Die Legenden um die Entstehung der Septuaginta I

Das älteste Zeugnis über die Entstehung der Septuaginta ist der „Brief“ des Pseudo-Aristeas an Philokrates, in dem die Legende in ihrer ursprünglichen Gestalt erscheint. Das Alter des Berichtes, zu dessen Charakterisierung sein Autor denselben Begriff verwendete wie der Evangelist Lukas im Vorwort seines Evangeliums – διήγησις (Erzählung, Bericht) – ist nicht genau datierbar. Dazu ein paar Einschätzungen:

  • 130-100 v. Chr. – Carsten Colpe, Der kleine Pauly
  • 2. Jh. v. Chr.(?) – Guiseppe Veltri, RGG4
  • 150 – 100 v. Chr. – Karlheinz Müller, TRE
  • Ende des 2. Jh. v. Chr. – Martin Hengel, Die LXX zwischen Judentum und Christentum
  • 2. Jh. v. Chr. – Markus Tiwald, Frühjudentum

Man wird also annehmen können, dass das Werk vor 100 v. Chr. verfasst worden ist. Es handelt sich dabei, wie gesagt, nicht um einen Brief, sondern um einen sehr ausführlichen Bericht. Im Mittelpunkt des Interesses steht übrigens nicht die Entstehung der LXX, sondern die Verteidigung und Wertschätzung jüdischen Lebens in einem hellenistischen Umfeld.

Den größten Teil der Schilderung nimmt ein Symposium ein, dass der ägyptische König nach dem Bericht mit Gelehrten aus Israel veranstaltete, wobei sie ausführlich Gelegenheit haben, sich über ihren Glauben zu äußern. Eine Aufstellung soll das verdeutlichen:

Das Werk ist in 322 kleiner Einheiten unterteilt, von diesen widmen sich 100 der Reise der Gesandschaft nach Jerusalem und 116 der Schilderung des Symposiums nach deren Rückkehr, aber nur 10 der eigentlichen Beschreibung der Übersetzung.

Einheiten Inhalt
1-11 Einleitung
12-27 Befreiung der jüdischen Sklaven
28-50 Kontaktaufnahme mit Jerusalem
51-82 Schilderung der Weihegaben für den Tempel in Jerusalem
83-183 Reise der Gesandschaft nach Jerusalem und Rückkehr
184-300 Das Sieben-tägige Symposium mit den Gelehrten
301-322 Die Übersetzung und ihre Folgen

Ich bringe hier die wesentlichen Angaben des Berichtes zur Übersetzung und folge dabei der Ausgabe des griechischen Textes von Paul Wendland und seiner deutschen Übersetzung.

[9] Κατασταϑεὶς ἐπὶ τῆς βασιλέως βιβλιοϑήκης Δημήτριος ὁ Φαληρεὺς ἐκρηματίσϑη πολλὰ διάφορα πρὸς τὸ συναγαγεῖν, εἰ δυνατόν, ἅπαντα τὰ κατὰ τὴν οἰκουμένην βιβλία, καὶ ποιούμενος ἀγορασμοὺς καὶ μεταγραφὰς ἐπὶ τέλος ἤγαγεν, ὅσον ἐφ᾽ ἑαυτῷ, τὴν τοῦ βασιλέως πρόϑεσιν.

[9] Der Vorsteher der königlichen Bibliothek, Demtrios von Phaleron, erhielt große Geldsummen, um womöglich alle Bücher der Welt zu sammeln. Durch Ankäufe und Abschriften erfüllte er nach Kräften den Wunsch des Königs.

