In Memoriam Karl-Pius Zeßner-Spitzenberg

Wie ich vor kurzem erfahren habe, ist am Ostermontag dieses Jahres Karl-Pius Zeßner-Spitzenberg im 98. Lebensjahr gestorben. Im Februar 2019 konnte ich ihn bei den THEOLOGISCHEN KURSEN zu einem Vortrag über den Märtyrer-Tod seines Vaters in Dachau einladen. Das NS-Regime hatte Hans Karl Zeßner-Spitzenberg im März 1938 aus einer Eucharistiefeier in der Pfarrkirche Kaasgraben heraus verhaften lassen. Auf dem Weg ins Konzentrationslager wurde er so schwer misshandelt, dass er dort an den erlittenen Verletzungen starb.  Das beeindruckende Zeitzeugnis seines Sohnes, der dieses Geschehen als Kind miterleben musste, kann hier nachgehört werden.

Augustinus zum Thema Sklaverei

Im sog. Bundesbuch gebietet die Tora, dass ein hebräischer Sklave nach sechs Jahren freizulassen ist. In seiner Auslegung des Hexateuchs (der ersten sechs Bücher der Bibel) kommt Augustinus auf diese Bestimmung zu sprechen – und bestreitet vehement deren Anwendbarkeit. „Augustinus zum Thema Sklaverei“ weiterlesen

Hat Israel die Propheten getötet?

Ein gängiger Vorwurf im NT lautet im Zusammenhang mit der Kreuzigung Jesu, Israel habe ja schon immer die Propheten verfolgt und getötet. Stimmt dieser Vorwurf überhaupt? Und wie ist er zu verstehen?

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Paulus und der Fluch des Gesetzes

Im dritten Kapitel des Galaterbriefes spricht Paulus davon, dass alle, die aus den Werken des Gesetzes sind, unter dem Fluch sind (Ὅσοι γὰρ ἐξ ἔργων νόμου εἰσίν, ὑπὸ κατάραν εἰσίν) und beruft sich dabei auf Dtn 27,26: Denn es ist geschrieben: Verflucht ist jeder, der sich nicht treu an alles Geschriebene hält in dem Buch des Gesetzes, um es zu tun. (Γέγραπται γὰρ ὅτι ἐπικατάρατος πᾶς ὃς οὐκ ἐμμένει πᾶσιν τοῖς γεγραμμένοις ἐν τῷ βιβλίῳ τοῦ νόμου τοῦ ποιῆσαι αὐτά. Gal 3,10) Und zwei Verse weiter spricht er davon, dass der Messias uns losgekauft hat aus dem Fluch des Gesetzes, indem er für uns zum Fluch wurde. (Χριστὸς ἡμᾶς ἐξηγόρασεν ἐκ τῆς κατάρας τοῦ νόμου γενόμενος ὑπὲρ ἡμῶν κατάρα). Diese kühne Dialektik wird wieder durch ein Zitat aus dem Deuteronomium (Dtn 21,23) erläutert: Denn es ist geschrieben: Verflucht ist jeder, der auf dem Holz aufgehängt ist (Ὅτι γέγραπται· ἐπικατάρατος πᾶς ὁ κρεμάμενος ἐπὶ ξύλου. Gal 3,13)

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Legion ist mein Name, weil wir viele sind

Als Fjodor Michailowitsch Dostojewski seinen Roman „Die Dämonen“ schrieb, stellte er ihm neben einem Gedicht von Alexander Sergejewitsch Puschkin die neutestamentliche Erzählung von einer Dämonebannung Jesu voran, allerdings in der Version des Evangelisten Lukas. Ich möchte hier die Markus-Fassung der Erzählung untersuchen und auf ihre historischen Hintergründe befragen, um ihr Verständnis zu erleichtern. Markus erzählt in 5,1-20, wie Jesus einen Besessenen von einem Dämon befreit, der sich selbst „Legion“ nennt. Mit der Erlaubnis Jesu fährt „Legion“ dann in eine Schweineherde, die im See von Galiläa ertrinkt.
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Ist die Mundkommunion katholisch?

Im Zug der Corona-Krise war eine Zeitlang hier in Wien im Gottesdienst die Mundkommunion aus hygienischen Gründen verboten – was zu bemerkenswerten Reaktionen führte: so sah ich Gläubige, die sich die Kommunion vom Spender in ein Gefäß legen ließen, mit dessen Hilfe sie sich dann selbst die Mund-Kommunion spendeten. Unabhängig davon fiel mir ein reaktionäres Pamphlet in die Hände, das die Handkommunion als Ursache aller Übel in Welt und Kirche ausmachte. Zeit also, einmal einen gründlicheren Blick in die katholische Tradition zu werfen. Dabei gehe ich strikt chronologisch vor. „Ist die Mundkommunion katholisch?“ weiterlesen

Der Spottkönig

Eine weitere bemerkenswerte Parallele zwischen den Passionsberichten der kanonischen Evangelien und einem jüdischen Autor des ersten Jahrhunderts findet sich in Philos Werk „In Flaccum“. Man vergleiche einmal die Schilderung des Spottkönigs in Mt 27,27-31 und Mk 15,16-20 mit dieser Episode.

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Die Vorhersage der Zerstörung Jerusalems durch Jesus

Die Vorhersage der Zerstörung des Tempels durch Jesus ist in den kanonischen Evangelien mehrfach überliefert: Mt 24,1-2; Mk 13,1-2; Lk 21,5-6; (vgl. Lk 19,41-44). Das ist unter anderem deshalb wichtig, weil dieses Wort heute noch gerne zur Datierung der Entstehung des Markus-Evangeliums herangezogen wird, im Sinne eines »vaticiniums ex eventu«: Markus wusste um die Zerstörung des Tempels und legte dieses Ereignis Jesus in den Mund, was darauf hinweise, dass Markus sein Evangelium nicht vor der Zerstörung des Tempels habe schreiben können. Bevor ich dieses Argument näher würdige, will ich auf eine nicht so bekannte Erzählung eingehen, die ebenfalls von einer Unheilsprophetie Jesu über Jerusalem und den Tempel berichtet, nur dass es sich nicht um Jesus von Nazareth, sondern um Jesus, den Sohn des Ananos handelt. Von ihm erzählt Flavius Josephus in seiner Geschichte des jüdischen Krieges:

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Die Sehnsucht neuzeitlicher Bibelübersetzer nach Züchtigung

In der Neuzeit beginnen Bibel-Übersetzer Züchtigungen zu erfinden, die in der Bibel gar nicht vorkommen. Hier dazu ein Beispiel aus der Lukas-Passion, das ich bemerkenswert finde.

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Die erstmalige Verwendung des Wortes „Bibel“

Dies ist ein Blog über die Auslegung der Bibel, aber seit wann gibt es das Wort „Bibel“ überhaupt? Meines Wissens nach wird es das erste Mal von Johannes Chrysostomos verwendet (344/354-407), und zwar in einer seiner Predigten über den Kolosserbrief. „Die erstmalige Verwendung des Wortes „Bibel““ weiterlesen