Untersuchungen – Kapitel 13

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(Vers. 4.) «Et ascendit Abram ex Aegypto ipse et uxor eius, et omnia quae illius erant: et Lot cum eo in desertum. Erat autem Abram dives valde in pecore, et argento, et auro: et abiit unde venit in desertum usque Bethel.» Pulchre de Aegypto liberatus ascendisse dicitur. Sed occurrit huic sensui illud, quod sequitur: quomodo potuerit exiens de Aegypto fuisse dives valde? Quod solvitur illa Hebraica veritate, in qua scribitur: Abram gravis vehementer, hoc est, βαρύς σφόδρα: Aegypti enim pondere gravabatur. Et licet videantur esse divitiae pecoris, auri, et argenti, tamen si Aegyptiae sunt, viro sancto graves sunt. Denique, non ut in Septuaginta legimus, «Abiit unde venerat in desertum usque Bethel»; sed sicut in Hebraeo scriptum est: «Abiit itinere suo per Austrum usque Bethel». Idcirco profectus de Aegypto est, ut non desertum ingrederetur, quod cum Aegypto reliquerat: sed ut per Austrum, qui Aquiloni contrarius est, veniret ad domum Dei, ubi fuerat tabernaculum eius in medio Bethel et Ai.

(Gen 13,4): »Und Abram stieg aus Ägypten hinauf mit Allem, was ihm gehörte; er und seine Frau zogen hinauf: und Lot zog mit ihm in die Wüste . Abraham war sehr reich: er besaß viele Schafe und (auch ) Silber und Gold. Und er zog in die Wüste, bis nach Bethel, woher er gekommen war.« Glücklich aus Ägypten befreit, sei er – wie man sagt – hinaufgezogen. Aber das Folgende steht in Widerspruch zu dieser Bemerkung: Wie konnte er bei seinem Auszug aus Ägypten reich gewesen sein? Das (diese Frage) lässt sich durch den hebräischen Urtext lösen, in dem geschrieben steht: Abraham war ungemein belastet, das heißt (auf griechisch) varýs sfódra: Denn er fühlte sich von der Last/Gewicht Ägyptens belastet. 1 Es mag auch den Anschein haben, dass Reichtum an Vieh, an Gold und Silber, insofern es aus Ägypten kommt, für den heiligen Mann eine schwere Bürde ist. Daher lesen wir nicht wie bei den Siebzig: »Er ging, woher er gekommen war, in die Wüste nach Bethel«, sondern so, wie es im Hebräischen geschrieben steht: »Er zog auf seinem Weg durch den Süden bis Bethel.« Deshalb brach er von Ägypten auf, sodass er die Wüste nicht betreten musste, die er zugleich mit Ägypten verlassen hatte (oder: die er ebenso wie Ägypten verlassen hatte). (Er tat dies), damit er durch den Süden, der dem Norden entgegengesetzt ist, zum Haus Gottes komme, wo dessen Zelt in der Mitte zwischen Bethel und Ai gewesen war.

Vers. 13.) «Et viri Sodomorum mali et peccatores in conspectu Dei vehementer.» Superflue hic in Septuaginta Interpretibus additum est, in conspectu Dei, siquidem Sodomorum coloni apud homines [Al. omnes], mali et peccatores erant. Ille autem dicitur in conspectu Dei peccator, qui potest apud homines iustus videri, quomodo de Zacharia et Elizabeth in praeconio ponitur, quod fuerint iusti ambo in conspectu Dei (Luc. I, 6). Et in Psalterio dicitur: Non iustificabitur in conspectu tuo omnis vivens (Ps. CXLII, 2).

(Gen 13,13): »Und die Männer von Sodoma waren ungemein böse und Sünder vor den Augen Gottes«. Überflüssigerweise wurde (an dieser Stelle) von den Siebzig hinzugefügt : vor den Augen Gottes. Es galten jedoch die Bewohner Sodoms bereits in den Augen der (aller) Menschen als böse und als Sünder. Wer aber vor den Augen Gottes Sünder genannt wird, der kann bei den Menschen als ein Gerechter gesehen werden, wie von Zacharias und Maria festgehalten wird, dass sie beide vor den Augen Gottes gerecht waren (Lk 1,6). Und im Psalter heißt es: Vor deinen Augen handelt kein Lebender gerecht. (Ps 143,2 LXX).

(Vers. 14 et 15.) «Leva oculos tuos, et vide a loco, in quo tu nunc es ad Aquilonem, et ad austrum, et ad orientem, et ad mare: quia omnem terram, quam tu vides, tibi dabo eam et semini tuo.» Quatuor climata mundi posuit, orientem et occidentem, septentrionem et meridianum. Quod autem in omnibus Scripturis legitur, hic semel dixisse sufficiat, mare semper pro occidente poni: ab eo quod Palaestinae regio ita sita sit, ut mare in occidentis plaga habeat.

(Gen 13,14-15): »Erhebe deine Augen und blicke von dem Ort, an dem du nun bist, nach Norden, nach Süden, nach Osten und zum Meer: Denn das ganze Land, das du siehst – dir und deinem Samen werde ich es geben«. Vier Weltgegenden setzte er: Osten und Westen, Norden und Süden. Es soll aber reichen, hier einmal zu sagen, was in allen Schriften gelesen wird: das Meer wird immer als Westen bezeichnet (mit Meer ist immer der Westen gemeint), weil das Gebiet Palästinas sich so erstreckt, dass das Meer in westlicher Himmelsrichtung liegt.

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  1. MBR kennt auch eine Verbindung zu Ägypten, die durch eine Parallele mit dem Exodus-Psalm 105 gewonnen wird: »Und Abram war sehr schwer/gewichtig an Vieh, an Silber und an Gold. (Gen 13,2) Dies ist es, das geschrieben ist: Und er führte sie heraus mit Silber und Gold, und nicht gab es einen von seinen Stämmen, der strauchelte. (Ps 105, 37)« (MBR XLI MÜ)

Fortsetzung Hieronymus-Übersetzung

Und weiter geht es mit dem Buch der Hebräischen Fragen zur Genesis – wieder einmal überliefert Hieronymus eine alte jüdische Auslegungstradition: diesmal zu Sara und dem Pharao.