[10] παρόντων οὖν ἡμῶν ἐρωτηϑείς, πόσαι τινὲς μυριάδες τυγχάνουσι βιβλίων, εἶπεν· ‚ὑπὲρ τὰς εἴκοσι, βασιλεῦ· σπουδάσω δ᾿ ἐν ὀλίγῳ χρόνῳ πρὸς τὸ πληρωϑῆναι πεντήκοντα μύριάδας τὰ λοιπά. προσήγγελται δέ μοι καὶ τὰ τῶν Ἰουδαίων νόμιμα μεταγραφῆς ἄξια καὶ τῆς παρὰ σοὶ βιβλιοϑήκης εἶναι.‘

[10] Einst wurde er in meiner Gegenwart gefragt, wie viele tausend Bücher wohl vorhanden seien, und er erwiderte: ‚Mehr als zweihunderttausend, o König! Ich will aber in Kurzem die noch fehlenden besorgen, so dass fünfhunderttausend voll werden. Es ist mir aber berichtet, dass auch die jüdischen Gesetze einer Abschrift und Aufnahme in deine Bibliothek wert seien.

[11] ‚τί τὸ κωλῦον οὖν‘, εἶπεν, ‚ἐστί σε τοῦτο ποιῆσαι; πάντα γὰρ ὑποτέτακταί σοι τὰ πρὸς τὴν χρείαν.‘ ὁ δὲ Δημήτριος εἶπεν· ‚ἑρμηνείας προσδεῖται· χαρακτῆρσι γὰρ ἰδίοις κατὰ τὴν Ἰουδαίων χρῶνται, καϑάπερ Αἰγύπτιοι τῇ τῶν γραμμάτων ϑέσει, καϑὸ καὶ φωνήν ἰδὶαν ἔχοθσιν· ὑπολαμβάνονται Συριακῇ χρῆσϑαι, τὸ δ᾿ οὐκ ἔστιν, ἀλλ᾿ ἕτερος τρόπος.‘ μεταλαβὼν δὲ ἕκαστα ὁ βασιλεὺς εἶπε γραφῆναι πρὸς τὸν ἀρχιερέα τῶν Ἰουδαίων, ὅπως τὰ προειρημένα τελείωσιν λάβῃ.

[11] ‚Was hindert dich denn‘, fragte [d]er [König], ‚dies auszuführen? Stehen dir doch alle Mittel zur Ausführung zur Verfügung!‘ Demetrios entgegnete: ‚Sie bedürfen einer Übersetzung. Denn man hat in Judäa eine eigene Schrift (wie auch die Ägypter ihre [besondere] Schrift haben) und redet eine eigene Sprache. Die Annahme, dass man die syrische Sprache rede, ist nicht richtig, sondern es ist ein anderer Dialekt.‘ Nachdem der König [dies] alles vernommen hatte, befahl er, an den jüdischen Hohenpriester zun schreiben, damit der erwähnte Plan zur Ausführung komme.

Nun kommt es in den Abschnitten 12 – 27 zu der merkwürdigen Schilderung des Freikaufs der jüdichen Kriegsgefangenen durch den König Ptolemäus. Weil bei diesem Vorgang auch eine Bank für die Finanzierung erwähnt wird, habe ich den betreffenden Abschnitt hier erwähnt. Danach geht es mit der Schilderung der Übersetzung weiter.

[28] Ὡς δὲ κατεπράχϑη ταῦτα, τὸν Δημήτριον ἐκέλευσεν εἰσδοῦναι περὶ τῆς τῶν Ἰουδαϊκῶν βιβλίων ἀντιγραφῆς – πάντα γὰρ διὰ προσταγμάτων καὶ μεγάλης ἀσφαλείας τοῖς βασιλεῦσι τούτοις διῳκεῖτο, καὶ οὐδὲν ἀπερριμμένως οὐδ‘ εἰκῇ· διόπερ καὶ τὰ τῆς εἰσδόσεως καὶ τὰ τῶν ἐπιστολῶν ἀντίγραφα κατακεχώρικα καὶ τὸ τῶν ἀπεσταλμένων πλῆϑος καὶ τὴν ἑκάστου κατασκευὴν διὰ τὸ μεγαλομερείᾳ καὶ τέχνῃ διαφέρειν ἕκαστον αὐτῶν – τῆς δὲ εἰσδόσεώς ἐστιν ἀντίγραφον τόδε·

