Das Gleichnis von den beiden Söhnen (Mt 21,28-31)

Nachdem ich bereits Textvarianten bei Markus, bei Lukas und Johannes analysiert habe, hier noch eine textkritische Nuss aus dem Matthäusevangelium: das Gleichnis von den beiden Söhnen, die der Vater bittet, in seinem Weinberg zu arbeiten.
In den Evangelien-Kanones des Eusebius findet sich dieses Gleichnis in der 10. Tabelle unter Nr. 218 wieder, mit anderen Worten: es ist Sondergut des Matthäus. Und dieses Sondergut hat eine etwas vertrackte Überlieferungsgeschichte aufzuweisen.

Das Gleichnis ist in drei verschiedenen Traditionen überliefert, wobei die dritte Variante ihrerseits auf vier Weisen überliefert wurde. Alles klar?

Variante 1: Der erste Sohn sagt »Nein!«, bereut dann aber und geht. Der zweite Sohn sagt »Ja!«, geht aber nicht. Auf die Frage, wer von ihnen den Willen des Vaters erfüllt hat, lautet die Antwort: »der Erste!«

Variante 2: Der erste Sohn sagt »Nein!«, bereut dann aber und geht. Der zweite Sohn sagt »Ja!«, geht aber nicht. Auf die Frage, wer von ihnen den Willen des Vaters erfüllt hat, lautet die Antwort: »der Letzte!«

Variante 3: Der erste Sohn sagt »Ja!«, geht aber nicht. Der zweite Sohn sagt »Nein!«, geht dann aber doch. Auf die Frage, wer von ihnen den Willen des Vaters erfüllt hat, lautet die Antwort: wahlweise (je nach Handschrift): »Der folgende« »der letzte« »der zweite« oder »der erste«.

Die Zeugen

Variante 1: Codex Sinaiticus (4. Jh.), Codex Ephraimi Syri rescriptus erste Hand 1, ein Palimpsest aus dem 5. Jh., Codex Cyprius (9. Jh.), Codex Freerianus (4./5. Jh.), Codex Sangallensis (9. Jh.) Codex Petropolitanus (9. Jh.), dazu kommen Itala, Vulgata, Syrische Übersetzungen und andere. Das ist eine gute Bezeugung, bekommt aber kein Triple A.

Variante 2: Codex Bezae Cantabrigienis (5. Jh.), altlateinischen Bibelhandschriften: Vercelli (4. Jh.), Verone (6. Jh.), Cambridge (5. Jh.), Trento (5. Jh.) Paris (5. Jh.), Rom (5. Jh.) und Berlin (8. Jh.), sowie der Sinai-Syrer, ein Palimpsest aus dem 4./5. Jh. und andere. Damit ist diese Variante nicht so gut bezeugt wie die erste, aber ihr schwieriger Inhalt (lectio difficilior) könnte ein Argument für ihre Ursprünglichkeit sein.

Variante 3: Codex Vaticanus (4. Jh.), Codex Coridethianus (9. Jh.), eine Minuskelfamilie aus dem 13. Jh., eine Minuskel aus dem 11. Jh., dazu kommen palästinensisch-syrische, armenische, georgische und andere Zeugen. Diese Variante hat ein absolutes Schwergewicht mit an Bord, den Codex Vaticanus, ist aber sonst nicht überragend repräsentiert.

Was tun?

Ulrich Luz hat die Überlieferungslage in einem prägnanten Satz zusammengefasst:»Die Entscheidung ist außerordentlich schwierig«. 2 Kurt und Barbara Aland meinen in ihrem Lehrbuch, dass »die Perikope von den beiden Söhnen ohne Frage zu den schwierigsten Aufgaben neutestamentlicher Textkritik« gehört. 3 Werfen wir daher kurz einen Blick auf die Väteraussagen zum Thema, ob sich hier etwas findet, was uns in der Sache weiterhilft.

Die Kirchenväter

Origenes ist ein Zeuge für Variante eins: bei ihm sagt der erste Sohn zunächst »Nein«, geht dann aber doch. Interessant ist auch die Auslegung des großen Alexandriners, die er folgen lässt. Ich zitiere hier aus seinem Kommentar zum Matthäusevangelium.

Origenes


Περὶ τῶν δύο υἱῶν παραβολὴ, τῶν εἰς τὸν ἀμπελῶνα ἀποστελλομένον παρὰ τοῦ Πατρις.

