Die Flucht der Heiligen Familie nach Ägypten

Es gibt zahlreiche klassische Darstellungen dieses Motivs in der Kunstgeschichte – und praktisch immer wird gezeigt, wie Maria und das Jesuskind auf einem Esel reiten, der von Josef geführt wird. Doch von einem Esel ist in der entsprechenden Matthäusstelle keine Rede.  Eine genauere Betrachtung des biblischen Textes zeigt aber, dass die Künstler theologisch im Recht sind, weil sie einen klaren »Link« des Matthäus zu einer gleichlautenden Stelle in der Tora erkannt haben:

Giotto: Flucht nach Ägypten
Giotto: Flucht nach Ägypten

 

 

 

 

 

 

 

 

Ex 4,19-20 Mt 2,19-21
Und der HERR sprach zu Mose in Midian: Geh nach Ägypten zurück; denn die Leute sind alle tot, die nach deinem Leben trachteten! Also nahm Mose sein Weib und seine Söhne und ließ sie auf einem Esel reiten und zog wieder nach Ägypten. Mose nahm auch den Stab Gottes in die Hand. (Ü: Schlachter) Als aber Herodes gestorben war, siehe, da erscheint ein Engel des Herrn dem Joseph in Ägypten im Traum und spricht: Steh auf, nimm das Kindlein und seine Mutter zu dir und ziehe in das Land Israel; denn sie sind gestorben, die dem Kindlein nach dem Leben trachteten! Da stand er auf, nahm das Kindlein und seine Mutter zu sich und ging in das Land Israel. (Ü: Schlachter)

Mit anderen Worten: Bei Matthäus ist der Gott, der Mose von Midian nach Ägypten führt, um das Volk zu befreien, der gleiche, der Josef von Ägypten nach Israel leitet, um dort das befreiende Handeln Jesu zu ermöglichen.

Aber die Parallelen gehen noch weiter: so wie Pharao befiehlt, alle männlichen Kinder Israels zu töten (Ex 1,22), ordnet Herodes an, alle Knaben in und in der Umgebung von Betlehem zu töten (Mt 2, 16) – und doch kann er genau so wenig wie Pharao die Geburt des Retters verhindern.

Das Giotto – Bild kommt von Wikimedia Commons.

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