbstverständlich davon aus, dass Bischof Nikolaus von Myra Teilnehmer am ersten ökumenischen Konzil von Nicäa (325) gewesen sei. Diese Position wird auch heute noch vertreten. Meine Nachschau in den Quellen lässt mich zu einem gegenteiligen Ergebnis kommen. „Nahm Bischof Nikolaus von Myra am Konzil von Nicäa teil?“ weiterlesen

Eine Inschrift aus der Zeit und mit dem Namen Elischas?

Amihai Mazar, Leiter der Ausgrabungen des Tel Reḥov durch das Institut für Archäologie der Hebrew University in Jerusalem ist der Meinung, eine Tonscherbe aus dem 10. Jh. BCE gefunden zu haben, die mit dem Namen des biblischen Propheten Elischa beschrieben sei. Mich überzeugt er damit nicht. „Eine Inschrift aus der Zeit und mit dem Namen Elischas?“ weiterlesen