[28] Darauf befahl er [= der König] dem Demetrios, eine Eingabe über die Abschrift der jüdischen Bücher zu machen. Denn alle Verwaltungsmaßregeln wurden von diesen [den ägyptischen] Königen durch Erlasse mit peinlicher Genauigkeit vollzogen, und nichts geschah ohne die sorgfältigste Überlegung. Darum habe ich auch die Abschrift der Eingabe und der Briefe, die Zahl der Geschenke und die Beschaffenheit eines jeden – denn alle zeichneten sich durch Pracht und Kunstfertigkeit aus – hier ausgeführt. Die Abschrift der Eingabe lautet also:

[29] ‚Βασιλεῖ μεγάλῳ παρὰ Δημητρίου.
Προστάξαντός σου, βασιλεῦ, περὶ τῶν ἀπολιπόντων εἰς τὴν συμπλήρωσιν τῆς βιβλιοϑήκης βιβλίων, ὅπως ἐπισυναχϑῇ καὶ τὰ διαπεπτωκότα τύχῃ τῆς προσηκούσης ἐπισκευῆς, πεποιημένος οὐ παρέργως τὴν ἐν τούτοις ἐπιμέλειαν προσαναφέρω σοι.

[29] ‚An den Großkönig [gerichtete Eingabe des] Demetrios.
Auf deinen Befehl, dass die für die Vervollständigung der Biliothek fehlenden Bücher zusammengebracht und die schadhaften gehörig ausgebessert werden sollen, berichte ich dir, o König, dass ich mich mit aller Sorgfalt dieser Aufgabe gewidmet habe.

[30] τὰ δὲ τοῦ νόμου τῶν Ἰουδαίων βιβλία σὺν ἑτέροις ὀλίγοις τισὶν ἀπολείπει· τυγχάνει γὰρ Ἑβραϊκοῖς γράμμασι καὶ φωνῇ λεγόμενα, ἀμελέστερον δὲ καὶ οὐχ ὡς ὑπάρχει σεσήμανται, καϑὼς ὑπὸ τῶν εἰδότων προσαναφέρεται· προνοίας γὰρ βασιλικῆς οὐ τέτευχε.

[30] Es fehlen aber unter anderen die Bücher des jüdischen Gesetzes. Denn sie sind in hebräischer Schrift und Sprache verfasst und recht ungenau und mit Abweichungen vom ursprünglichen Texte geschrieben, wie die Kenner berichten. Denn königliche Fürsorge hat ihnen bis jetzt gefehlt.

[31] δέον δ‘ ἐστὶ καὶ ταῦϑ‘ ὑπάρχειν παρὰ σοὶ διηκριβωμένα διὰ τὸ καὶ φιλοσοφωτέφραν εἶναι καὶ ἀκέραιον τὴν νομοϑεσίαν ταύτην ὡς ἂν οὖσαν ϑείαν. διὸ πόρρω γεγόνασιν οἵ τε συγγραφεῖς καὶ ποιηταὶ καὶ τὸ τῶν ἱστορικῶν πλῆϑος τῆς ἐπιμνήσεως τῶν προειρημένων βιβλίων καὶ τῶν κατ‘ αὐτὰ πεπολιτευμένων [καὶ πολιτευομένων] ἀνδρῶν, διὰ τὸ ἁγνήν τινα καὶ σεμνὴν εἶναι τὴν ἐν αὐτοῖς ϑεωρίαν, ὥς φησιν Ἑκαταῖος ὁ Ἀβδηρίτης.

[31] Auch diese müssen in verbesserter Gestalt in deiner Bibliothek vorhanden sein; denn dieses Gesetz ist als ein göttliches voll Weisheit und fehllos. Darum haben sich auch die Schriftsteller, Dichter und Historiker der Erwähnung der genannten Bücher und derer, die ihnen gemäss gelebt haben, enthalten, weil nämlich die in ihnen ausgesprochenen Ansichten heilig und ehrwürdig sind, wie Hekataios von Abdera sagt.

