Nochmal zum Thema Sklaverei

Lucius Annaeus Seneca

Ich habe das Thema  hier schon behandelt und bereits einmal gezeigt, dass es beschämend lang gedauert hat, bis das Christentum konkrete Schritte zur Überwindung der Sklaverei gesetzt hat. Jetzt ist mir ein Brief untergekommen, der sich dieser Frage in beeindruckender Weise angenommen hat – allerdings war sein Autor ein gebildeter Heide.

Lucius Annaeus Seneca (ca. 1-65), ein Zeitgenosse des Paulus, behandelte das Thema in seinem Brief XLVII an Lucillus. Seine Ausführungen haben mich durch ihren Humanismus und ihre Tiefe – er argumentiert in Abschnitt 11 mit der goldenen Regel – sehr beeindruckt. Ich biete hier den lateinischen Text und die deutsche Übersetzung von Detlev Johann Wilhelm Olshausen (1766-1823), dessen deutsche Rechtschreibung  behutsam angepasst, wobei ich in zwei Fällen einen Ausdruck verändert und das Schlußwort ergänzt habe.

XLVII. SENECA LUCILIO SUO SALUTEM

47. Brief – Edles Benehmen gegen Sklaven

1] Libenter ex iis qui a te veniunt cognovi familiariter te cum servis tuis vivere: hoc prudentiam tuam, hoc eruditionem decet. ‚Servi sunt.‘ Immo homines. ‚Servi sunt ‚ Immo contubernales. ‚Servi sunt.‘ Immo humiles amici. ‚Servi sunt.‘ Immo conservi, si cogitaveris tantundem in utrosque licere fortunae.

[1 ]Mit Vergnügen höre ich von Personen, die von Dir herkommen, daß Du mit Deinen Sklaven auf einem vertraulichen Fuß lebst. So ziemt es Deiner Weisheit, so Deiner Bildung. Sklaven sind’s ? — Aber auch Menschen! Sklaven sind’s? Aber auch Hausgenossen! Sklaven sind’s? — Aber auch Freunde geringeren Standes! Sklaven sind’s? — oder vielmehr Mitsklaven, wenn Du bedenkst, daß das Schicksal über Euch beide gleich viel Gewalt hat.

[2] Itaque rideo istos qui turpe existimant cum servo suo cenare: quare, nisi quia superbissima consuetudo cenanti domino stantium servorum turbam circumdedit? Est ille plus quam capit, et ingenti aviditate onerat distentum ventrem ac desuetum iam ventris officio, ut maiore opera omnia egerat quam ingessit.

[2] Daher lache ich über die, welche es für schimpflich halten, mit ihrem Sklaven zu speisen. Und warum? — Einzig, weil ein hoffärtiger Gebrauch den speisenden Herrn mit einer Schar stehender Sklaven umgeben hat. Jener ißt mehr, als er fassen kann, und belastet durch ungeheure Gierigkeit den ausgespannten Magen, der schon den Dienst eines Magens verlernt hat, um mit noch grösserer Mühe alles wieder auszuführen, was er eingeführt hat.

[3] At infelicibus servis movere labra ne in hoc quidem ut loquantur, licet; virga murmur omne compescitur, et ne fortuita quidem verberibus excepta sunt, tussis, sternumenta, singultus; magno malo ulla voce interpellatum silentium luitur; nocte tota ieiuni mutique perstant.

[3] Aber den unglücklich Sklaven steht es nicht frei, die Lippe zu bewegen, selbst nicht um zu reden. Durch die Rute wird jedes Gemurmel zurückgehalten; und nicht einmal zufällige Dinge, als Husten, Niesen, Schluchzen sind von Schlägen frei. Mit schwerer Strafe wird jeder Laut gehüßt, der das Stillschweigen unterbricht. Die ganze Nacht hindurch stehn sie nüchtern und stumm da.

[4] Sic fit ut isti de domino loquantur quibus coram domino loqui non licet. At illi quibus non tantum coram dominis sed cum ipsis erat sermo, quorum os non consuebatur, parati erant pro domino porrigere cervicem, periculum imminens in caput suum avertere; in conviviis loquebantur, sed in tormentis tacebant.

