Septuaginta III

In meiner AT Vorlesung bespreche ich die Auslegung von Psalm 57,4 durch Augustinus. Eine Teilnehmerin schlägt in der EÜ nach, und findet den Vers nicht. Er steht nicht dort. Ich bin verwirrt – aber hier die Erklärung.

Hieronymus übersetzte die Psalmen doppelt, einmal »iuxta LXX« (gemäß der Septuaginta), und einmal gemäß dem Hebräischen Text. Der von Augustinus ausgelegte Vers nach der LXX-Fassung  »Er gab zur Beschimpfung die, die mich mit Füßen traten« existiert in der EÜ nicht, da sie sich für den Hebräischen Text entschieden hat. Sie bietet daher an dieser Stelle die Lesart: »meine Feinde schmähen mich«. Meine Wissenslücke hat hier einen schwierigen Befund verdeckt: dass Masoretischer Text und LXX oft nicht übereinstimmen, ja, dass es sogar gravierende Unterschiede zwischen beiden gibt.

Das Beispiel des Jeremia-Buches

Das wohl eklatanteste Beispiel ist das Jeremia Buch: seine hebräische Fassung ist um gut 2700 Wörter – ein Siebtel des Buches – länger (!) als die LXX Fassung, die wiederum die Fremdvölkerorakel nicht am Ende, sondern in der Mitte des Buches anordnet. Textfunde in Qumran bestätigen, dass die LXX relativ wortgetreu eine hebräische Fassung übersetzt hat. Es gab also zwei verschiedene hebräische Fassungen des Buches, die gleichzeitig im Umlauf waren. Wie kann das sein? Die Antwort gibt das Buch selber: Jer 36,32.

Fortsetzung

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