Treue oder Glauben V

Ein Blick in die gerade erschienene Enzyklika »Lumen fidei« ermutigt mich, an dieser Frage dran zu bleiben. Die beiden Päpste schreiben dort: »10. Was von Abraham verlangt wird ist, sich diesem Wort anzuvertrauen. Der Glaube begreift, dass das Wort, eine scheinbar flüchtige, vorübergehende Wirklichkeit, wenn es vom treuen Gott ausgesprochen wird, das Sicherste und Unerschütterlichste wird, was es geben kann, das, was die Kontinuität unseres Weges in der Zeit ermöglicht. Der Glaube nimmt dieses Wort wie einen sicheren Felsen, auf dem man mit festen Fundamenten bauen kann.

Darum wird in der Bibel der Glaube mit dem hebräischen Wort ’emûnah bezeichnet, das von dem Verb ’amàn abgeleitet ist, welches in seiner Wurzel „stützen, tragen“ bedeutet. Der Begriff ’emûnah kann sowohl für die Treue Gottes als auch für den Glauben des Menschen stehen. Der gläubige Mensch empfängt seine Kraft aus der vertrauensvollen Selbstübergabe in die Hände des treuen Gottes. Diese zwei Bedeutungen liegen auch den entsprechenden Begriffen in Griechisch (pistós) und in Latein (fidelis) zugrunde. Damit spielt der heilige Cyrill von Jerusalem, wenn er die Würde des Christen rühmt, der Gottes eigenen Namen empfängt, und beide jeweils pistós — treu bzw. gläubig — genannt werden. 1 Der heilige Augustinus erklärt das so: „Der Mensch ist gläubig (fidelis), indem er dem verheißenden Gott glaubt; Gott ist treu (fidelis), indem er gewährt, was er dem Menschen versprochen hat.“« 2

Und unter Punkt 42 lese ich zu der Auslegung eines LXX-Textes: »Der griechische Text beschreibt das Wasser als pistós, als „zuverlässiges“ Wasser. Das Wasser der Taufe ist zuverlässig: Man kann ihm vertrauen, weil seine Strömung in die Dynamik der Liebe Jes u einführt, der Quelle der Sicherheit für unseren Lebensweg.«

Die ganze Enzyklika findet sich hier.

Fortsetzung

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  1. Vgl. Katechese V, 1: PG 33, 505A.
  2. In Psal. 32, II, s. I, 9: PL 36, 284.

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