Untersuchungen – Kapitel 12

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(Vers. 4.) «Erant autem Abram septuaginta quinque annorum, quando egressus est ex Charra.» Indissolubilis nascitur quaestio: si enim Thara pater Abrahae, cum adhuc esset in regione Chaldaea, septuaginta annorum, genuit Abram, et postea in Charra ducentesimo quinto aetatis suae anno mortuus est: quomodo nunc post mortem Thare, Abram exiens de Charra, septuaginta quinque annorum fuisse memoratur: cum a nativitate Abrae usque ad mortem patris eius, centum triginta quinque fuisse anni doceantur. Vera est igitur illa Hebraeorum traditio, quam supra diximus, quod egressus sit Thara cum filiis suis de igne Chaldaeorum: et quod Abram Babylonio vallatus incendio, quia illud adorare nolebat, Dei sit auxilio liberatus; et ex illo tempore ei dies vitae, et tempus reputetur aetatis, ex quo confessus est Dominum, spernens idola Chaldaeorum. Potest autem fieri, ut quia Scriptura reliquit incertum, ante paucos annos Thara de Chaldaea profectus, venerit in Charran, quam mortem obierit. Vel certe statim post persecutionem in Charran venerit, et ibi diutius sit moratus. Si quis ergo huic expositioni contrarius est, quaeret aliam solutionem: et tunc recte ea, quae a nobis dicta sunt, improbabit.

(Gen 12,4): »Abram war aber fünfundsiebzig Jahre alt, als er aus Charra auszog.« Es ergibt sich eine unlösbare Frage: Wenn nämlich Thara, der Vater Abrahams, während er bis dahin im Gebiet der Chaldäer war, mit siebzig Jahren Abram zeugte, 1 und später in Charra im zweihundertundfünften Jahr seines Lebensalters starb: 2 Wie kann dann berichtet werden, dass Abram, als er nach dem Tod Tharas von Charra wegzog, fünfundsiebzig Jahre gewesen sei, während doch gelehrt wird, dass es von der Geburt Abrams bis zum Tod seines Vaters hundertfünfundreissig Jahre gewesen seien? 3 Wahr ist also die alte Tradition der Hebräer, die wir oben erwähnt haben, dass Thara mit seinen Söhnen aus dem Feuer der Chaldäer entkommen sei; und dass Abram das Feuer nicht anbeten wollte und dass er deshalb vom babylonischen Feuer wie von einem Wall umgeben war; doch durch die Hilfe Gottes wurde er befreit; und seit dieser Zeit sollen sie ihm die Tage seines Lebens und damit sein Lebensalter errechnen, von dem an er sich zum Herrn bekannte, indem der die Götzenbilder der Chaldäer verschmähte. Es kann auch sein, dass Thara – weil die Schrift Ungewisses stehen ließ – wenige Jahre, bevor er sich von den Chaldäern aufmachte, nach Charran kam, wo er starb. Oder er kam in der Tat sofort nach der Verfolgung nach Charran, wo er sich länger aufhielt. Wenn einer ein Gegner dieser Erklärung ist, wird er eine andere Lösung suchen: Und er wird dann mit Recht unsere Lösung verwerfen.

(Vers. 9.) «Et proficiscens Abram, abiit in desertum: et fames facta est super terram.» Et in praesenti et in plurimis aliis locis, pro deserto, ad Austrum, scriptum est in Hebraeo. Hoc igitur notare debemus.

(Gen 12,9): »Und Abram brach auf und zog in die Wüste: Und eine Hungersnot entstand auf der Erde.« An der vorliegenden Stelle und an vielen anderen steht im Hebräischen für Wüste nach Süden. 4 Das müssen wir aber anmerken.

(Vers. 15 et 16.) «Et viderunt eam principes Pharaonis, et laudaverunt eam apud Pharaonem, et introduxerunt eam in domum Pharaonis: et Abram benefecit propter eam: et fuerunt ei oves, et armenta, et asini, et servi, et ancillae, muli et cameli.» Licet corpus sanctarum mulierum non vis maculet, sed voluntas: et excusari possit Sarai, quod famis tempore sola regis in peregrinis locis, marito connivente, resistere nequiverit; tamen potest et aliter foeda necessitas excusari: quod iuxta librum Esther quaecumque mulierum placuisset regi apud veteres sex mensibus ungebatur oleo myrtino, et sex mensibus in pigmentis variis erat, et curationibus feminarum, et tunc demum ingrediebatur ad regem (Esther II, 12, 13). Atque ita potest fieri, ut Sarai postquam placuerat regi, dum per annum eius ad regem praepararetur introitus, et Abrahae Pharao multa donaverit, et Pharao postea sit percussus a Domino, illa adhuc intacta ab eius concubitu permanente.

(Gen 12,15 und 16) »Und es sahen sie die Vornehmen des Pharao, und sie lobten sie vor dem Pharao und führten sie in das Haus des Pharao: und Abram wurden ihretwegen Wohltaten erwiesen, und er erhielt Schafe, Herdenvieh, Esel, Knechte, Mägde, Maultiere und Kamele.« Nicht Gewalt vermag den Körper frommer Frauen zu besudeln, sondern der Wille/die Absicht: und Sarai könnte man entschuldigen, dass sie zur Zeit der Hungersnot, während ihr Mann die Augen schloss, allein an den fremden Orten des Königs nicht widerstehen konnte. Doch kann man auch eine andere schmähliche Notsituation entschuldigen: Nach dem Buch Esther: welche der Frauen auch immer dem König gefiel (bei den alten Schreibern steht), »dass sie sechs Monate lang mit Myrtenöl gesalbt wurde und sechs Monate lang mit verschiedenen Schönheits- und Pflegemitteln für Frauen verbrachte, und dann endlich zum König hineinschritt (Est 2,12-13). Und so konnte es geschehen, dass Sarai, da sie dem König gefallen hatte, während einem Jahr auf ihren Eintritt zum König vorbereitet wurde, während der Pharao dem Abraham vieles schenkte und danach aber vom Herrn geschlagen worden war, blieb sie unversehrt von seinem Beilager.

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  1. »Terach war siebzig Jahre alt, da zeugte er Abram, Nahor und Haran«. (Gen 11,26 EÜ)
  2. »Die Lebenszeit Terachs betrug zweihundertfünf Jahre, dann starb Terach in Haran« (Gen 11,32 EÜ)
  3. Dieses Alter errechnet Hieronymus, indem er die Jahresangabe von Gen 11,26 von der in Gen 11,32 abzieht: 205 Jahre – 75 Jahre = 135 Jahre.
  4. נֶגְבָּה heißt Wüste bzw. Süden; davon stammt die heute bekannte Bezeichnung »Negev« für die Wüste im Süden Israels.

