Banken im Neuen Testament II

Einen dramatischen Konflikt Jesu mit Banken schildern alle Evangelisten im Neuen Testament – er ereignete sich bei der so genannten Tempelreinigung.

Hier die Darstellung des Markus:


Καὶ ἔρχονται εἰς Ἱεροσόλυμα. Καὶ εἰσελθὼν εἰς τὸ ἱερὸν ἤρξατο ἐκβάλλειν τοὺς πωλοῦντας καὶ τοὺς ἀγοράζοντας ἐν τῷ ἱερῷ, καὶ τὰς τραπέζας τῶν κολλυβιστῶν καὶ τὰς καθέδρας τῶν πωλούντων τὰς περιστερὰς κατέστρεψεν,
καὶ οὐκ ἤφιεν ἵνα τις διενέγκῃ σκεῦος διὰ τοῦ ἱεροῦ.
καὶ ἐδίδασκεν καὶ ἔλεγεν αὐτοῖς· οὐ γέγραπται ὅτι ὁ οἶκός μου οἶκος προσευχῆς κληθήσεται πᾶσιν τοῖς ἔθνεσιν; ὑμεῖς δὲ πεποιήκατε αὐτὸν σπήλαιον λῃστῶν.

15 Und sie kommen nach Jerusalem. Und als er in den Tempel hineinging, fing er an, die Verkäufer und die auf dem Markt verkehrenden im Tempel hinaus zu werfen, und die Tische (trápeza) der Kleingeld-Wechsler und die Sitze der Taubenverkäufer warf er um, 16 und er liess nicht zu, dass jemand ein Gefäß/Gerät durch den Tempel trug. 17 Und er lehrte und sprach zu ihnen: Steht nicht geschrieben: mein Haus wird ein Haus des Gebetes genannt werden für alle Völker (Jes 56,7)? Aber ihr habt es zu einer Räuberhöhle (Jer 7,11) gemacht. (Mk 11,15-17; MÜ)

Im Johannes-Evangelium, das die Tempelreinigung im Unterschied zu den Synoptikern an den Anfang der Verkündigung Jesu stellt, wird das Lehrwort Jesu folgendermaßen wiedergegeben:

ἄρατε ταῦτα ἐντεῦθεν, μὴ ποιεῖτε τὸν οἶκον τοῦ πατρός μου οἶκον ἐμπορίου.

Schafft das weg von hier! Macht das Haus meines Vaters nicht zu einem Kaufhaus. (Joh 2,16b MÜ)

Dass Jesus nicht prinzipiell gegen die Verwendung von Geld im Zusammenhang mit dem Tempel eingestellt war, zeigen die Perikopen Mk 12,41-44/Lk 21,1-4 sowie Mt 17,24-27. Der Beitrag zu Erhaltung des Tempels wird ja durch die Tora ausdrücklich vorgeschrieben (Ex 30,13 f.). Ebenfalls in der Tora liegt meiner Ansicht nach der Grund für das bank running Jesu.

Lev 25,35-38

וְכִֽי־יָמוּךְ אָחִיךָ וּמָטָה יָדוֹ עִמָּךְ וְהֶֽחֱזַקְתָּ בּוֹ גֵּר וְתוֹשָׁב וָחַי עִמָּֽךְ׃
אַל־תִּקַּח מֵֽאִתּוֹ נֶשֶׁךְ וְתַרְבִּית וְיָרֵאתָ מֵֽאֱלֹהֶיךָ וְחֵי אָחִיךָ עִמָּֽךְ׃
אֶת־כַּסְפְּךָ לֹֽא־תִתֵּן לוֹ בְּנֶשֶׁךְ וּבְמַרְבִּית לֹא־תִתֵּן אָכְלֶֽךָ׃
אֲנִי יְהוָה אֱלֹהֵיכֶם אֲשֶׁר־הוֹצֵאתִי אֶתְכֶם מֵאֶרֶץ מִצְרָיִם לָתֵת לָכֶם אֶת־אֶרֶץ כְּנַעַן לִהְיוֹת לָכֶם לֵאלֹהִֽים׃

35 Und so bei dir dein Bruder verarmt und seine Hand wankt, so greif ihm unter die Arme, Fremdling wie Beisaß, daß er bei dir lebe. 36 Nimm von ihm nicht Zins noch Wucher und fürchte dich vor deinem Gott, daß dein Bruder lebe bei dir. 37 Dein Geld gib ihm nicht um Zins, und um Wucher gib (ihm) nicht deine Speise. 38 Ich bin der Ewige, euer Gott, der ich euch herausgeführt aus dem Lande Mizrajim euch das Land Kenaan zu geben, um euer Gott zu seyn. (Ü: Zunz)

Entscheidend scheint mir hier der Vers Lev 25,37 zu sein, der ausdrücklich Gewinn bei Geldgeschäften und Nahrungsverkäufen verbietet. 1 Beides aber war auf diesem Marktplatz im Tempel wohl gegeben. Von daher kann eine Bank in diesem Umfeld für Jesus keine positive Bedeutung gehabt haben. Ein Befund, der auch noch anderweitig eine Rolle spielen wird.

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  1. Das Wort »Zins« leitet sich hier von dem Verb »beißen« (נשׁך) ab, das Wort »Wucher« von dem Verb »vermehren« (רבה).

Ein Gedanke zu „Banken im Neuen Testament II“

  1. Eine sehr ausführliche Schilderung der Wirtschaftsmetropole Jerusalem um die Zeitenwende und der gesellschaftlichen Struktur finden sich auch in
    Joachim Jeremias „Jerusalem zur Zeit Jesu. Eine kulturgeschichtliche Untersuchung zur neutestamentlichen Zeitgeschichte“ (1923)

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