[32] ἐὰν οὖν φαίνηται, βασιλεῦ, γραφήσεται πρὸς τὼν ἀρχιερέα τὸν ἐν Ἱεροσολύμοις ἀποστεῖλαι τοὺς μάλιστα καλῶς βεβιωκότας καὶ πρεσβυτέρους ὄντας ἄνδρας, ἐμπείρους τῶν κατὰ τὸν νόμον ἑαυτῶν, ἀφ‘ ἑκάστης φυλῆς ἕξ, ὅπως τὸ σύμφωνον ἐκ τῶν πλειόνων ἐξετάσαντες καὶ λαβόντες τὸ κατὰ τὴν ἑρμηνείαν ἀκριβὲς ἀξίως καὶ τῶν πραγμάτων καὶ τῆς σῆς προαιρέσεως ϑῶμεν εὐσήμως. εὐτύχει διὰ παντός.‘

[32] Wenn es dir nun, o König, gut dünkt, soll an den Hohenpriester in Jerusalem geschrieben werden, er möge von jedem Stamme sechs ältere, ihres Gesetzes kundige Männer von bestem Leumund entsenden, damit wir den Wortlaut, in dem die Mehrzahl übereinkommt, prüfen, eine genaue Übersetzung erhalten und sie dann in einer der Sache und deines Entschlusses würdigen Weise an einem angesehehen Ort niederlegen. Heil dir in allem!

Der Bericht bringt dann den angeblichen Brief des Königs an den Hohenpriester in Jerusalem, aus dem ich nur einen Satz zitieren will:

[39] καλῶς οὖν ποιήσεις καὶ τῆς ἡμετέρας σπουδῆς ἀξίως ἐπιλεξάμενος ἄνδρας καλῶς βεβιωκότας πρεσβυτέρους, ἐμπειρίαν ἔχοντας τοῦ νόμου καὶ δυνατοὺς ἑρμηνεῦσαι, ἀφ‘ ἑκάστης φυλῆς ἕξ, ὅπως ἐκ τῶν πλειόνων τὸ σύμφωνον εὑρεϑῇ διὰ τὸ περὶ μειζόνων εἶναι τὴν σκεψιν. οἰόμεϑα γὰρ ἐπιτελεσϑέντος τούτου μεγάλην ἀποίσεσϑαι δόξαν.

[39] Du wirst nun gut tun und meinen Eifer belohnen, wenn du aus jedem Stamme sechs ältere Männer von gutem Leumund auswählst, die das Gesetz kennen und es zu übersetzen verstehen, damit nach der übereinstimmenden Meinung der Mehrzahl der Wortlaut festgesetzt werde. Handelt es sich doch um die Untersuchung wichtiger Dinge! Und ich glaube, durch die Ausführung dieses Plans grossen Ruhm zu gewinnen.

Ich überspringe jetzt die lange Schilderung der Gesandtschaft nach Jerusalem und vor allem das Symposium und komme jetzt zu der Beschreibung der eigentlichen Übersetzung:

[301] Μετὰ δὲ τρεῖς ἡμέρας ὁ Δημήτριος παραλαβὼν αὐτοὺς καὶ διελϑὼν τὸ τῶν ἑπτὰ σταδίων ἀνάχωμα τῆς ϑαλάσσης πρὸς τὴν νῆσον καὶ διαβὰς τὴν γέφυραν καὶ προσελϑὼν ὡς ἐπὶ τὰ βόρεια μέρη, συνέδριον ποιησάμενος εἰς κατεσκευασμένον οἶκον παρὰ τὴν ἠιόνα, διαπρεπῶς ἔχοντα καὶ πολλῆς ἡσυχίας ἔφεδρον, παρεκάλει τοὺς ἄνδρας τὰ τῆς ἡρμενείας ἐπιτελεῖν, παρόντων, ὅσα πρὸς τὴν χρείαν ἔδει, καλῶς.

