Die Mischpoche Rahabs in Jericho

Über die Eroberung Jerichos und das dabei geschilderte Gemetzel habe ich hier schon geschrieben, ich möchte zu dieser Frage noch einen kleinen Nachschlag liefern. Der hebräische Text weist eine Eigenheit auf, die den Rabbinen zu denken gab – und sie wiederum zu weitreichenden Schlussfolgerungen führte.  „Die Mischpoche Rahabs in Jericho“ weiterlesen

»Auge um Auge, Zahn um Zahn«

Heute las ich wieder in der Zeitung von dem »alttestamentlichen Auge um Auge, Zahn um Zahn« und es scheint ausgemacht zu sein, dass die hebräische Bibel hier einer barbarischen »Rechtspraxis« huldigt, die wir zum Glück hinter uns gelassen haben. Aber stimmt diese Auslegung so wirklich? „»Auge um Auge, Zahn um Zahn«“ weiterlesen

Hieronymus zu seiner Psalmenübersetzung

Wie bereits erwähnt, hat Hieronymus den Psalter doppelt übersetzt: einmal nach der Septuaginta, das andere Mal aus dem Hebräischen. Dabei stand er unter einem doppelten Druck: er musste sich gegen innerkirchliche Kritiker verteidigen, die seiner Übersetzung aus dem Hebräischen grundsätzlich ablehnend gegenüber standen – und er wusste um die Unterschiede zwischen dem hebräischen Text und der LXX-Fassung, die christliche Apologeten in der Diskussion mit jüdischen Menschen stark verunsicherten.  „Hieronymus zu seiner Psalmenübersetzung“ weiterlesen

Pinhas, der mörderische Priester

Num 25 schildert, wie Pinhas einen Israeliten, der sich mit einer Moabiterin in sein Zelt zurückgezogen hat, um sich dort mit ihr zu vergnügen, mit einen Speer auf seinem Liebeslager samt Gefährtin tötet. Gott spricht im Anschluss an diese Tat über Pinhas: »Hiermit gewähre ich ihm meinen Friedensbund. Ihm und seinen Nachkommen wird der Bund des ewigen Priestertums zuteil, weil er sich für seinen Gott ereifert und die Israeliten entsühnt hat.« (Num 25,12-13). Belohnt der biblische Gott hier einen religiösen Fanatiker und Mörder mit einem ewigen Priestertum? „Pinhas, der mörderische Priester“ weiterlesen

Genozid in der Bibel?

In Jos 6,17 sagt Josua zu den Israeliten bei der Einnahme von Jericho: »Die Stadt mit allem, was in ihr ist, soll zu Ehren des Herrn dem Untergang geweiht sein« und in 6,21 ist zu lesen: »Mit scharfem Schwert weihten sie alles, was in der Stadt war, dem Untergang, Männer und Frauen, Kinder und Greise, Rinder, Schafe und Esel.« Dieses Gemetzel ist kein Einzelfall im Buch Josua – im Gegenteil! Nach Jos 10,28 ff. ergeht es einer ganzen Reihe von Städten und ihren Bewohnern ebenso – und abschließend heißt es: »So schlug Josua das ganze Land (…) mit allen seinen Königen. Niemand ließ er entkommen; alles, was lebte, weihte er dem Untergang, wie es der Herr, der Gott Israels, befohlen hatte.« (Jos 10,40; vgl. Jos 8,2). Ist der biblische Gott ein Gott, der Massenmorde anordnet?  „Genozid in der Bibel?“ weiterlesen

John Henry Kardinal Newman über Schrift und Inspiration

1884 veröffentlichte Newman einen Essay über »Die Inspiration in ihrer Beziehung zur Offenbarung«. Sein Ansatz trug ihm harsche Kritik von rechts und links ein. Während der große protestantische Dogmengeschichtler Adolf von Harnack urteilte, dass Newman (und vor ihm Möhler) » vergeblich versucht hatten, den katholischen Begriff der Tradition mit der Geschichte und der Kritik zu versöhnen« (DG III, 731f.), attackierten traditionalistische Katholiken den Kardinal, er habe durch seine Ausführungen den Boden der Orthodoxie verlassen. Irgendetwas muss Neman also richtig gemacht haben. Ich gebe hier einige Gedanken aus dem Essay in meiner Übersetzung wieder. Eine deutsche Fassung ist nur noch gebraucht erhältlich. „John Henry Kardinal Newman über Schrift und Inspiration“ weiterlesen

Der Gottesnamen in der Liturgie

In der Osternacht ist es mir wieder aufgefallen: in der vorgeschriebenen Lesung aus Ex 14 (die Rettung Israels am Schilfmeer) wird im katholischen Lektionar, das der Einheitsübersetzung folgt,  in Vers 25 das Tetragrammaton (gr.: der »aus Vier Buchstaben geschriebene« Gottesnamen JHWH) ausgeschrieben. Ich finde das in mehrfacher Hinsicht ärgerlich.  „Der Gottesnamen in der Liturgie“ weiterlesen

Augustinus und die »Erbsünde«

Wie wichtig die Frage der Bibelübersetzung ist, kann besonders an einem Begriff deutlich gemacht werden, der für die christliche Theologie bis heute bestimmend geblieben ist: die »Erbsünde«. Vater dieser Vorstellung ist der heilige Augustinus und Pate stand seine Lesart der Bibel.  „Augustinus und die »Erbsünde«“ weiterlesen