Gog und Magog IV

Eine Bemerkung des Hieronymus in seinem Brief Nr. 77 sollte sich für unser Thema als folgeschwer erweisen. Dort kam der Kirchenvater – wohl im Jahr 399 – auf die schwierige politische Lage zur Zeit der Völkerwanderung zu sprechen – und er machte eine rätselhafte geografische Anspielung. „Gog und Magog IV“ weiterlesen

Fortsetzung Hieronymus Übersetzung

Ich habe jetzt das Elfte Kapitel der Hebräischen Untersuchungen übersetzt und online gestellt. Für mich ist es mittlerweile zur Gewißheit geworden, dass Hieronymus mit jüdischen Bibelauslegern im Gespräch war, deren Auslegungen zur Zeit des Hieronymus im Midrasch Bereschit Rabba gesammelt wurden.

Untersuchungen – Kapitel 11

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(Vers. 28.) «Et mortuus est Aran ante patrem suum in terra, qua natus est in regione Chaldaeorum.» Pro eo, quod legimus, in regione Chaldaeorum, in Hebraeo habetur, in UR CHESDIM (באור כשּזום), id est in igne Chaldaeorum. Tradunt autem Hebraei ex hac occasione, istiusmodi fabulam: Quod Abraham in ignem missus sit, quia ignem adorare noluerit, quem Chaldaei colunt, et Dei auxilio liberatus, de idololatriae igne profugerit: quod in sequentibus scribitur, egressum esse Tharam cum sobole sua de regione Chaldaeorum: pro quo in Hebraeo habetur, de incendio Chaldaeorum. Et hoc esse quod nunc dicitur: «Mortuus est Aran ante conspectum Thare patris sui in terra nativitatis suae, in igne Chaldaeorum;» quod videlicet ignem nolens adorare, igne consumptus sit. Loquitur autem postea Dominus ad Abraham: Ego sum qui eduxi te de igne Chaldaeorum. (Gen XV,7)

(Gen 11,28): »Und Aran starb vor seinem Vater in dem Land, in dem er geboren worden war, im Gebiet der Chaldäer.« Für das, was wir als im Gebiet der Chaldäer lesen, steht im Hebräischen in Ur Kasɘddim, 1 das heißt im Feuer der Chaldäer. 2 Von diesem Vorfall aber überliefern die Hebräer folgende Fabel: Abraham sei in das Feuer geworfen worden, weil er das Feuer nicht anbeten wollte, das die Chaldäer verehren, und sei – mit Gottes Hilfe befreit – vor dem Feuer des Götzendienstes geflohen. Im Folgenden steht geschrieben, dass Thara mit seiner Nachkommenschaft das Gebiet der Chaldäer verlassen habe, wofür im Hebräischen vom Feuerbrand der Chaldäer steht. Und das bedeute das, was nun gesagt wird: »Aran starb vor dem Angesicht seines Vaters Thara 3 im Land seiner Geburt, im Feuer der Chaldäer«, weil er offensichtlich – als er das Feuer nicht anbeten wollte – vom Feuer verzehrt worden sei. Auch spricht der Herr später zu Abraham: Ich bin es, der dich aus dem Feuer der Chaldäer herausgezogen hat (Gen 15,7). 4

(Vers. 29.) «Et sumpserunt Abram et Nachor sibi uxores. Nomen uxoris Abram, Sarai: et nomen uxoris Nachor, Melcha filia Aran. Pater autem Melchae, ipse est pater Iescae.» Aran filius Thare, frater Abraham et Nachor, duas filias genuit, Melcham, et Sarai cognomento Iescan, δυώνυμον. E quibus Melcham accepit uxorem Nachor, et Sarai Abraham: necdum quippe inter patruos, et fratrum filias nuptiae fuerant lege prohibitae, quae in primis hominibus, etiam inter fratres et sorores initae sunt.

(Gen 11,29): »Und Abram und Nachor nahmen sich Frauen. Der Name der Frau Abrams war Sarai; und der Name der Frau Nachors war Melcha, eine Tochter Arans. Aber der Vater Melchas ist auch der Vater Iescas«. 5 Aran, der Sohn Tharas, der Bruder Abrahams und Nachors, zeugte zwei Töchter: Melcha und Sarai mit dem Beinamen Iescan, ein Duonym. 6 Von den beiden nahm Nachor die Melcha zur Frau und Abram die Sara. Allerdings waren durch das Gesetz Ehen zwischen Onkeln und den Töchtern der Brüder noch nicht verboten, die bei den ersten Menschen auch zwischen Brüdern und Schwestern geschlossen wurden. 7