[301] Drei Tage später ging Demetrios in ihrer Begleitung über den sieben Stadien langen Meeresdamm zur Insel [Pharos], überschritt die Brücke und ging nach den nördlichen Teilen [von Pharos.] Dann versammelte er sie in einem am Strand erbauten, prächtigen und still gelegenen Hause und forderte die Männer auf, die Übersetzung aufzuführen, da alles, was zu der Arbeit nötig war, wohl vorgesehen war.

[302] οἱ δὲ ἐπετέλουν ἕκαστα σύμφωνα ποιοῦντες πρὸς ἑαυτοὺς ταῖς ἀντιβολαῖς· τὸ δὲ ἐκ τῆς συμφωνίας γινόμενον πρεπόντως ἀναγραφῆς οὕτως ἐτύγχανε παρὰ τοῦ Δημητρίου·

[302] Und sie führten sie aus, indem sie durch gegenseitige Vergleiche in einem Wortlaut übereinkamen. Was sich aber gehörig nach ihrer übereinstimmenden Meinung ergab, wurde so von Demetrios aufgezeichnet.

[307] καϑὼς δὲ προειρήκαμεν, οὕτως καϑ‘ ἑκάστην εἰς τὸν τόπον ἔχοντα τερπνότητα διὰ τὴν ἡσυχίαν καὶ καταύγειαν συναγόμενοι τὸ προκείμενον ἐπετέλουν.συνέτυχε δὲ οὕτως, ὥστε ἐν ἡμέραις ἑβδομήκοντα δυσὶ τελειωϑῆναι τὰ τῆς μεταγραφῆς, οἱονεὶ κατὰ πρόϑεσίν τινα τοῦ τοιούτου γεγενημένου.

[307] Wie ich es aber vorher schilderte, so versammelten sie sich täglich an dem durch seine Ruhe und Helligkeit angenehmen Ort und erfüllten ihre Aufgabe. Es traf sich aber so, dass die Übersetzung in zweiundsiebzig Tagen vollendet wurde, als sei es so mit Absicht geschehen.

Am Ende der Schilderung kommt es zu einer »Kanonisierung« dieser Übersetzung durch die jüdische Gemeinde von Alexandria:

[308] Τελείωσιν δὲ ὅτε ἔλαβε, συναγαγὼν ὁ Δημήτριος τὸ πλῆϑος τῶν Ἰουδαίων εἰς τὸν τόπον, οὗ καὶ τὰ τῆς ἑρμηνείας ἐτελέσϑη, παρανέγνω πᾶσι, παρόντων καὶ τῶν διερμηνευσάντων, οἵτινες μεγάλης ἀποδοχῆς καὶ παρὰ τοῦ πλήϑους ἔτυχον, ὡς ἂν μεγάλων ἀγαϑῶν παραίτιοι γεγονότες.

[308] Nach der Vollendung versammelte Demetrios die jüdische Gemeinde an der Stätte, wo die Übersetzung vollendet wurde, und las [sie] allen vor in Anwesenheit der Übersetzer, die auch bei der Menge große Anerkennung fanden, das sie sich grosse Verdienste erworben hätten.

[309] ὡσαύτως δὲ καὶ τὸν Δημήτριον ἀποδεξάμενοι παρεκάλεσαν μεταδοῦναι τοῖς ἡγουμένοις αὐτῶν μεταγράψαντα τὸν πάντα νόμον.

[309] Ebenso lobten sie den Demetrios und baten ihn, ihren Obersten eine Abschrift des ganzen Gesetzes mitzuteilen.

[310] καϑὼς δὲ ἀνεγνώσϑη τὰ τεύχη, στάντες οἱ ἱερεῖς καὶ τῶν ἑρμηνέων οἱ πρεσβύτεροι καὶ τῶν ἀπὸ τοῦ πολιτεύματος οἵ τε ἡγούμενοι τοῦ πλήϑους εἶπον˙ ἐπεὶ καλῶς καὶ ὁσίως διηρμήνευται καὶ κατὰ πᾶν ἠκριβωμένως, καλῶς ἔχον ἐστιν, ἵνα διαμένῃ ταῦϑ᾿ οὕτως ἔχονται καὶ μὴ γένηται μηδεμία διασκευή.