[4] So geschieht’s denn, daß sie von ihrem Herrn reden, da sie nicht vor ihm reden dürfen. Aber jene, die nicht bloß vor ihren Herren, sondern mit ihnen reden durften, denen man den Mund nicht zunähte, waren bereit, für ihren Herrn den Nacken darzureichen und die ihm drohende Gefahr« auf ihren eignen Kopf abzuleiten. Beim Mahle redeten, aber auf der Folter schwiegen sie.

[5] Deinde eiusdem arrogantiae proverbium iactatur, totidem hostes esse quot servos: non habemus illos hostes sed facimus. Alia interim crudelia, inhumana praetereo, quod ne tamquam hominibus quidem sed tamquam iumentis abutimur. [quod] Cum ad cenandum discubuimus, alius sputa deterget, alius reliquias temulentorum <toro> subditus colligit.

[5] Dann wirft man mit jenem, eben soviel Stolz verratenden, Sprichwort um sich: »Wieviel Sklave, soviel Feinde!« — Sie sind nicht unsre Feinde; wir machen sie dazu! Andre Grausamkeiten und Unmenschlichkeiten übergehe ich, wie daß wir sie nicht als Menschen, sondern als Lasttiere mißbrau­chen; daß, während wir zu Tische sitzen, einer unsern Speichel abwischt, eins andrer die Überbleibsel der Trunkenen zu ihren Füßen aufsammelt.

[6] Alius pretiosas aves scindit; per pectus et clunes certis ductibus circumferens eruditam manum frusta excutit, infelix, qui huic uni rei vivit, ut altilia decenter secet, nisi quod miserior est qui hoc voluptatis causa docet quam qui necessitatis discit.

[6] Ein andrer teure Vögel zerlegt, Brust und Keulen, in abgemessenen Wendungen die kunstreiche Hand umherbewegend, in Stücke zerteilt. Des Unglücklichen, der nur dazu lebt, Geflügel zierlich zu zerschneiden! Wenn nicht der noch unglücklicher ist, der dies aus Wollust lehrt, als wer es aus Not lernt.

[7] Alius vini minister in muliebrem modum ornatus cum aetate luctatur: non potest effugere pueritiam, retrahitur, iamque militari habitu glaber retritis pilis aut penitus evulsis tota nocte pervigilat, quam inter ebrietatem domini ac libidinem dividit et in cubiculo vir, in convivio puer est.

[7] Ein andrer, als Mundschenk, in weibischer Tracht, ringt mit seinen Jahren. Er kann nicht aus dem Knabenalter entkommen; man zieht ihn zurück. Schon als Krieger gestaltet, durchwacht er unbärtig, mit abgeschornen, oder ganz ausgerissenen Haaren die ganze Nacht, die er halb der Trunkenheit, halb der Wollust seines Herrn zuteilt, im Schlafgemach Mann, beim Mahle Knabe.

[8] Alius, cui convivarum censura permissa est, perstat infelix et exspectat quos adulatio et intemperantia aut gulae aut linguae revocet in crastinum. Adice obsonatores quibus dominici palati notitia subtilis est, qui sciunt cuius illum rei sapor excitet, cuius delectet aspectus, cuius novitate nauseabundus erigi possit, quid iam ipsa satietate fastidiat, quid illo die esuriat. Cum his cenare non sustinet et maiestatis suae deminutionem putat ad eandem mensam cum servo suo accedere. Di melius! quot ex istis dominos habet!

[8] Ein andrer, dem die Censur der Gäste übertragen ist, steht bedauernswürdig da und wartet, wen Schmeichelei, oder Unmäßigkeit des Gaumens, oder der Zunge auf den fol­genden Tag wiederkommen heiße. Dazu kom­men die Einkäufer, die eine genaue Kenntnis des Gaumens ihres Herrn besitzen, die es wissen, was seinen Geschmack reizt, was ihn durch den Anblick ergötzt, was durch den Reiz der Neuheit die mangelnde Eßlust wecken könnte, was ihn aus Uebersättigung anekelt, wornach ihn gerade an diesem Tage gelüsten. Mit diesen zu speisen, das erträgt er nicht und hält es für eine Schmälerung seiner Majestätsrechte, mit seinen Sklaven an Einen Tisch zu gehn. Behüte sie der Himmel, denn zuweilen finden sie ihre Herren unter ihnen!