Fortsetzung

Show 7 footnotes

  1. Die Hieronymus vorliegende Hexapla vokalisiert den Namen anders, als der MT, der כַּשְׂדִּֽים bietet.
  2. אוּר wird in der hebräischen Bibel auch im Sinn von Feuer verwendet; vgl. Jes 31,9; 44,16; 47,14; Ez 5,2
  3. In der EÜ lauten die Namen Haran und Terach.
  4. Diese fabula ist in der jüdischen Tradition breit bezeugt, hier die Fassung des MBR: Im Zuge einer langen Erzählung, in der Abraham zuerst die Götzenbilder seines Vaters zerschlägt, wird er vor Nimrod gebracht. »Wenn du mich nur mit Worten abfertigst, sprach endlich Nimrod, (so wisse) ich bete nur das Feuer an. Ich werde dich ins Feuer werfen und es mag dich der Gott, den du anbetest, aus ihm erretten. Haran stand dabei und war noch voller Zweifel. Er sprach bei sich: Siegt Abraham, so spreche ich, ich bin von Abraham (d.i. ich bin seiner Meinung), siegt Nimrod, so spreche ich: Ich bin von Nimrod. Als hierauf Abraham in den Glutofen hinabstieg, um von den Flammen verzehrt zu werden, aber gerettet wurde, fragte man den Therach: Wem schliesst du dich nun an? Er antwortete: dem Abraham. Da nahm man ihn und warf ihn ins Feuer und er starb vor dem Angesicht seines Vaters. Das ist nun der Sinn der Worte: Und Haran ging heraus und starb vor dem Angesicht seines Vaters Therach.« (MBR XXXVIII, Ü: August Wünsche). Dass Abrahams Vorfahren Götzenanbeter waren, entnahm man Jos 24,2: »Josua sagte zum ganzen Volk: So spricht der Herr, der Gott Israels: Jenseits des Stroms wohnten eure Väter von Urzeiten an (Terach, der Vater Abrahams und der Vater Nahors) und dienten anderen Göttern.« (EÜ) Noch älter als MBR ist die aramäische Erzählung im Danielbuch, die das Motiv der Feuerprobe eindeutig aufnimmt (Dan 3 – die drei Jünglinge im Feuerofen). Pirke de Rabbi Eliezer kennt diese Tradition als die Zweite von den zehn Prüfungen Abrahams (PRE XXVI), der Koran kennt die gesamte Tradition, das Feuer wird in 37,95-96 zitiert. Augustinus ist diese Erzählung vom Feuer ebenfalls bekannt (De Civ XVI,15)
  5. So werden die Namen in der EÜ wiedergegeben: Nahor, Milka und Jiska.
  6. In diesem Sinn verwendet Hieronymus das für mich nicht herleitbare Wort δυώνυμον auch in seinem Jesaja Kommentar: »Jerusalem et Sion esse δυώνυμον saepe docui« – »dass Jerusalem und Sion ein Duonym sind, habe ich häufig gelehrt«. (Commentariorum in Isaiam Prophetam libri duodeviginti; Liber decimus quartus, Auslegung zu Jes 50,17)
  7. Diese Geschwisterehen mussten die antiken Ausleger als zwingend voraussetzen, um die Abstammung des Menschengeschlechtes aus einem Menschenpaar, nämlich Adam und Eva, erklären zu können. Bei den Rabbinen klingt das so: »Und sie fuhr fort zu gebären seinen Bruder Hebel (Gen 4,2): Das ist ein Beweis für die Ansicht des Rabbi Josua ben Karcha, nach welcher zwei ins Bett stiegen und sieben herauskamen. Sie fuhr fort zu gebären d.h. nämlich: das Gebären ging fort, aber nicht das Schwangerwerden« (MBR XXII,3 zu Gen 4,2; Ü: August Wünsche); also Adam und Eva zeugten neben Kain und Abel noch weitere Kinder – eben ihre namentlich nicht genannten Schwestern, mit denen sie ihrerseits – im Sinne des Hieronymus – Kinder zeugten.

Untersuchungen – Kapitel 10

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(Vers. 2.) «Filii Iapheth, Gomer, et Magog et Madai, et Iavan, et Thubal, et Mosoch, et Thiras.» Iaphet filio Noe, nati sunt septem filii, qui possederunt terram in Asia ab Amano et Tauro, Syriae Coeles et Ciliciae montibus, usque ad fluvium Tanain. In Europa vero usque ad Gadira, nomina locis et gentibus relinquentes: e quibus postea immutata sunt plurima, caetera permanent ut fuerunt. Sunt autem Gomer, Galatae: Magog, Scythae: Madai, Medi: Iavan, Iones, qui et Graeci: unde et mare Ionium. Thubal Iberi, qui et Hispani, a quibus Celtiberi, licet quidam Italos suspicentur. Mosoch, Cappadoces: unde et urbs usque hodie apud eos Mazeca dicitur: (porro Septuaginta interpretes, Caphthorim Cappadoces arbitrantur:) Thiras, Thraces, quorum non satis immutatum vocabulum est. Scio quemdam Gog et Magog, tam de praesenti loco, quam de Ezechiel, ad Gotthorum nuper in terra nostra bacchantium historiam retulisse, quod utrum verum sit, praelii ipsius fine monstratur. Et certe Gotthos omnes retro eruditi, magis Getas, quam Gog et Magog appellare consueverunt. Hae itaque septem gentes, quas de Iapheth venire stirpe memoravi, aquilonis partem inhabitant.

(Gen 10, 2) »Die Söhne Jafets: 1 Gomer, Magog, Madai, Jawan, Tubal, Meschech und Tiras«. Jafet, dem Sohn Noes, wurden sieben Söhne geboren, die in Asien Land besaßen, vom (Berg) Amanus 2 und (dem Berg) Taurus, (über) Cölesyrien 3 und Kilikien 4 bis zum Fluss Tanais. 5 In Europa aber liessen sie bis Cadiz den Orten und Stämmen ihre Bezeichnungen. Von ihnen sind später sehr viele völlig geändert worden, die übrigen blieben so, wie sie waren. Gomer sind nämlich die Galater, Magog die Skythen; Madai die Meder, Jawan die Ionier, die auch Griechen sind – daher auch (der Ausdruck) das Ionische Meer. Tubal sind die Iberer, die auch Spanier sind, von denen die keltischen Iberer (stammen), mögen manche auch (in ihnen) die Italer vermuten. 6 Meschech sind die Kappadokier: daher heißt bei ihnen bis heute eine Stadt Mazeca (ferner halten die Siebzig Übersetzer die Kaftoriter 7 für Kappadokier). Tiras sind die Thraker, deren veränderte Bedeutung nichts Besonderes ist. Ich weiß, dass jemand Gog und Magog an der vorliegenden (Genesis)Stelle wie auch bei Ezechiel 8 auf die Geschichte der Goten, die kürzlich in unserem Land rasten, bezogen hat. Ob das allerdings wahr ist, wird sich am Ende des Kampfes zeigen. 9 Sicher haben früher alle Gebildeten gewöhnlich die Goten eher als Geten, statt als Gog und Magog bezeichnet. Diese sieben Stämme also, die – wie ich erwähnt habe – vom Stamm Japhet kommen – bewohnen die Gegend des Nordens (den Norden).

(Vers. 3) «Filii Gomer, Aschenez, et Riphath, et Thogarma.» Aschenez Graeci Reginos vocant: Riphath, Paphlagones, Thogarma, Phrygas.