«Τί δὲ ὑμῖν δοκεῖ; Ἄνθρωπος εἶχε τέκνα δύο. Προσελθὼν τῷ πρώτῳ, εἶπε· Τέκνον, ὕπαγε, σήμερον ἐργάζου ἐν τῷ ἀμπελῶνι,» καὶ τὰ ἑξῆς ἕως τοῦ «Ὑμεῖς δὲ ἰδόντες οὐ μετεμελήθητε ὕστερον τοῦ πιστεῦσαι αὐτῷ.» Μόνος ὁ Ματθαῖος ἀνέγραψε τὴν παραβολὴν ταύτην, ὡς ἐμοὶ δοκεῖ, περιέχουσαν τὸν περὶ τοῦ ἀπειθήσαντος Ἰσραὴλ τῷ Θεῷ λόγον, καὶ τὸν περὶ τοῦ πιστεύσαντος λαοῦ ἀπὸ τῶν ἐθνῶν· οὗτοι γὰρ τὰ δύο τέκνα, ἅ εἶχεν ὁ ὡς ἄνθρωπος τροποφορῶν τὸν υἱὸν αὑτοῦ Θεός. Καὶ οὗτος, προσελθῶν τῷ πρώτῳ, ὅν ἐκτήσατο ἀπ᾽ ἀρχῆς, ὅν προέγνω καὶ προώρισεν, εἷπεν αὐτῷ· «Τέκνον, ὕπαγε, σήμερον ἐργάζου ἐν τῷ ἀμπελῶνι μου·» καὶ ὑπερέθετο φεύγων τὸ χωρίον τοῦτο διὰ τὸν ἐν αὐτῷ καύσωνα καὶ τοὺς καμάτους, καὶ εἷπεν· «Οὐ θέλω» ἀλλ᾽ ὕστερόν ποτέ ἐπὶ συντελειᾳ μεταμεληθεὶς ἐπὶ τῷ εἰρηκέναι τῷ πατρί· «Οὐ θέλω» ἦλθεν εἰς τὸν ἀμπελῶνα, καὶ εἰργάσατο τὸ θέλημα τοῦ πατρός. Ἡνίκα μέντοι ὁ πρῶτος εἷπεν· «Οὐ θέλω» προσῆλθεν ὁ πατὴρ τῷ ἑτέρῳ, καὶ εἷπεν ὡσαύτως, εἶτα ἀποκριθεὶς ὁ δεύτερος εἷπε μέν· «Ἐγὼ, Κύριε·» οὐκ ἐλήλυθε δὲ ἐπὶ τὸν ἀμπελῶνα τοῦ λόγου καὶ ἐπὶ τὸν ἀγρὸν τοῦ πατρός. Καὶ φανερὸν, ὄτι ὁ εἰπών, «Οὐ θέλω», καὶ ὕστερον μεταμεληθεὶς, καὶ ἀπελθών, καὶ ἐργασάμενος εἰς τὸν ἀμπελῶνα, ἐποίησε τὸ θέλημα τοῦ πατρὸς τῷ ἔργῳ· ὁ γὰρ τῷ λόγῳ ἐπαγγειλάμενος καὶ μὴ ποιήσας, τοῖς ἔργοις ἠρνήσατο ποιεῖν τὸ θέλημα τοῦ πατρός. […]

Das Gleichnis von den beiden Söhnen, die vom Vater in den Weinberg geschickt wurden.

»Was meint ihr? Ein Mensch hatte zwei Kinder. Da kam er zu dem ersten und sprach: Kind, komm – arbeite heute im Weinberg« (Mt 21,28) und so weiter bis »obwohl ihr es gesehen habt, habt ihr euch nachträglich nicht gesorgt, um ihm zu glauben« (Mt 21,32b). Dieses Gleichnis hat nur Matthäus veröffentlicht, wie es mir scheint, welches das Wort vom Gott ungehorsam Sein Israels und vom gläubig sein des Volkes aus den Heiden enthält. Denn diese sind die zwei Kinder, welche Gott hatte, er, der wie ein Mensch auf sein Kind eingeht. Und dieser kam zu dem Ersten, den er sich von Anfang an zu eigen gemacht hatte, den er zuvor erwählt und bestimmt hatte. Er sprach zu ihm: »Kind, komm – arbeite heute in meinem Weinberg« (Mt 21,28b). Und er schob es auf, um dieses Landgut wegen der brütenden Hitze und den Anstrengungen darin zu vermeiden, und sprach: »Ich will nicht«, doch später empfand er Reue über das, was er zum Vater gesagt hatte: »Ich will nicht«. Da ging er in den Weinberg und führte den Willen des Vaters aus. Zu der Zeit jedoch, als der Erste gesagt hatte: »Ich will nicht«, war der Vater zu dem Anderen gegangen und sprach in gleicher Weise. Darauf antwortete der Zweite, er sprach: »Ich (bin bereit), Herr!« Aber er ging nicht, gemäß dem Wort des Vaters, zu dem Weinberg und zu dem Feld. Und es ist offensichtlich, dass der, der sprach »ich will nicht« und später reute es ihn, und er ging hin und arbeitete in dem Weinberg, den Willen des Vaters durch das Werk ausführte. Denn der, der sich mit Worten bereit erklärt hatte und es dann nicht ausführt, verweigert mit den Werken den Willen des Vaters. […]«