[9] Stare ante limen Callisti domi num suum vidi et eum qui illi impegerat titulum, qui inter reicula manicipia produxerat, aliis intrantibus excludi. Rettulit illi gratiam servus ille in primam decuriam coniectus, in qua vocem praeco experitur: et ipse illum invicem apologavit, et ipse non iudicavit domo sua dignum. Dominus Callistum vendidit: sed domino quam multa Callistus!

[9] Ich sah vor der Tür des Kallistus seinen Herrn stehen, sah den, der jenem das Täfelchen aufgeheftet, der ihn unter den verachtetsten Sklaven aufgeführt hatte, während andre hineingingen, zurück­ge­wiesen werden. Der Sklav’ vergelt‘s ihm wieder – er, der vorhin in den ersten Haufen, an dem der Ausrufer seine Stimme versucht, geworfen war; er wies nun jenen auch ab, und achtete ihn seines Hauses nicht wert. Der Herr verkaufte den Kallistus: aber wieviel Kallistus seinem Herrn?

[10] Vis tu cogitare istum quem servum tuum vocas ex isdem seminibus ortum eodem frui caelo, aeque spirare, aeque vivere, aeque mori! tam tu illum videre ingenuum potes quam ille te servum. Variana clade multos splendidissime natos, senatorium per militiam auspicantes gradum, fortuna de­pressit: alium ex illis pastorem, alium custodem casae fecit. Contemne nunc eius fortunae hominem in quam transire dum contemnis potes.

[10] Willst Du nicht bedenken, daß der, den Du Deinen Sklaven nennst, aus einerlei Samen entsprossen, desselben Himmels genießt, eben so atmet, eben so lebt, eben so stirbt, wie Du? Du kannst ihn eben so gut frei sehn, als er Dich in Sklaverei. Wie viele Menschen von glänzender Herkunft, die aus der krieger­ischen Laufbahn nach der Senatoren­würde strebten, hat nicht das Schicksal durch die Varianische Niederlage heruntergebracht! Den Einen von ihnen machte es zum Hirten, den andern zum Wächter einer Hütte! Ver­achte nun einen Menschen eines Standes, in den Du, während Du ihn verachtest, selbst übergehen kannst!

[11] Nolo in ingentem me locum immittere et de usu servorum disputare, in quos superbissimi, crudelissimi, contumeliosissimi sumus. Haec tamen praecepti mei summa est: sic cum inferiore vivas quemadmodum tecum superiorem velis vivere. Quotiens in mentem venerit quantum tibi in servum <tuum> liceat, veniat in mentem tantundem in te domino tuo licere.

[11] Ich will mich in keine so weitläufige Materie einlassen und von der Behandlung der Sklaven reden, gegen die wir höchst über­mütig, grausam und schmählich verfahren. Indes ist dies der kurze Inbegriff dessen, was ich fordre: Lebe so mit dem Geringeren, wie Du möchtest, das der Höhere mit Dir lebte. So oft es Dir in den Sinn kommt, was Du Dir gegen Deinen Sklaven erlauben darfst; so oft komme es Dir auch in den Sinn: daß Dein Herr sich eben so viel gegen Dich erlauben dürfe.

[12] ‚At ego‘ inquis ’nullum habeo dominum.‘ Bona aetas est: forsitan habebis. Nescis qua aetate Hecuba servire coeperit, qua Croesus, qua Darei mater, qua Platon, qua Diogenes?

[12] „Aber, sagst Du, ich habe keinen Herrn“ – Du bist noch nicht alt, vielleicht wirst Du einen bekommen. Weißt Du nicht, in welchem Alter Hekuba in Sklaverei geriet, und Crösus und Darius Mutter und Plato und Diogenes?

[13] Vive cum servo clementer, comiter quoque, et in sermonem illum admitte et in consilium et in convictum.

[13] Bezeige Dich huldreich gegen Deinen Sklaven, ja selbst umgänglich: ziehe ihn ins Gespräch, zu Rate, an Deinen Tisch!