(Gen 10,3) »Die Söhne des Gomer: Aschkenas, Rifat und Torgama.«Aschkenas nennen die Griechen die Rhegionier, 10 Rifat die Paphlagonier, 11 Torgama die Phrygier. 12

(Vers. 4) «Filii Iavan, Elisa, et Tharsis, Cethim et Dodanim. Ab his divisae sunt insulae nationum in terris suis. Vir secundum linguam suam et cognationem suam, et gentem suam.» De Ionibus, id est, Graecis nascuntur Elisaei, qui vocantur Aeolides: unde et quinta lingua Graeciae Aeolis appellatur, quam illi vocant πέμπτην διάλεκτον. THARSIS Iosephus Cilicas arbitratur, θ aspirationis litteram vitiose a posteris in τ dicens fuisse corruptam: unde et metropolis eorum civitas Tarsus appellatur, Paulo apostolo gloriosa. Cethim, sunt Citii, a quibus usque hodie quoque urbs Cypri Citium nominatur. Dodanim, Rhodii: ita enim Septuaginta Interpretes transtulerunt. Legamur Varronis de Antiquitatibus libros, et Sisinnii Capitonis, et Graecum Phlegonta, caeterosque eruditissimos viros: et videbimus omnes pene insulas, et totius orbis littora, terrasque mari vicinas, Graecis accolis occupatas: qui, ut supra diximus, ab Amano et Tauro montibus, omnia maritima loca usque ad oceanum possedere Britannicum.

(Gen 10,4): »Die Söhne Javans: Elisa, Tharsis, Cethim und Dodanim. Von diesen trennten sich die Inseln der Völker in ihren Ländern, jeder nach seiner Sprache, seiner Verwandtschaft und seinem Stamm.« Von den Ioniern, das bedeutet: den Griechen, entstammen die Elisäer, die Aeoliden 13 genannt werden. Daher wird die fünfte Sprache Griechenlands Aeolisch genannt, was sie pémptē diálekton 14 nennen. Tharsis hält Josephus 15 für die Kilikier, indem er sagt, von den Späteren sei das Theta, ein Buchstabe mit H zu einem T verfälscht worden: Daher wird auch ihre Provinzhauptstadt Tarsus genannt, das ist die berühmte Stadt von Paulus, dem Apostel. Die Cethim sind die Kittäer, von denen auch bis heute die Stadt der Zyprioten Citium 16 genannt wird. Dodanim, das sind die Rhodier: 17 denn so haben die Siebzig Übersetzer übersetzt. Lesen wir die Bücher „Über die Altertümer“ des Varro, 18 des Sisinnius Capito und den Griechen Phlegon 19 und die übrigen hochgelehrten Männer, dann werden wir sehen, dass sie alle Halbinseln, die Küsten des ganzen Erdkreises, die dem Meer benachbarten Länder, die von den benachbarten Griechen besetzt waren, die, wie wir oben erwähnt hatten, von den Bergen Amanus und Taurus alle am Meer gelegenen Orten bis zum britannischen Ozean besaßen.

(Vers. 6) «Filii Cham, Chus, et Mesraim, et Phuth, et Chanaan.» Chus usque hodie ab Hebraeis Aethiopia nuncupatur: Mesraim, Aegyptus: Phuth, Libyes. A quo et Mauritaniae fluvius usque in praesens Phuth dicitur, omnisque circa eum regio Phutensis. Multi scriptores tam Graeci quam Latini, huius rei testes sunt. Quare autem in una tantum climatis parte, antiquum Libyae nomen resederit, et reliqua terra vocata sit Africa, disserere non huius loci nec temporis est. Porro Chanaan obtinuit terram, quam Iudaei deinceps possederunt, eiectis Chananaeis.

(Gen 10,6) »Die Söhne Chams: Kusch, Mizrajim, Phut und Kanaan.« 20 Kusch wird bis heute von den Hebräern Äthiopien genannt, Mizrajim Ägypten und Put Libyen. Nach ihm wird auch bis in die Gegenwart ein Fluss in Mauretanien Put genannt, und das ganze Gebiet um ihn herum Putensis. Viele Schriftsteller, sowohl Griechen als auch Lateiner, sind Zeugen dafür. Daher ist der alte Namen Libye aber nur in einem Teil der Gegend geblieben, und das übrige Land wird Afrika genannt, was zu erörtern weder Ort noch Zeit zulässt. Weiters erhielt Kanaan ein Land, das danach die Judäer in Besitz nahmen, indem sie die Kanaaniter vertrieben/verdrängt hatten.

(Vers. 7) «Filii Chus, Saba, Aevila, Sabatha, Regma, et Sabathaca.» Saba a quo Sabaei, de quibus Virgilius (II Georg.):

Solis est thurea virga Sabaeis.

Et alibi, (I Aeneid.)

. . . . . centumque Sabaeo
Thure calent arae.

Evila, Getuli, in parte remotioris Africae eremo cohaerentes. Sabatha, a quo Sabatheni, qui nunc Astabari nominantur. Regma vero et Sabathaca paulatim antiqua vocabula perdidere, et quae nunc pro veteribus habeant, ignoratur.

(Gen 10,7) »Die Söhne Kuschs: Saba, Evila, Sabatha, Regma und Sabathaca « 21 Saba: Daher kommen die Sabäer, von denen Vergil sagt:

die Weihrauchstaude gehört allein den Sabäern 22

Und anderswo

… und hundert Altäre
glühen in sabäischem Weihrauch. 23

Evila: die Getulier, 24 die mit der Wüste in der Gegend des entfernten Afrika zusammenhängen. Sabatha: Daher kommen die Sabathener, die jetzt Astabarier genannt werden. 25 Aber Regma und Sabathaca haben allmählich die alten Namen verloren und welche sie anstelle der alten haben, ist heute unbekannt.

(Vers. 7) «Filii Regma, Saba et Dadan.» Hic Saba per SIN (שּ) litteram scribitur, supra vero per SAMECH (ס), a quo diximus appellatos Sabaeos. Interpretatur vero nunc Saba, Arabia, nam in septuagesimo primo psalmo, ubi nos habemus, «Reges Arabum et Saba munera offerent»: in Hebraeo scriptum est, «Reges Saba, et Saba»: primum nomen per SIN, secundum per SAMECH. Dadan gens est Aethiopiae in occidentali plaga.

(Gen 10,7) »Die Söhne Regmas: Saba und Dadan.« Hier wird Saba mit dem Buchstaben Sin geschrieben, weiter oben aber mit Samech; weshalb wir gesagt haben, sie seien Sabäer genannt worden. Aber heute werden sie als Saba bzw. Arabien ausgelegt, denn im 71. Psalm, wo wir lesen »die Könige der Araber und von Saba werden Geschenke herbeibringen«, 26 steht auf Hebräisch geschrieben: »die Könige von Saba und Saba«. 27 Der erste Namen mit Sin, der Zweite mit Samech. Das Volk Dadan liegt im Westen Äthiopiens.

