David und Batseba in den Fassungen der LXX

Im letzten Semester haben wir in einem Septuaginta Lektüreseminar die großartige Erzählung von David und seinem Ehebruch mit Batseba gelesen, wobei nicht nur die Unterschiede zwischen dem hebräischen Text und der Septuaginta, sondern die beiden unterschiedlichen Textzeugen innerhalb der griechischen Varianten sehr aufschlussreich sind. Bei der näheren Beschäftigung mit dem Text bin ich darauf gekommen, dass ein entscheidendes Textsignal von Joab ausgeht, wenn er in 2 Sam 11,19-21 detaillierte Anweisungen an seinen Boten ausgibt, die im hebräischen Text nicht mehr aufgegriffen, in der Kaige-Rezension aber ausführlich und in der Antiochenischen-Lesart ausführlichst berücksichtigt werden. Meiner Meinung nach unterstreicht dieser Befund meine Beobachtung eines innerbiblischen Links auf die Jotam-Fabel – und belegt aufs neue, dass diese Erzählung ein Schlüsseltext des deuteronomistischen Geschichtswerks ist.

Auch wenn David in vorbildlicher Weise zum Büßer wird (Ps 51!) kehrt in seinem Haus als Folge seiner Verbrechen keine Ruhe mehr ein: Nachdem sein ältester Sohn Amnon seine Halbschwester Tamar vergewaltigt hatte, nimmt der von der gleichen Mutter wie Tamar stammende Davidsohn Abschalom blutige Rache an seinem Halbbruder (2 Sam 13-14). Nach seiner Begnadigung durch den König führt Abschalom einen Aufstand gegen seinen Vater an, in dessen Verlauf er sich den Harem Davids aneignet (2 Sam 16,22). So erleidet David praktisch das Leid, dass er dem Hetiter Urija angetan hatte. Der biblische Text deutet den Aufstand ganz klar als Folge von Davids Verbrechen (2 Sam 12, 10-12).

Ich würde noch weiter gehen: eigentlich hat sogar die spätere Teilung des Königreiches und der endgültige Untergang der Monarchie in Israel hier seine theologischen Wurzeln. Im Sinne der Jotam Fabel (Ri 9,7-21) kann eine menschliche Königsherrschaft ja gar nicht anders enden ….

Wen es interessiert: hier die beiden Varianten von 2 Sam 11f LXX, die Mag. Rudolf Melchart erstellt und mir freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat. Es gelten die üblichen Lizenzbedingungen.

Nachtrag: die antiochenische Fassung gibt – das wird durch Textfunde in Qumran bestätigt – ein älteres Stadium des hebräischen Textes wieder, während die Kaige sich am späteren masoretischen Text orientiert. Eine schon vertraute Beobachtung, die erneut das Konzept eines Urtextes problematisch erscheinen lässt.

Literaturempfehlung: Die Septuaginta Deutsch

 

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