In seinem Werk über Fragen zum Heptateuch (also die sieben ersten Bücher der Bibel – Genesis bis Richter) kommt Augustinus auf Gen 6,1 ff. zu sprechen. Seine Argumentation ist dabei von einer gewissen Unsicherheit geprägt, allerdings nicht aus theologischen Gründen, sondern wegen dem weit verbreiteten Volksglauben zu diesem Thema. „Gefallene Engel II“ weiterlesen
Autor: Oliver Achilles
Gefallene Engel I
Tertullian († um 220) schreibt in seinem Apologeticum: »Doch wie von einigen Engeln, die aus eigenem Willen verdorben wurden, ein noch verdorbeneres Volk von Dämonen hervorging, das von Gott zusammen mit den Urhebern der Nachkommenschaft und mit dem, den wir den Fürsten [=der Satan] genannt haben, verdammt wurde: dieser Hergang wird in den Heiligen Schriften erkannt« (XXII,3). Die Bibliothek der Kirchenväter merkt in ihrer Übersetzung dazu an, dass Tertullian dabei wohl an Gen 6,2 denke. Diese Auskunft scheint mir unvollständig zu sein. „Gefallene Engel I“ weiterlesen
Der unsterbliche Henoch
Eine sehr bemerkenswerte Gestalt aus der Tora ist Henoch, der in der traditionellen Bibelauslegung ein ungeahntes Nachleben erreichte. Dabei kann man sein kurzes Auftauchen in der Genesis mit James L. Kugel durchaus als »Cameo-Auftritt« bezeichnen – aber dessen Folgen reichen bis weit in das Neue Testament und tief in die christliche Theologie hinein.
Ohne Punkt und Komma
Was dem modernen Leser häufig nicht bewusst ist: die antiken Texte wurden ohne Satzzeichen überliefert. Das kann – gerade bei längeren Texten – zu einer ganz eigenen Herausforderung werden. Denn es macht sinngemäß einen großen Unterschied, wo ein Übersetzer in einem solchen Satz eine Zäsur setzt. Ich will das an einem außergewöhnlich oft im Neuen Testament zitierten Jesaja-Wort verdeutlichen. „Ohne Punkt und Komma“ weiterlesen
»Ich aber sage euch …«
Eine der bekanntesten Formulierungen aus der Bergpredigt ist die mehrfach verwendete Formel: »Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt worden ist … ich aber sage euch« (Mt 5,21.27.35). Zusammen mit Mt 5,27+31+38 wird gerne von den »Antithesen« der Bergpredigt gesprochen – aus denen dann weitreichende christologische Folgerungen gezogen werden. Zu Recht? „»Ich aber sage euch …«“ weiterlesen
Das bittere, fluchbringende Wasser II (Num 5,11-31)
Noch einmal zu Num 5,11-31. Susanne Plietzsch hat meinen letzten Beitrag zum Anlass genommen, die entsprechende rabbinische Auslegung genauer zu untersuchen. Danke an dieser Stelle für die Vertiefung dieses Themas!
Das bittere, fluchbringende Wasser (Num 5,11-31)
Ein Paradebeispiel für die Notwendigkeit eines zweiten und genauen Blicks auf einen schwierigen und anstößige Text bietet das Eifersuchtsordal aus Num 5. Hier wird ausführlich geschildert, wie ein eifersüchtiger Mann seine Frau, die er – ohne Beweise zu haben – des Ehebruchs bezichtigt, in den Tempel bringen soll. Dort bereitet der Priester einen Trunk aus »bitterem und fluchbringendem Wasser«, das im Fall der Untreue »ihren Bauch anschwelle und ihre Hüften einfallen« lassen wird. Wenn ich diesen Text mit einer Gruppe lese, ruft er zunächst immer Entsetzen hervor. Tut er das nicht zu Recht? „Das bittere, fluchbringende Wasser (Num 5,11-31)“ weiterlesen
Copy and paste III
Manchmal reicht die Veränderung eines einzelnen Buchstabens, um den Sinn eines biblischen Satzes dramatisch zu verändern – das gilt nicht nur für die hebräische Bibel, sondern auch für das griechische Neue Testament. Das vielleicht bekannteste Beispiel ist das der Geschlechtsumwandlung der Junia in einen Junias bei der Abschrift von Röm 16,7. „Copy and paste III“ weiterlesen
Copy and paste II
Ein Mann der alten Kirche, der unglaublich viel geschrieben hat – und von dem unglaublich viel abgeschrieben wurde – war der große Origenes († 254). Bald nach seinem Tod begannen die origenistischen Streitereien, die letztendlich dazu führten, dass dieser »Riese« unter den Theologen als Häretiker bezeichnet wurde. Zu den Verteidigern des Origenes im Westen gehörte Rufin von Aquilea († 412) – dessen Freundschaft mit Hieronymus († 420) wegen dieser Frage zerbrach. „Copy and paste II“ weiterlesen
Lieben oder Hassen?
Ich bin immer wieder gerne auf Diaspora unterwegs, und dort begegnen mir regelmäßig unter dem Stichwort #bible Beiträge, die in Form von Pictogrammen Kritik an der Bibel üben. In diesem Fall werden zwei auf den ersten Blick widersprüchliche Bibeltexte abgebildet: »Jeder, der seinen Bruder hasst, ist ein Mörder« (1 Joh 3,15) und »Wenn jemand zu mir kommt und nicht seine Brüder hasst, der kann nicht mein Jünger sein« (Lk 14,26). Der gewünschte Eindruck: die Bibel, ein hochproblematisches Buch. Hier meine 5 Cent dazu: „Lieben oder Hassen?“ weiterlesen