(Vers. 8) «Et Chus genuit Nemrod. Iste coepit esse potens in terra.» Et post paululum:

(Gen 10,8): »Und Chus zeugte Nemrod. Dieser begann, mächtig zu sein auf der Erde.« Und kurze Zeit später heißt es:

(Vers. 10) «Et fuit, inquit, caput regni ipsius Babel et Arach, et Achad, et Chalanne in terra Sennaar.» Nemrod, filius Chus, arripuit insuetam primus in populo tyrannidem, regnavitque in Babylone, quae ab eo, quod ibi confusae sunt linguae turrim aedificantium, BABEL (בבל) appellata est. 28 Babel enim interpretatur confusio. Regnavit autem et in Arach, hoc est, in Edissa, et in Achad, quae nunc dicitur Nisibis: et in Chalanne, quae postea verso nomine a Seleuco rege est dicta Seleucia, vel certe quae nunc Κτησιφὼν appellatur.

(Gen 10,10): »Und Hauptstadt seines Königreiches wurde Babel und Arach, und Achad und Chalanne im Land Sennaar.« Nemrod, der Sohn des Chus, riss als erster die im Volk ungewohnte Tyrannenherrschaft an sich und herrschte in Babylon, das Babel genannt wird, weil dort die Sprachen derer, die den Turm erbauten, verwirrt worden sind. Babel bedeutet nämlich Verwirrung. Er herrschte aber auch in Arach, das bedeutet in Edissa29 und in Achad, das jetzt Nisibis 30 heißt; und in Chalanne, das später von König Seleukos in Seleucia umbenannt wurde, das auch heute sicherlich Ktēsifōn 31 genannt wird.

(Vers. 11) «De terra illa exiit Assur, et aedificavit Ninivem, et Robooth civitatem.» De terra hac Assyriorum pullulavit imperium, qui ex nomine Nini Beli filii, Ninum condiderunt, urbem magnam, quam Hebraei appellant NINIVEM. Ad cuius vel ruinam vel poenitentiam, tota Ionae pertinet prophetia. Quod autem ait: Ninivem et Rooboth civitatem, non putemus duas esse urbes: sed quia Rooboth plateae interpretantur, ita legendum est: Et aedificavit Ninivem, et plateas civitatis.

(Gen 10,11): »Aus jenem Land ging Assur hervor, und er erbaute Ninive, und die Stadt Robooth.« Aus diesem Land entwickelte sich das Imperium der Assyrer, die nach dem Namen des Sohnes Ninus Belus eine große Stadt, Ninus gründeten, die die Hebräer Ninive nennen. Auf dessen Verderben oder Buße bezieht sich die gesamte Prophezeiung des Jona. Dass er aber sagt: Ninive und die Stadt Rooboth, so dürfen wir nicht denken, es handle sich um zwei Städte. Sondern weil Rooboth 32 als Plätze ausgelegt wird, ist so zu lesen: Und er erbaute Ninive und die Plätze der Stadt.

(Vers. 13) «Et Mesraim genuit Ludim, et Anamim, et Laabim, et Nephtuim, et Phetrosim, et Chasloim, e quibus egressi sunt Philistiim et Caphthorim.» Exceptis Laabim, a quibus Libyes postea nominati sunt, qui prius Phutaei vocabantur: et Chasloim, qui deinceps Philistiim appellati sunt, quos nos corrupte Palaestinos dicimus, caeterae sex gentes ignotae nobis sunt, quia bello Aethiopico subversae, usque ad oblivionem praeteritorum nominum pervenere. Possederunt autem terram a Gaza usque ad extremos fines Aegypti.

(Gen 10,13): »Und Mesraim zeugte die Ludim, Anamim, Lababim, Nephtuim, Phetrosim und Chasloim, aus denen die Philistiim und Caphthorim hervorgingen«. 33 Mit Ausnahme der Laabim, nach denen später die Libyer benannt wurden, die vorher als Phutaeer bezeichnet wurden: Und der Chasloim, die zunächst Philistiim genannt wurden, die wir fälschlicherweise Palaestiner nennen, sind uns die übrigen sechs Völker unbekannt, weil sie im äthiopischen Krieg vernichtet wurden, was bis zum Vergessen der früheren Namen führte. Sie besaßen jedoch das Land von Gaza bis zu den äußersten Gebieten Ägyptens.

Vers. 15 -18) «Et Chanaan genuit Sidona primogenitum suum, et Chettaeum, et Iebusaeum, et Amorrhaeum, et Gergesaeum, et Evaeum, et Aracaeum, et Sinaeum, et Aradium, et Samaraeum, et Amathaeum.» De Chanaan primus natus est Sidon, a quo urbs in Phoenice Sidon vocatur. Deinde Aracaeus, qui Arcas condidit, oppidum contra Tripolim in radicibus Libani situm. A quo haud procul alia civitas fuit nomine Sini quae postea vario eventu subversa bellorum, nomen tantummodo loco pristinum reservavit. Aradii sunt, qui Aradum insulam possederunt angusto freto a Phoenicis littore separatam. Samaraei; quibus Emessa nobilis Syriae Coeles civitas. Amath usque ad nostrum tempus, tam a Syris quam ab Hebraeis, ita ut apud veteres dicta fuerat, appellatur. Hanc Macedones, qui post Alexandrum in Oriente regnaverunt Epiphaniam nuncupaverunt. Nonnulli Antiochiam ita appellatam putant. Alii licet non vere, tamen opinionem suam quasi verisimili vocabulo consolantes. Emath primam ab Antiochia mansionem Edessam pergentibus appellari putant: et eamdem esse quae apud veteres dicta sit Emach.

