Treue oder Glauben VI

Die Leseordnung meiner Kirche am heutigen Sonntag gab mir wieder Gelegenheit, mich mit dieser Frage auseinanderzusetzen. Es ging um die klassische Definition des Hebräerbriefes. Die zweite Lesung war heute aus Hebr 11,1-2; 8-19. Ich gebe hier den Text in meiner Übersetzung wieder, lasse an den entsprechenden Stellen aber das griechische Wort stehen und bitte den geneigten Leser oder die geneigte Leserin, sich selbst ein Urteil zu bilden: what fits better? Treue oder Glauben?

Hebr 11,1-2. 8-19

1 Es ist aber pístis 1 die Grundlage (der Dinge), die man sich erhofft, ein Beweismittel für nicht sichtbare Wirklichkeiten.
2 Darin wurden die Alten gerühmt.

8 Aus pístis 2 gehorchte Abraham, als er berufen wurde, an einen Ort hinauszuziehen, den er zum Erbe empfangen sollte, und er zog aus, ohne zu wissen, wohin er ging.
9 Aus pístis übersiedelte er in das Land der Verheißung wie in ein fremdes, mit Isaak und Jakob in Zelten wohnend, den Miterben dieser Verheißung;
10 denn er erwartete die Stadt, die Grundsteine hat, deren Baumeister und Urheber Gott ist.
11 Aus pístis empfing auch die unfruchtbare Sara 3 die Kraft für die Gründung von Nachkommenschaft über die Zeit des Lebensalters hinaus, weil sie den Verheißenden für pistós 4 hielt.
12 Darum sind sie von einem Einzigen geboren, und einem entkräfteten, so wie die Sterne des Himmels an Anzahl und wie der unzählbare Sand entlang des Ufers des Meeres.
13 Gemäß pístis 5 sind alle diese gestorben, ohne die Verheißungen zu empfangen, sondern indem sie sie von Weitem sahen und freudig grüßten, bekannten sie, dass sie auf der Erde Fremde und Ausländer sind.
14 Denn die, die solches sagen, machen deutlich, dass sie ein Vaterland suchen.
15 Und wenn sie sich an jenes erinnert hätten, von dem sie ausgezogen waren, dann hätten sie doch Zeit gehabt, zurückzukehren.
16 Jetzt aber streben sie nach einem besseren, das bedeutet einem himmlischen. Deshalb schämt sich Gott ihrer nicht, ihr Gott gerufen zu werden, denn er bereitete ihnen eine Stadt.
17 Aus pístis 6 opferte Abraham den Isaak, als er erprobt wurde, und er brachte den Einziggeborenen dar, der die Verheißung empfangen hatte:
18 zu dem gesagt worden war: In Isaak wird dir Nachkommenschaft berufen werden.
19 denn er bedachte, dass Gott es vermag, auch aus den Toten zu erwecken, weshalb er ihn auch in einer (beispielhaften) Erzählung zurückbekam.

Fazit

Der Schlüsselvers für meine Frage scheint mir Hebr 11,11 zu sein: »Aus Treue empfing auch die unfruchtbare Sara die Kraft für die Gründung von Nachkommenschaft über die Zeit des Lebensalters hinaus, weil sie den Verheißenden für treu hielt.«  Dass Sara der Verheißung eben nicht glaubte, habe ich bereits hier gezeigt. Und: versuchen Sie, den Satz einmal mit Glauben/gläubig zu übersetzen ….

Show 6 footnotes

  1. Im Griechischen steht hier kein Artikel!
  2. Dativ Singular, kein Artikel; ich lese ihn als dativus causae; ebenso bei den folgenden Versen
  3. EÜ lässt fälschlicherweise gegen Nestle Aland XXVI und XXVII den Ausdruck »unfruchtbar« weg.
  4. Akkusativ Maskulinum Sing.
  5. Akkusativ maskulinum wg. katà – gemäß, das mit dem Akkusativ steht
  6. siehe Anmerkung 2

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