Hoc loco acclamabit mihi tota manus delicatorum ’nihil hac re humilius, nihil turpius‘. Hos ego eosdem deprehendam alienorum servorum osculantes manum.

Hier wird mir das ganze Heer der feinen Leute zurufen: das ist doch allzugemeim, allzuniederträchtig! Eben diese werd’ ich schon einmal betreffen, wenn sie fremden Sklaven die Hand küssen!

[14] Ne illud quidem videtis, quam omnem invidiam maiores nostri dominis, omnem contumeliam servis detraxerint? Dominum patrem familiae appellaverunt, servos – quod etiam in mimis adhuc durat – familiares; instituerunt diem festum, non quo solo cum servis domini vescerentur, sed quo utique; honores illis in domo gerere, ius dicere permiserunt et domum pusillam rem publicam esse iudicaverunt.

[14] Begreift ihr denn gar nicht, wie unsere Väter von den Herren allen Neid, von den Sklaven alle Schmach abwandten? Den Herrn nannten sie Hausvater, die Sklaven (wie es noch in den Komödien geschieht) Haus­genossen. Sie stifteten ein Fest, an welchem nicht nur die Herren mit den Sklaven speisten, sondern ihnen auch häusliche Vorzüge zu genießen und Recht zu sprechen getstatteten und das Haus als einen kleinen Freistaat betrachteten.

[15] ‚Quid ergo? omnes servos admovebo mensae meae?‘ Non magis quam omnes liberos. Erras si existimas me quosdam quasi sordidioris operae reiecturum, ut puta illum mulionem et illum bubulcum. Non ministeriis illos aestimabo sed moribus: sibi quisque dat mores, ministeria casus assignat. Quidam cenent tecum quia digni sunt, quidam ut sint; si quid enim in illis ex sordida conversatione servile est, honestiorum convictus excutiet.

[15 ]Wie aber soll ich denn alle meine Sklaven mit an den Tisch nehmen? – Eben so wenig, als alle Freien. Du irrst, wenn Du meinst, ich wolle einige, als Leute von niedrigerer Hand­tierung, zurückweisen, als z.B. den Maultier­treiber, oder den Kuhhirten. Ich werde sie nicht nach ihren Diensten, sondern nach ihren Sitten würdigen. Die Sitten gibt sich jeder selbst; die Dienste weist der Zufall an. Einige laß mit Dir speisen, weil sie es wert sind, andre, damit sie es werden. Denn wenn, von ihrem gemeinen Umgange, noch etwas Sklavenhaftes an ihnen ist, so wird der Verkehr mit Gesitteten es abschütteln.

[16] Non est, mi Lucili, quod amicum tantum in foro et in curia quaeras: si diligenter attenderis, et domi invenies. Saepe bona materia cessat sine artifice: tempta et experire. Quemadmodum stultus est qui equum empturus non ipsum inspicit sed stratum eius ac frenos, sic stultissimus est qui hominem aut ex veste aut ex condicione, quae vestis modo nobis circumdata est, aestimat.

[16] Du mußt, lieber Lucil, den Freund ja nicht bloß auf dem Forum und in der Curie suchen; gibst Du nur genau Acht, so wirst Du ihn auch zu Hause finden. Oft bleibt ein guter Stoff unbenutzt – in Ermanglung eines Künstlers. Versuche nur – und Du wirst es erfahren. Wie der ein Tor ist, welcher, wenn er ein Pferd kaufen will, nicht dieses, sondern die Decken und Siegel besieht; so ist der der größte Tor, welcher einen Menschen nach seinem Kleide, oder Stande, der uns gleich einem Kleide umgehängt ist, beurteilt.

[17] ‚Servus est.‘ Sed fortasse liber animo. ‚Servus est.‘ Hoc illi nocebit? Ostende quis non sit: alius libidini servit, alius avaritiae, alius ambitioni, <omnes spei>, omnes timori. Dabo consularem aniculae servientem, dabo ancillulae divitem, ostendam nobilissimos iuvenes mancipia pantomimorum: nulla servitus turpior est quam voluntaria. Quare non est quod fastidiosi isti te deterreant quominus servis tuis hilarem te praestes et non superbe superiorem: colant potius te quam timeant.