(Gen 10, 15-18): »Und Chanaan zeugte Sidona, seinen Erstgeborenen, Chettaeus, Iebusaeus, Amorrhaus, Gergesaeus, Evaeus, Aracaeus, Sinaeus, Aradius, Samaraeus und Amathaeus.« 34 Von Kanaan wurde zuerst Sidon geboren, nach dem die Stadt Sidon in Phönizien benannt ist. Danach Aracaeus, der Arcas 35 gründete, eine befestigte Stadt gegenüber von Tripolis am Fuß des Libanon. Von dort nicht weit entfernt befand sich eine andere Stadtgemeinde mit Namen Sinus, die später durch verschiedene Ereignis in Kriegen zerstört, nur dem Ort den früheren Namen bewahrte. Die Aradier sind die, die die Insel Aradus 36 besaßen, die durch einen schmalen Uferkanal von den Phöniziern getrennt ist. Samaraeer: diesen gehörte Emessa, eine edle Stadt in Cölesyrien. 37 Bis in unsere Zeit wird sie sowohl von den Syrern als auch von den Hebräern als Amath bezeichnet, so wie sie bei den Alten genannt wurde. Die Mazedonier, die nach Alexander 38 im Osten herrschten, nannten sie Epiphanias. Einige meinen, Antiochia sei so genannt worden. Mag das auch nicht wahr sein, so werden sie dennoch in ihrer Ansicht durch eine ungefähr gleiche Bezeichnung (des Ortes) bestätigt. Sie meinen, dass die, die von Antiochia Richtung Edessa aufbrechen, Emath als ersten Aufenthalt nennen. Und das sei der Ort, der bei den Alten Emach genannt worden sei.

(Vers. 19) «Et fuit terminus Chananaeorum a Sidone, donec venias in Gerara usque ad Garam pergentibus Sodomam, et Gomorrham, et Adamam, et Seboim usque ad Lise.» Quia caeterae civitates, Sidon videlicet et Gerara, et Sodoma, et Gomorrha, et Adama, et Seboim notae sunt omnibus, hoc tantum annotandum videtur, quod Lise ipsa sit, quae nunc Callirhoe dicitur, ubi aquae calidae prorumpentes in mare Mortuum defluunt.

(Gen 10,19): »Und die Grenze der Kanaanäer verlief von Sidon, solange bis man nach Gerara 39 bis Gara 40 kommt, Richtung Sodom und Gomorrha, Adama 41 und Seboim, 42 bis nach Lise.« Weil die übrigen Stadtgemeinden, Sidon natürlich und Gerara, Sodom, Gomorrha, Adama und Seboim allen bekannt sind, scheint nur anzumerken zu sein, dass Lise die (Stadtgemeinde) ist, die jetzt Callirhoe 43 genannt wird, wo die warmen Wasser hervorbrechen, die ins Tote Meer abfließen.

(Vers. 22) «Filii Sem, Elam, et Assur, et Arphaxad, et Lud, et Aram.» Hi ab Euphrate fluvio partem Asiae usque ad Indicum Oceanum tenent. Est autem Elam, a quo Elamitae principes Persidis. De Assur ante iam dictum est, quod Ninum urbem condiderit. Arphaxad a quo Chaldaei: Lud a quo Lydii: Aram a quo Syri, quorum metropolis est Damascus.

(Gen 10,22): »Die Söhne Sems: Elam, Assur, Arphaxad, Lud und Aram.« Diese beherrschten einen Teil Asiens vom Fluss Euphrat bis zum indischen Ozean. Elam ist es, von dem die Elamiter, die persischen Fürsten (abstammen). Von Assur wurde schon vorher gesagt, dass er die Stadt Ninus gegründet hat. Von Arphaxad (stammen) die Chaldäer, von Lud die Lydier, von Aram die Syrer, deren Hauptstadt Damaskus ist.

(Vers. 23) «Filii Aram, Us, et Ul, et Gether, et Mes.» Us Trachonitidis et Damasci conditor, inter Palaestinam et Coelen Syriam tenuit principatum: a quo Septuaginta Interpretes in libro Iob, ubi in Hebraeo scribitur, terra Us, regionem Ausitidem, quasi Usitidem, transtulerunt. Ul, a quo Armenii: Gether, a quo Acarnanii, sive Carii. Porro Mes, pro quo Septuaginta Interpretes Mosoch dixerunt, nunc vocantur Maeones.

(Gen 10,23): »Die Söhne Arams: Us, Ul, Gether und Mes.« Us ist der Gründer von Trachonitis 44 und Damaskus und hatte die Herrschaft zwischen Palästina und Cölesyrien inne. Daher haben die Siebzig Übersetzer im Buch Job, wo auf hebräisch Land Us geschrieben steht, das Gebiet Ausitis 45 gleichsam als Usistis übersetzt. Von Ul (stammen) die Armenier, von Gether die Arcanier oder Carier. Weiter zu Mes, das die Siebzig Übersetzer Mosoch nannten, jetzt werden sie Maeonier genannt.

(Vers. 24,25) «Arphaxad genuit Sela, et Sela genuit Heber. Ex Heber nati sunt duo filii: nomen uni Phaleg, quia in diebus eius divisa est terra, et nomen fratris eius Iectan.» Heber, a quo Hebraei, vaticinio quodam filio suo Phaleg nomen imposuit, qui interpretatur divisio, ab eo quod in diebus eius linguae in Babylone divisae sunt.

(Gen 10,24-25): »Arphaxad zeugte Sela, und Sela zeugte Heber. Heber wurden zwei Söhne geboren: Der Name des einen ist Phaleg, denn in seinen Tagen wurde die Erde verteilt, und der Name seines Bruders ist Iectan.« Heber, von dem die Hebräer abstammen, gab seinem Sohn aufgrund einer Weissagung den Namen Phaleg, der als Teilung übersetzt wird, 46 deswegen, weil in seinen Tagen die Sprachen in Babylon zerteilt wurden.

(Vers. 26-29) «Iectan genuit Helmodad, et Saleph, et Asermoth, et Iare, et Aduram, et Uzal, et Decla, Ebal, Abimael, Seba, Ophir, Evila, et Iobab.» Tredecim harum gentium posteriora nomina invenire non potui; sed usque in praesens, quia procul a nobis sunt, vel ita vocantur, ut primum, vel quae immutata sunt, ignorantur. Possederunt autem a Cophene fluvio, omnem Indiae regionem, quae vocatur Hieria.

(Gen 10,26-29) »Iectan zeugte Helmodad, Saleph, Asermoth, Iare, Aduram, Uzal, Decla, Ebal, Abimael, Seba, Ophir, Evila und Iobab.« Die späteren Namen dieser dreizehn Völker konnte ich nicht herausfinden; sie sind bis in die Gegenwart unbekannt, weil sie fern von uns sind oder so genannt werden wie vorher oder weil sie ganz verändert wurden. Sie besaßen aber vom Fluss Cophene 47 weg das ganze Gebiet Indiens, das Hieria genannt wird.