[310] Nach der Verlesung der Bücher traten die Priester und die Ältesten der Übersetzer und der Gemeindeangehörigen und die Obersten der Gemeinde [zusammen] und erklärten: Da die Übersetzung in schöner, frommer und durchaus genauer Weise gefertigt ist. So ist es recht, dass sie in diesem Wortlaut erhalten werde und keine Änderung stattfinde.

[311] πάντων δ᾿ ἐπιφωνησάντων τοῖς εἰρημένοις ἐκέλευσαν διαράσασϑαι, καϑὼς ἔϑος αὐτοῖς ἐστιν, εἴ τις διασκευάσει προστιϑεὶς ἢ μεταφέρων τι τὸ σύνολον τῶν γεγραμμένων ἢ ποιούμενος ἀφαίρεσιν, καλῶς τοῦτο πράσσοντες, ἵνα διὰ παντὸς ἀένναα μένοντα φυλάσσηται.

[311] Und nachdem alle den Worten beigestimmt hatten, befahl er nach ihrer Sitte, den zu verfluchen, der eine Bearbeitung unternehmen werde, indem er etwas hinzusetze oder irgend etwas von dem Geschriebenen änderte oder ausließe. 1 Und das taten sie mit Recht, damit [die Schrift] beständig für alle Zukunft unverändert erhalten bliebe.

Fazit

Von einem Wunder ist bei Pseudo-Aristeias nur insofern die Rede, dass das Ergebnis der gemeinsamen Übersetzungsarbeit wunderbar gewesen sei. Die Inspiration kommt durch die Übereinstimmung der Gelehrten zustande, nicht durch ihre Vereinzelung in Zellen. Und: Übersetzt wurde nach dieser Fassung der Legende nicht die ganze hebräische Bibel – sondern nur die Tora.

Hieronymus, der diesen Bericht kannte, schrieb daher in seinem Pentateuch-Prolog:

Et nescio quis primus auctor septuaginta cellulas Alexandriæ mendacio suo exstruxerit, quibus divisi eadem scriptitarent, cum Aristeas [Al. Aristæus] ejusdem Ptolemæi ὑπερασπιστής, et multo post tempore Josephus, nihil tale retulerint; sed in una basilica congregatos, contulisse scribant, non prophetasse. Aliud est enim vatem, aliud esse interpretem.
(Hieronymus: Præfatio in Pentateuchum, MPL XXVIII, 181-182)

Und ich weiss nicht, wer durch seine Lüge als erster Autor die 70 Zellen von Alexandria errichtet hat, auf die verteilt sie dieselbe [Übersetzung] verfasst hätten, da Aristeas [andere Handschriften: Aristäus] der Hyperaspistés (gr. = Verteidiger, Beschützer) desselben Ptolemäus und – lange Zeit später – Josephus – nichts derartiges überliefert haben. Sondern sie schrieben, dass die in einer Halle versammelten sich beraten, [aber] nicht prophezeit hätten. Denn es ist nicht das gleiche, ein Seher/Prophet oder ein Übersetzer zu sein. (MÜ)

Die von Hieronymus angeführte Aussage des Flavius Josephus findet sich in dessen jüdischen Altertümern, XII, 101-109. Josephus hat aber eindeutig den Text des Aristeas als Vorlage benutzt. Der Urheber der Lüge (mendacium) von den Zellen ist bei folgenden Autoren auszumachen: Justin der Märtyrer, Irenäus von Lyon, Clemens von Alexandrien. Übernommen haben diese Erweiterung der Legende nach ihnen Cyrill von Jerusalem und Augustinus. Dazu später mehr.

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  1. Vgl. Dtn 4,2 und 13,1

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