Bei Tagesanbruch des 24. Dezember 1775 1 schreibt der geheime Legationsrat Goethe an seinen Landesherrn, den Herzog Karl August, einen Brief von einer Dienstreise. Dort heißt es: »Die Kirche geht an, in die wir nicht gehen werden, aber den Pfarrer lasse ich fragen, ob er die Odyssee nicht hat, und hat er sie nicht schick ich nach Jena. Denn unmöglich ist die zu entbehren hier in der homerisch einfachen Welt.« (Briefe, Hamburger Ausgabe, Band I, S. 202) „»Heiliger Homer« I“ weiterlesen
Autor: Oliver Achilles
»Ubi Petrus, ibi ecclesia«
Das ist ein Zitat des Kirchenvaters Ambrosius von Mailand († 397). Es bedeutet übersetzt: »wo Petrus ist, dort ist die Kirche«. In innerkatholischen und interkonfessionellen Auseinandersetzungen wird es gerne im Sinn von »nur wo der Papst ist, da ist die Kirche« verwendet und auf das hohe Alter dieser Aussage verwiesen. Aber: Hat Ambrosius in seinem Zitat überhaupt vom Papst gesprochen? „»Ubi Petrus, ibi ecclesia«“ weiterlesen
Die lateinische Rücktrittserklärung von Papst Benedikt XVI
Normalerweise läuft es in diesem Blog umgekehrt: ich verdeutsche lateinische Texte. Heute gehe ich einmal einen anderen Weg und poste hier den lateinischen Wortlaut der Rücktrittserklärung des Papstes vom Rosenmontag. „Die lateinische Rücktrittserklärung von Papst Benedikt XVI“ weiterlesen
»Heilig, heilig, heilig«
Nachlese zu Jes 6,1-8, der ersten Lesung vom heutigen Sonntag. Sie enthält das berühmte trishagion, das drei mal heilig, dass die Serafim einander zurufen. Ich lasse hier Hieronymus zu Wort kommen, er legt die Vision des Jesaja in einem Brief an Papst Damasus aus, den er 381 von Konstantinopel aus geschrieben hat. „»Heilig, heilig, heilig«“ weiterlesen
Wann beginnt menschliches Leben? II
Nochmals zu der Frage, die ich bereits hier behandelt habe. Ich möchte dabei wieder auf Thomas zurückkommen. In seinem Sentenzenkommentar vertritt der Aquinate die Meinung, dass der menschliche Fötus erst nach 40 Tagen Schwangerschaft eine Vernunftseele empfange, falls es sich um ein männliches Kind handelt (!). Bei einem weiblichen Säugling geht er von einer Frist von bis zu 90 Tagen aus. (Super Sent., lib. 3 d. 3 q. 5 a. 2 co.) „Wann beginnt menschliches Leben? II“ weiterlesen
Jan Assmann präzisiert die »mosaische Unterscheidung«
Es gibt wohl niemanden, der die Diskussion um das Gewaltpotential der monotheistischen Religionen – das immer auch eine Frage der jeweiligen Auslegung ist – in den letzten Jahrzehnten so voran getrieben hat, wie der Ägyptologe Jan Assmann. Jetzt hat er auf Perlentaucher.de seine Positionen nochmals präzisiert. Über den dabei von ihm zitierten mörderischen Priester Pinhas habe ich mich hier geäußert.
Sollen Frauen taufen dürfen?
Zum heutigen Fest des Heiligen Thomas v. Aquin dieser Beitrag, der wieder einmal interessante Verzweigungen einer Auslegungsfrage aufzeigt. „Sollen Frauen taufen dürfen?“ weiterlesen
Die Tora in der Einheitsübersetzung
Am heutigen Sonntag sieht die Leseordnung meiner katholischen Kirche Neh 8, 2-4a.5-6.8-10 als erste Lesung vor. Und wieder einmal bin ich mit der Übersetzung nicht wirklich zufrieden. „Die Tora in der Einheitsübersetzung“ weiterlesen
Als JHWH Mose töten wollte (Ex 4,21-24) V
Ich will hier eine kurze Zusammenfassung unternehmen, die in meiner Auslegung dieser schwierigen Stelle münden soll. Dabei möchte ich zunächst auf die beiden neuzeitlichen Deutungen eingehen, die beide auf der Annahme beruhen, dass der Text gleichsam unfreiwillig einen ihm zugrunde liegenden Konflikt entschleiert. „Als JHWH Mose töten wollte (Ex 4,21-24) V“ weiterlesen
Als JHWH Mose töten wollte (Ex 4,21-24) IV
Was sagen eigentlich neuzeitliche Ausleger zu dieser Stelle der Tora? Ich will hier zwei zu Wort kommen lassen, die sich von ganz anders gearteten Zugängen her dem Text genähert haben. „Als JHWH Mose töten wollte (Ex 4,21-24) IV“ weiterlesen