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  1. Wenn ich bei der Namensschreibung nicht Hieronymus folge, orientiere ich mich in diesem Kapitel an der Einheitsübersetzung, Ausnahmen werden angegeben.
  2. Nach dem Orbis Latinus S. 219 der Bergzug Almadagh (heute Süd-Türkei)
  3. Ein Gebiet im heutigen Libanon.
  4. Provinz in der heutigen Südtürkei, dort wurde Paulus geboren.
  5. Laut Orbis Latinum S. 189 sei damit der Don in Russland gemeint ….
  6. »Wir werden noch sehen, welche unschätzbare Stärkung des nationalen Selbstbewusstseins die Spanier 1300 Jahre lang aus diesem Sätzchen Iberi qui et Hispani schöpften, und wie stolz die Italiener später auf den Nachsatz waren.« Arno Bost: Der Turmbau von Babel II, S. 388
  7. Vgl. 1 Chr 1,12
  8. Vgl. Ez 38,1-39.29
  9. Dass Hieronymus ein aufmerksamer Beobachter der Gotenkriege war, zeigt seine Bemerkung über die Auseinandersetzungen zwischen Alarich und Stilicho in seinem Brief 123 an Ageruchias. Hieronymus spricht dort von den »Verbrechen eines halbbarbarischen Verräters, der mit unseren Geldern unsere Feinde gegen uns bewaffnet«. Übersetzung in Walter Pohl: Die Völkerwanderung S. 56)
  10. Ich vermute mit Orbis Latinus online, dass es sich um das heutige Reggio Calabria in Unteritalien handelt.
  11. Nach Orbis Latinus online eine ehemalige römische und spätere kirchliche Provinz in der Türkei
  12. Gleiche Methode, andere Ergebnisse bei den Rabbinen: »Letzteres  ist Asien, Rifat das ist Adjabene, Togarma das ist Germanien oder nach Rabbi Berachja: Germanika«. (MBR XXXVII Ü: August Wünsche)
  13. Die Bewohner der Äolischen Inseln, einer Inselgruppe vor Sizilien.
  14. d.h. »fünften Dialekt«
  15. Migne hat in Vers 1 und Vers 4 angemerkt, dass Hieronymus bei den Namenserklärungen in diesem Kapitel Flavius Josephus über weite Strecken wörtlich zitiert.
  16. Nach Orbis Latinus online ist das die Stadt Kiti, südlich von Larnaca auf Zypern.
  17. Die Bewohner von Rhodos
  18. Marcus Terentius Varro, 116-27 v. Chr., bedeutender römischer Historiker.
  19. Vermutlich Phlegon von Tralles, um 137 n. Chr. gestorben.
  20. Namen diesmal nach der Lutherübersetzung 1984.
  21. So gibt EÜ die Namen wider: Kusch, Seba, Hawila, Sabta, Ragma, Sabtecha.
  22. Publius Vergilius Maro: Georgica II,116
  23. Publius Vergilius Maro: Aeneis I, 416-417
  24. Nach Orbis Latinus online war Getulia eine antike Landschaft in Nord-Afrika, und umfasste etwa die südlichen Gebiete von Marokko, Algerien, Tunesien und Libyen.
  25. Meint Hieronymus die Astaborer? Das wären Einwohner des heutigen Sudans bzw. Äthiopiens.
  26. Entspricht Psalm 71,10 LXX bzw. Vetus Latina.
  27. Entspricht Psalm 72,10 der hebräischen Bibel. MT liest »die Könige von Schewa und Sewa«, einmal mit Sin und einmal mit Samech.
  28. Migne schreibt tatsächlich בבר
  29. Laut Orbis Latinus online ist damit Emessa, das heutige Homs in Syrien gemeint.
  30. Nisibis, heute Nusaybin an der syrisch-türkischen Grenze gelegen, Heimatstadt Ephräms des Syrers.
  31. Seleukia-Ktesiphon ist heute eine bedeutende archäologische Ausgrabungsstätte im heutigen Irak
  32. רְחֹבוֹת ist Plural von רְחֹב und bedeutet »geräumiger, offener Platz in den Städten« (Gesenius)
  33. Alle diese Namen, die auf die Silbe »im« enden, sind im Hebräischen Völkernamen und werden daher in der EÜ so wiedergegeben: »Ägypten zeugte die Luditer, die Anamiter, die Lehabiter, die Naftuhiter, die Patrositer und die Kasluhiter, von denen die Philister abstammen, ferner die Kaftoriter.«
  34. In der Wiedergabe der EÜ: »Kanaan zeugte Sidon, seinen Erstgeborenen, und Het, ferner die Jebusiter, die Amoriter, die Girgaschiter, die Hiwiter, die Arkiter, die Siniter, die Arwaditer, die Zemariter und die Hamatiter.«
  35. Ich konnte diese Stadt nicht zuordnen.
  36. Für mich ebenfalls nicht zuordenbar.
  37. Das ist heute die Stadt Homs in Syrien. Vgl. Anm. 29.
  38. Gemeint ist Alexander der Große, 356-323 v. Chr.
  39. Heute Titularbistum in der Nähe von Caesarea
  40. Konnte ich nicht zuordnen.
  41. Namen einer antiken Stadt im heutigen Jordanien, sie lag an der Mündung des Jabbok in den Jordan.
  42. Gehörte nach Gen 14,2 und Weish 10,6 LXX zur Pentapolis – einem Fünf-Städte-Gebiet am Südende des Toten Meeres.
  43. So heisst sie auch bei den Rabbinen in pMeg 1:9.
  44. Vgl. Lk 3,1
  45. Job 1,1 LXX: Es war ein Mensch im Land Ausitis, dessen Name war Job …
  46. Der hebräische Text spielt mit der Wortwurzel des Namens פֶּלֶג, der von פלג – geteilt werden – abgeleitet wird.
  47. Laut Orbis latinus 1861 S. 64 könnte damit der Fluss Cophes gemeint sein: »Kabul – Fluss in Indien«

Gog und Magog III

Ich habe ja etwas ausführlicher über die verschiedenen Verirrungen bei den Auslegungsversuchen zu Gog und Magog gesprochen. Das musste aber schon in der Antike nicht immer so sein. Es gab durchaus auch vernünftige Stimmen zu diesem Thema. „Gog und Magog III“ weiterlesen