Μετὰ δὲ τὴν παραβολὴν ἐπιφέρεται πρὸς μὲν τὸν εἰπόντα· «Οὐ θέλω,» καὶ ὕστερον μεταμεληθέντα, καὶ απελθόντα, τό· « Ἀμὴν λέγω ὑμῖν, ὅτι οἱ τελῶναι καὶ αἱ πόρναι προάγουσιν ὑμᾶς εἰς τὴν βασιλείαν τοῦ θεοῦ·» πρὸς δὲ τὸν εἰπόντα, «Ἐγὼ, Κύριε,» καὶ μὴ ἀπελθόντα, τό· «Ἦλθε γὰρ Ἰωάννης πρὸς ὑμᾶς ἐν ὁδῷ δικαιοσύνης, καὶ οὐκ ἐπιστεύσατε αὐτῷ·» καὶ τὸ· «Ὑμεῖς ἰδόντες, οὐ μετεμελήθητε ὕστερον, τοῦ πιστεῦσαι ἐν αὐτῷ.» Ἐπιστήσας δέ τις τοῖς ἀπὸ μοχθηροτάτου βίου προσερχομένοις τῷ λόγῳ, καὶ πιστεύουσι τῷ Χριστῷ, καὶ τοῖς αὐχοῦσι τὸν νόμον καὶ τοὺς προφήτας, καὶ ἀπιστοῦσι τῷ Υἱῷ τοῦ Θεοῦ, καὶ ἀκολάστως βιοῦσι, καὶ ὡμοτέροις πρὸς τοὺς ὁμοφύλους τυγχάνουσιν, ὅψεται τὸν Ἰησοῦ λόγον ἀληθῆ, «ὅτι οἵ μὲν τελῶναι καὶ αἱ πόρναι προάγουσι» τὸν Ἰσραὴλ «εἰς τὴν βασιλείαν τοῦ Θεοῦ·» ὁ δὲ ἰδὼν τὸν Ἰησοῦν ἐκεῖνος Ἰσραὴλ οὐδὲ μέχρι δεῦρο μεταμελεῖται, ἵνα κἂν ὕστερον πιστεύσῃ τῇ ἀληθείᾳ. Πρόσχες δὲ καὶ τῷ· «Προάγουσιν ὑμᾶς εἰς τὴν βασιλείαν τοῦ Θεοῦ,» οὐκ ἀποκλείοντι τὸν Ἰσραὴλ εἰσέρχεσθαι εἰς τὴν βασιλείαν τοῦ Θεοῦ· οὐδεὶς γὰρ προάγει τὸν οὐδαμῶς ἐσόμενον ἐν ἐκείνῳ τῷ τόπῳ, ἐν ᾧ προῆξεν.

»Aber nach dem Gleichnis fügt er für den, der gesagt hat, »ich will nicht« und nachher reute es ihn und er ging hin, hinzu: »Amen, ich sage euch, dass die Zöllner und die Huren euch in die Königsherrschaft Gottes vorangehen« (Mt 21,31b). Aber für den, der gesagt hat: »Ich (bin bereit), Herr!« und dann nicht hinging: »Denn Johannes kam zu euch auf dem Weg der Gerechtigkeit, und ihr habt ihm nicht vertraut« (Mt 21,32a) und »Euch, die ihr (es) gesehen habt, hat es später nicht gereut, um auf ihn zu vertrauen.« (Mt 21,32c). Aber wer sich durch das Wort denen, die von einem nichtswürdigen 4 Leben herkommen, zuwendet, und sie vertrauen auf Christus, und denen, die sich des Gesetzes und der Propheten rühmen, und sie vertrauen nicht dem Sohn Gottes, und leben zügellos, und sind gewohnt, grausam zu den Stammesgenossen zu sein – er wird das wahre Wort Jesu einsehen: »dass aber die Zöllner und die Huren« Israel »in die Königsherrschaft Gottes vorangehen«. Aber jenes Israel, das Jesus sah, verspürte bis jetzt gar keine Reue, dass es – wenn auch später – der Wahrheit vertraute. Aber beachte auch: »sie gehen euch in die Königsherrschaft Gottes voran«. Israel ist nicht davon ausgeschlossen, in die Königsherrschaft Gottes hineinzugehen. Denn niemand geht dem, der an jenem Ort sein wird, in den er vorausgegangen ist, in irgendeiner Weise voran.« (MÜ)

