Nochmal zum Thema »Junia«

In Röm 16,7 spricht Paulus von Andronikus und Junia und nennt sie »ausgezeichnet unter den Aposteln«. Da diese Lesart nicht unumstritten ist (die EÜ hat sie nicht), möchte ich hier kurz darlegen, dass sie der katholischen Auslegungs-Tradition entspricht.  

Über die Hintergründe dieses Verses habe ich bereits geschrieben, und dort Johannes Chrysostomos († 407) als Zeugen für die Lesart Junia genannt. Jetzt bin ich in der Lage, noch weitere Quellen zu bringen.

Ambrosiaster, ein unbekannter Paulusbriefkommentator aus der Zeit Papst Damasus († 384)  liest in seinem Römerbriefkommentar an der Stelle »Andronikus und Julia«, hat also auch einen Mann und eine Frau. Der Kommentar ist bei Migne unter dem Namen des Ambrosius überliefert (MPL XVII, 188).

Hieronymus († 419/20) schreibt in seinem Philemonkommentar ebenfalls von »Andronikus und Julia«, hat aber offensichtlich ebenfalls kein Problem mit einem Frauennamen. (MPL XXVI, 617-618).

Haymo von Halberstadt († 853) liest in seinem Römerbriefkommentar »Andronikus und Junia«, was ihm keine eigene Bemerkung wert ist. (MPL CXVII 505).

Der bulgarische Kirchenvater Theophylaktos († 1107) hält in seinem Römerbriefkommentar ausdrücklich fest, dass Junia eine Frau ist. (MPG CXXIV 551+552).

Auch Peter Abaelard († 1142) geht in seiner Erklärung des Römerbriefs von einem Mann und einer Frau in Röm 16,7 aus; aber er schränkt, unter Berufung auf Haymo, »Julias« apostolische Tätigkeit auf Seelsorge an anderen Frauen ein: »denn Frauen lehrten in der Kirche nicht«. Also: trotz seiner Probleme mit dem apostolischen Kontext hält auch er an dieser Stelle an einem Frauennamen fest (MPL CLXXVIII 973).

Petrus Lombardus († 1160) kennt ebenso die Lesart »Andronikus und Julia« in seinem Lehrbuch zum Brief des Paulus an die Römer (MPL CLXXXXI 1527).

Zusammenfassend kann man vielleicht sagen, dass die griechischen Väter die Lesart »Andronikus und Junia« hatten, während die lateinischen Väter zumeist »Andronikus und Julia« lasen. Wie auch immer: es ist eine breitest verbürgte Überzeugung bei den Vätern, dass Röm 16,7 von einem Mann und einer Frau spricht, die »ausgezeichnet unter den Aposteln« waren.

Wesentliche Hinweise zu dieser Aufstellung verdanke ich dem Gründer der École biblique in Jerusalem, P. Marie-Joseph Lagrange OP († 1938), bzw. seinem Kommentar zum Römerbrief. (S. 365 f. Fußnote 7) Er schliesst seine Beobachtungen mit den Worten: »Andronikus und Junia werden daher Ehemann und Frau gewesen sein«.

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