Die Inschrift im Tunnel

In 2 Kön 20,20 heißt es: Und das übrige der Geschichte Chiskijahu’s und all seiner Heldenthaten, und wie er den Teich gemacht, und die Leitung, und das Wasser in die Stadt gebracht, – nun das ist geschrieben in dem Buche der Zeitgeschichte der Könige von Jehudah. (Ü: Zunz) Von dieser Bautätigkeit ist eine interessante archäologische Inschrift erhalten geblieben. Vor der Belagerung Jerusalems durch die Assyrer hatte König Hiskija noch für eine Sicherung der Wasserversorgung der Stadt Sorge getragen. In dem heute noch begehbaren Siloah-Tunnel in Jerusalem fand man eine Inschrift, die die Bautrupps vor 2700 Jahren hinterlassen haben, in althebräischer Schrift.

Die Inschrift

Genauso wie die Tafel im Tempel wurde auch diese Inschrift zur Zeit der osmanischen Vorherrschaft gefunden. Das Quarterly Statement des Palestine Exploration Fund berichtet, dass man seit dem August 1880 von der Inschrift wisse. (Der ganze Bericht findet sich in dieser Ausgabe ab S. 69). Der deutsche Archäologe Conrad Schick zeichnete die Inschrift beim Schein einer Kerze ab. Diese Inschrift wurde verbessert und das erste Mal im Quarterly Statement veröffentlicht. Hier das Bild:

Palestine Exploration Fund Quarterly Statement XIII S. 70
Palestine Exploration Fund Quarterly Statement XIII S. 70

Zu bedenken ist, dass der britische  Archäologe Archibald Henry Sayce diese Abschrift anfertigte, während er im Wasser des dunklen Tunnels kauerte – heute haben es die Archäologen einfacher, da die Tafel von den Osmanen mitgenommen wurde und in Istanbul im Archäologischen Museum aufbewahrt wird. Obwohl er ein Spezialist für Inschriften war, hatte Sayce mit der Übersetzung des Textes zu kämpfen.

Das Alphabet

Klar war zunächst, dass die Inschrift in althebräischer Schrift geschrieben war, die aber gelesen werden konnte, wie diese Aufstellung zeigt:

Palestine Exploration Fund Quarterly Statement XIII S. 144
Palestine Exploration Fund Quarterly Statement XIII S. 144

Rev. Sayce begab sich noch drei weitere Male in den Tunnel und verbesserte seine Aufzeichnung der lehmverschmierten Buchstaben, wobei das fließende Wasser im Tunnel bis an die Unterkante der Inschrift reichte.

In Zusammenarbeit mit weiteren Archäologen entstand so eine verbesserte, weitere Darstellung, die leider bei der Digitalisierung des Quarterly Statement Schaden genommen hat, so dass in der Mitte des Bildes ein Abschnitt von gut einem halben Zentimeter Breite fehlt.

Ich zeige dieses Bild, dass von Conder und Mantell erstellt wurde im Folgenden und werde dann die Übersetzung des Textes vorstellen, die die Männer im Jahr 1881 nach mehreren Versuchen anfertigten. Meines Wissens nach handelt es sich bei der Siloah Inschrift nach dem Gezer Kalender um eine der ältesten erhalten gebliebenen Inschriften in Althebräischer Schrift.

(Wie man auf dem Bild auf der linken Seite sehen kann, ähnelt der letzte Buchstabe, das Tav, wirklich einem X oder einem Kreuz.)

 

Hier die verbesserte Darstellung:

Palestine Exploration Fund Quarterly Statement XIII Anhang nach S. 286
Palestine Exploration Fund Quarterly Statement XIII Anhang nach S. 286

Die älteste Übersetzung:

»Siehe – der Tunnel. Das ist die Geschichte des Tunnels. Während die Grabenden den Pickel hoben, jeder in Richtung seines Nächsten, und während es drei Ellen bis zur Öffnung (Höhe des Tunnels an der hier beschriebenen Stelle) war, trafen die Grabenden zusammen, jeder zu seinem Nächsten. Da maßen sie und entdeckten in dem Felsen,dass dort eine eindeutige Verwinkelung in Richtung des Tunnels war. Die Grabenden arbeiteten eifrig und jeder begegnete seinem Nächsten, Pickel an Pickel. Da stiegen die Wasser an und flossen vom Austritt Richtung Teich über eine Entfernung von eintausend Ellen von der beschriebenen Grenze des Tunnels, den sie gruben, bis zum Anfang der Grabung hier.« (S. 293)

Das diese Übersetzung nicht so einfach ist, zeigt sich daran, dass heute anders übertragen wird. Näheres findet sich hier.

Die Lage im heutigen Jerusalem:


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