Interview mit einem Markioniten

In einem heute in der Wiener Tageszeitung »Die Presse« erschienenen Interview outete sich einer der Regisseure des heurigen Salzburger Jedermann als Anhänger Markions. Auf die Frage:  »Was halten Sie von ewiger Verdammnis?« antwortete Brian Mertes: »Das ist ein Relikt des Alten Testamentes – der strafende Gott. Das neue Testament gibt jedem Einzelnen Menschen einen Ausweg – Glaube und Bitte um Vergebung«.

Das ist klassischer Markion – der heute noch sehr viele Anhänger hat, die allerdings nicht unbedingt jemals seinen Namen gehört haben müssen. In dem Zusammenhang: auch die Antithesen sind ein markionitischer Begriff.

Zur ewigen Verdammnis als angeblichem Konzept des Alten Testamentes: mir fällt spontan keine Stelle im AT ein, die von ewiger Verdammnis spricht. Vielleicht noch Jes 66, 24 – das wäre noch zu diskutieren – aber dieser Vers wird in Markus 9 dreimal zitiert, und zwar in den Versen 44, 46 und 48.

Wenn überhaupt – und auch hier brauchen wird wieder vor allem eins: Auslegung! – ist die ewige Verdammnis eine neutestamentliche Vorstellung: siehe Mt 18,8 und 25,41; Offb 20,14-15 und 21,8.

Und dass es im AT keine Vergebung durch Gott gebe: man schlage in einer beliebigen Konkordanz die Ausdrücke Barmherzigkeit oder Vergebung nach: Viel  Spaß beim zählen!

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