[17] „Es ist ein Sklave?“ – Aber vielleicht frei am Geiste! „Es ist ein Sklave?“ – Soll ihm das schaden? Sage mir, wer es nicht ist! Der eine fröhnt der Wollust, der andre dem Geiz, der dritte dem Ehrgeiz, alle der Furcht. Ich will Dir einen Consular nennen, der einem alten Mütterchen, einen Reichen, der einer kleinen Sklavin fröhnt; ich will Dir sehr vornehme junge Leute zeigen, die Sklaven von Pantomi­men sind. Keine Sklaverei ist schimpflicher, als freiwillige. Laß Dich also durch jene ekeln Herren nicht abschrecken, Dich Deinen Sklaven freundlich zu zeigen, anstatt Dich stolz über sie zu erheben. Sie müssen Dich nicht sowohl fürchten, als verehren.

[18] Dicet aliquis nunc me vocare ad pilleum servos et dominos de fastigio suo deicere, quod dixi, ‚colant potius dominum quam timeant‘. ‚Ita‘ inquit ‚prorsus? colant tamquam clientes, tamquam salutatores?‘ Hoc qui dixerit obliviscetur id dominis parum non esse quod deo sat est. Qui colitur, et amatur: non potest amor cum timore misceri.

[18] Hier möchte nun jemand sagen: ich fordre die Sklaven auf, den Hut zu nehmen und stürze die Herren von ihrer Höhe herab, weil ich gesagt habe, sie sollen ihren Herrn nicht sowohl fürchten, als verehren. – „Also, heißt es, sollen sie ihn ebenso ehren, wie Clienten, wie Leute, die andern den Hof machen?“ – Wer so spricht, vergißt, daß den Herren nicht zu wenig sein sollte, was Gott genug ist. – Ehrfurcht und Liebe. Liebe läßt sich nicht mit Furcht vermischen.

[19] Rectissime ergo facere te iudico quod timeri a servis tuis non vis, quod verborum castigatione uteris: verberibus muta admo­nentur. Non quidquid nos offendit et laedit; sed ad rabiem cogunt pervenire deliciae, ut quidquid non ex voluntate respondit iram evocet.

[19] Du tust also nach meinem Urteil sehr recht, daß Du von Deinen Sklaven nicht gefürchtet sein willst, daß Du durch Worte strafst. Durch Schläge erinnert man unvernünftige Tiere. Nicht alles, was uns unangenehm ist, verletzt uns. Aber unsre Weichlichleit versetzt uns in Wut, so, daß was irgend unserm Willen nicht entspricht, un­sern Zorn weckt.

[20] Regum nobis induimus animos; nam illi quoque obliti et suarum virium et imbecillitas alienae sic excandescunt, sic saeviunt, quasi iniuriam acceperint, a cuius rei periculo illos fortunae suae magnitudo tutissimos praestat. Nec hoc ignorant, sed occasionem nocendi captant querendo; acceperunt iniuriam ut facerent.

[20] Wir haben den Sinn von Königen angenommen; denn auch diese, vergessend ihrer Macht und der Ohnmacht andrer, entbrennen, wüten dergestalt, als wäre ihnen eine Beleidigung widerfahren, gegen welche Gefahr sie die Höhe ihres Standes völlig sicher stellt. Auch wissen sie das wohl; nur erhasch­en sie die Gelegenheit zu strafen, weil sie sie suchen. Sie wurden beleidigt, um zu beleidigen.

[21] Diutius te morari nolo; non est enim tibi exhortatione opus. Hoc habent inter cetera boni mores: placent sibi, permanent. Levis est malitia, saepe mutatur, non in melius sed in aliud. Vale.

[21] Ich will Dich nicht länger aushalten; denn Du bedarfst keiner Aufmunterung. Unter andern ist das einer guten Gesinnung eigen: sie gefällt sich selbst und beharrt. Das Laster ist flatterhaft, wird oft verwandelt, nicht in Besseres, sondern in Anderes. Lebe wohl.

[Quelle: la.wikisource.org]

[Übersetzung: Detlev Johann Wilhelm Olshausen (1766-1823)]

Ich kenne keinen vergleichbaren christlichen Text aus dieser frühen Zeit. Oder kann mir jemand einen entsprechenden Hinweis geben?

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