Hieronymus

Im Prinzip nimmt Hieronymus in seinem Matthäuskommentar den Faden auf, den Origenes gesponnen hat, allerdings wird bei ihm aus antijüdischen Gründen der zweite Sohn mit Israel identifiziert. Zwar gibt Hieronymus Variante eins wieder, bemerkenswert ist aber sein Zeugnis, dass »in den echten Abschriften« Variante zwei bezeugt werde. Ausgehend vom Matthäischen-Kontext argumentiert er dann für diese Lesart. Die Aussage von Bruce Metzger, diese Variante ergebe einfach keinen Sinn, hätte ihn sicher nicht überzeugt. 5

(Vers. 28 seqq.) Quid autem vobis videtur? Homo quidam habebat duos filios; et accedens ad primum, dixit: Fili, vade hodie operare in vinea mea. Ille autem respondens, ait: Nolo. Postea autem pœnitentia motus, abiit. Accedens autem ad alterum, dixit similiter. At ille respondens, ait: Eo, domine, et non ivit. Quis ex duobus fecit voluntatem patris? Et dicunt ei: Primus. Dicit illis Jesus (Luc XV).

»(Mt 21,28 ff.) Was meint ihr? Ein Mensch hatte zwei Söhne; und er ging zu dem ersten und sagte: Sohn! Geh und arbeite heute in meinem Weinberg. Er antwortetete aber: Ich will nicht. Später aber, von Reue bewegt, ging er doch. Er ging zu dem anderen und sprach ihn ähnlich an. Aber der antwortete: Ich gehe, Herr! er ging aber nicht. Wer von den beiden erfüllte den Willen des Vaters? Und sie sagten zu ihm: Der Erste. Jesus sagte ihnen (vgl. Lk 15,11).«

Hi sunt duo filii, qui et in Lucae parabola describuntur, frugi et luxuriosus, et de quibus Zacharias propheta loquitur: Assumpsi mihi duas virgas: unam vocavi decorem, et alteram vocavi funiculum, et pavi gregem (Zach. XI, 7). Primo dicitur Gentilium populo per naturalis legis notitiam: Vade, et operare in vinea mea: hoc est, quod tibi non vis fleri, alteri ne feceris (Tob. IV). Qui superbe respondit: Nolo. Postea vero in adventu Salvatoris, acta pœnitentia, operatus est in vinea Dei, et sermonis contumaciam labore correxit. Secundus autem filius, populus Judæorum est, qui respondit Moysi: Omnia quæcumque dixerit Dominus faciemus (Exod. XXIV), et non ivit in vineam, quia, interfecto patris familias filio, se putavit hæredem. Alii vero non putant Gentilium et Judæorum esse parabolam, sed simpliciter peccatorum et justorum: ipso quoque Domino propositionem suam postea disserente.

»Das sind die zwei Söhne, die auch im Gleichnis bei Lukas beschrieben werden, 6 bescheiden (der eine), ausschweifend (der andere), über sie spricht auch der Prophet Sacharja: Ich habe mir zwei Stäbe erwählt, den einen nannte ich ‚Schmuck‘, den anderen nannte ich ‚Strick‘, und ich weidete die Herde (Sach 11,7). Erstens sagt man dem Volk der Heiden auf Grund der Kenntnis des Naturgesetzes: Geh, und arbeite in meinem Weinberg. Das bedeutet: Wovon du nicht willst, dass man darüber vor dir weint, das tu auch keinem anderen an (vgl. Tob 4,15). Dieser (Sohn) antwortete hochmütig: Ich will nicht. Später aber, bei der Ankunft des Erlösers tat er Buße, arbeitete im Weinberg Gottes und änderte durch die Arbeit seine trotzige Rede zum Guten. Der zweite aber Sohn bedeutet das Volk der Juden, das Moses antwortete: Alles, was auch immer der Herr spricht, werden wir tun (Ex 24,3) aber er ging nicht in den Weinberg, da er nach der Ermordung des Sohnes des Familienvaters meinte, er sei der Erben. 7 Andere aber glauben nicht, dass das Gleichnis sich auf die Heiden und auf die Juden beziehe, sondern einfach auf die Sünder und die Gerechten: wobei der Herr selbst später sein Thema behandeln werde.«

