Jesustraditionen und die Mischna

Abraham Geiger hat 1845 in Breslau ein »Lehr- und Lesebuch zur Sprache der Mischnah« veröffentlicht. Über ein Jerusalemer Antiquariat ist ein Exemplar zu mir gekommen. Als christlicher Theologe gehöre ich eindeutig zur Zielgruppe des Lehrbuches, denn Geiger wollte Leuten wie mir, die eigentlich keine Ahnung und oft Vorurteile haben, ohne in der Lage zu sein, eine Zeile nicht vokalisiertes Hebräisch zu verstehen, eine grundlegende Einführung geben. „Jesustraditionen und die Mischna“ weiterlesen

Rezension zu Markus Tiwald: Die Logienquelle. Text, Kontext, Theologie

Dieses Werk von Markus Tiwald, Professor für Neues Testament an der Universität Duisburg-Essen, ist ziemlich aktuell beim Kohlhammer-Verlag erschienen. Das Vorwort des Verfassers datiert vom Mai 2016. „Rezension zu Markus Tiwald: Die Logienquelle. Text, Kontext, Theologie“ weiterlesen

Wer nicht Vater und Mutter und Frau und Kinder hasst, kann nicht mein Schüler sein

Wenn Jesus für eine Aussage besonders bekannt ist, dann die, seinen Nächsten so zu lieben wie sich selbst (Lev 19,18; Mt 22,39; Mk 12,31; Lk 10,27). Da ist es einigermaßen verstörend, in Lk 14,26 zu lesen:

Wenn einer kommt zu mir und nicht hasst seinen Vater und seine Mutter und die Frau und die Kinder und die Brüder und die Schwestern und auch noch sein eigenes Leben, nicht kann er sein mein Schüler (Ü: Münchner NT).

Da erheben sich doch einige Fragen.

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Diese Bibelstelle verstehe ich nicht

Die größte Herausforderung für bibelauslegende Menschen ist nicht ein schwer verständlicher oder gar unverständliche Texte der Bibel, sondern das Eingeständnis, mit einem solchen Abschnitt der Schrift Schwierigkeiten zu haben oder ihn gar nicht zu verstehen. Dabei befindet man sich mit beiden Problemen in guter Gesellschaft. „Diese Bibelstelle verstehe ich nicht“ weiterlesen

Midrasch und Masora

Als der wichtigste Textzeuge des masoretischen Textes vollendet wurde, waren die Midraschim schon viele hundert Jahre alt. Gelegentlich begegnet man ihrem Einfluss auf die Masoreten, etwa zu Beginn des berühmten Kapitels Zweiundzwanzig der Genesis, das die Bindung Isaaks erzählt. „Midrasch und Masora“ weiterlesen

Eine Konzilsrede gegen den Pflichtzölibat

Socrates Scholasticus, ein nach 439 gestorbener Rechtsanwalt in Konstantinopel, verfasste eine Kirchengeschichte, in deren erstem Buch er von der bemerkenswerten Rede des aus Ägypten stammenden Bischofs Paphnutius auf dem ersten ökumenischen Konzil von Nicäa (19. Juni – 25. August 325) berichtet. Ich lasse den bedeutenden Historiker hier zu Wort kommen. „Eine Konzilsrede gegen den Pflichtzölibat“ weiterlesen

War der Apostel Paulus verheiratet?

Der Wortlaut von Phil 4,3 lässt diese Frage bis heute nicht zur Ruhe kommen, ich werfe hier einen Blick auf das Pro und Contra. „War der Apostel Paulus verheiratet?“ weiterlesen

Der Kreuzträger auf dem Berg Morija

Auf den ersten Blick hat man es hier mit einer klassischen christlichen Auslegung von Gen 22,6 zu tun – der zweite Blick bringt überraschendes zu Tage. „Der Kreuzträger auf dem Berg Morija“ weiterlesen

Die puncta extraordinaria in der Tora

Wenn man die Textsignale der hebräischen Bibel genauer betrachtet, fallen einem gelegentlich aussergewöhnliche Punktierungen auf, mit denen der Text versehen ist. Als Beispiel bringe ich hier Num 9,10 im Schriftbild der Biblia Hebraica Kittel von 1905 – der ausserordentliche Punkt ist von mir (und von Kittel) hervorgehoben.

Num 9,10 in der Biblia Hebraica Kittel mit einer aussergewöhnlichen Punktierung.
Num 9,10 in der Biblia Hebraica Kittel mit einer aussergewöhnlichen Punktierung.

Es handelt sich um einen der puncta extraordinaria, die mit Sicherheit wesentlich älter sind als der masoretische Text. Nähere Auskunft zu diesen Punkten gibt in der BHS die kleine Masora. „Die puncta extraordinaria in der Tora“ weiterlesen

Reinkarnation im Neuen Testament?

Gelegentlich ist mir die Verschwörungstheorie begegnet, das Christentum habe ursprünglich eine Wiedergeburt im asiatischen Sinn (= Reinkarnation) gekannt, aber diese Auffassung sei von »der Kirche« aus ideologischen Gründen unterdrückt worden, habe sich aber im Neuen Testament erhalten. Ein genauerer Blick in den (griechischen) Text hilft – wie immer – weiter. „Reinkarnation im Neuen Testament?“ weiterlesen