Bibel und British Museum III

Die Assyrer deportierten nicht nur Menschen und Tiere, wie ich im letzten Beitrag gezeigt habe, sondern sie demonstrierten ihre Macht auf eine weitere Weise, die im Alten Orient nicht ohne tiefen Eindruck bleiben konnte.  Immer wieder berufen sich die assyrischen Könige auf die überlegene Macht ihrer Götter, besonders auf ihren Herrn Assur, der ihnen den Sieg über die Feinde schenkte. Ein Beispiel aus einer Inschrift Asarhaddons:

»Acht Könige aus jenem Bezirk tötete ich, schleppte ihre Götter, ihre Habe, ihren Besitz und ihre Leute nach Assyrien fort. Laili, König von Iadi‘, der vor meinen Waffen geflohen war, vernahm die Erbeutung seiner Götter, kam nach Ninive, meiner Residenz, zu mir und küsste meine Füsse. Gnade liess ich ihm angedeihen und bot ihm Brüderschaft (?=Freundschaft?) an.

Auf seine Götterbilder, die ich fortgeschleppt, liess ich die Macht Assurs, meines Herrn, aufzeichnen, und gab sie ihm zurück.« (Keilinschriftliche Bibliothek, Band 2 S. 133)

Das folgende Wandbild aus einem der Paläste in Nimrud (es dürfte aus der Zeit um 728 v. Chr. stammen) verdeutlicht, was gemeint ist:

Wandbild mit deportierten Goetterstatuen aus Nimrud um 728 v. Chr.
Wandbild mit deportierten Götterstatuen aus Nimrud um 728 v. Chr.

Soldaten Tiglath-Pileser III. tragen die Götterbilder weg, die sie geschlagenen Feinden abgenommen haben und deportieren sie nach Assyrien. 1 Die Botschaft ist klar: Nichts im Himmel und auf Erden kann euch gegen unsere Macht beistehen.

Überraschenderweise akzeptierten die Judäer diese Botschaft nicht. Sie zogen aus den desaströsen militärischen Konfrontationen mit diesem übermächtigen Feind nicht den Schluss, dass die Götter der Assyrer mächtiger waren als der eigene Gott. Ganz im Gegenteil, wie noch zu zeigen sein wird.

 

 

 

 

 

 

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  1. Die Inschrift über dem Bild beschreibt die Wiederansiedlung von Kriegsgefangenen nach einem Feldzug im Jahr 745 v. Chr.

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