Amen dico vobis, quia publicani et meretrices præcedent vos in regno Dei. Eo quod illi qui per mala opera Deo se servire negaverant, postea poenitentiæ baptismum acceperint a Ioanne. Pharisæi autem, qui justitiam præferebant, et legem se Dei facere jactabant, Joannis contempto baptismate, Dei præcepta fecerunt. Unde dicit:

»Amen, ich sage euch: Zöllner und Huren werden euch in das Königreich Gottes vorausgehen. (Mt 21,31c) Und zwar deswegen, weil die, die sich auf Grund ihrer bösen Werke geweigert hatten, Gott zu dienen, später die Taufe der Buße von Johannes empfingen. Die Pharisäer aber, die die Gerechtigkeit zur Schau trugen, und sich rühmten, das Gesetzes Gottes auszuführen, befolgten die Weisungen Gottes, obwohl sie die Taufe des Johannes verachteten. Daher heißt es:«

(Vers. 32.) Venit enim ad vos Joannes in via justitiæ, et non credidistis ei: publicani autem et meretrices crediderunt ei: vos autem videntes, nec pœnitentiam habuistis postea ut crederetis ei. Porro quod dicitur: Quis ex duobus fecit voluntatem patris? Et illi dicunt: Novissimus. Sciendum est in veris exemplaribus non haberi novissimum, sed primum, ut proprio judicio condemnentur. Si autem novissimum voluerimus legere, manifesta est interpretatio: ut dicamus intelligere quidem veritatem Judæos; sed tergiversari, et nolle dicere quod sentiunt: sicut et baptismum Joannis scientes esse de cœlo, dicere noluerunt. (MPL XXVI, 155-156)

»(Mt 21,32) Denn Johannes kam zu euch auf dem Weg der Gerechtigkeit, und ihr habt ihm nicht geglaubt. Aber Zöllner und Huren haben ihm geglaubt. Ihr aber habt das gesehen und tatet später keine Buße, damit ihr ihm glaubt. Weiters heißt es: Wer von den beiden tat den Willen des Vaters? Und sie sagten: der Letzte! Man solte aber wissen, dass in echten Abschriften 8 nicht der Letzte steht, sondern der Erste, damit sie durch eigenes Urteil schuldig gesprochen werden. Wenn wir aber der Letzte lesen wollen, dann ist die Deutung offensichtlich: Wir müssen sagen, dass die Juden zwar die Wahrheit erkennen, ihr aber den Rücken zuwenden, und dass sie nicht sagen wollen, was sie denken: so wie sie wußten, dass die Taufe des Johannes vom Himmel komme, es aber nicht zugeben wollten.« 9 (Kommentar zum Matthäusevangelium zur Stelle, MÜ)

Fazit

Dieser kurze Blick in die Väter hilft uns nicht wirklich weiter, die Frage nach dem ursprünglichen Text bleibt unentscheidbar.

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  1. Damit ist der ursprüngliche Schreiber gemeint, der von einem späteren Korrektor unterschieden werden kann.
  2. EKK, I/3 S. 204
  3. »Der Text des Neuen Testamentes«; Zweite Auflage 1989, S. 320
  4. Vgl. den gleichen Ausdruck in »Gegen Kelsos«, I, 64
  5. Diese Lesart »is not only difficult, it is nonsensical (…)!« A Textual Commentary on the Greek New Testament 2 S. 45.
  6. Hieronymus meint das Gleichnis vom barmherzigen Vater in Lk 15,11-32, das auch mit den Worten beginnt: Ein Mann hatte zwei Söhne.
  7. Vgl. Mt 21, 33 + 38
  8. Migne diskutiert auch die Lesart: in veteribus exemplaribus – in alten Abschriften.
  9. Vgl. Mt 21,25-27 – die Perikope vor diesem Gleichnis.

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