Warum der Schmetterling kein Symbol für die Auferstehung ist

Diesen Sonntag habe ich einen sehr schönen Gottesdienst mitgefeiert, der speziell für Familien gestaltet wurde. Um den erfreulich zahlreich erschienen Kindern die Auferweckung des Jünglings von Nain (Lk 7,11-17) zu verdeutlichen, war die Kirche mit Papierschmetterlingen geschmückt worden und die Homilie versuchte, hier eine Analogie zwischen dem Weg einer Raupe über den Kokon zum Schmetterling und der Auferweckung zu ziehen. Warum das nicht funktionieren kann, möchte ich hier kurz begründen.

Beim Jüngling von Nain ist es noch relativ einfach: die Schmetterling-Analogie kann nicht den deutlichen Bezug auf Elija herstellen (Lk 7,15 zitiert 1 Kön 17,23) und geht die entscheidende Frage, wen Jesus da auferweckt, gar nicht an: Den einzigen Sohn einer Witwe (Lk 7,12). Alle Raupen, die zu Schmetterlingen werden, fressen und verpuppen sich und schlüpfen dann als Schmetterling aus dem Kokon. Das gilt eindeutig nicht für alle Söhne von Witwen.

Die Auferweckung Jesu

Der Jüngling von Nain wurde seiner Mutter wiedergegeben. Nirgendwo aber sagt die Erzählung etwas darüber, dass er am Ende seiner Tage dann nicht gestorben sei. Wie sieht es aber mit der Auferweckung Jesu aus?

Zunächst einmal scheint doch die Parallelität von Raupe/Kokon/Schmetterling und irdischer Jesus/Grab/Auferstandener einleuchtend zu sein. Hier meine entscheidenden Bedenken:

a: die Raupe stirbt nicht. Das problematische an diesem Bild ist, dass die Raupe eben nicht stirbt, sondern sich nur verändert. Die biblischen Texte lassen keinen Zweifel daran, dass Jesus wirklich gestorben ist. An der Realität dieses Todes gab es nichts zu rütteln. Die Flucht der Jünger, der Zusammenbruch der Jesusbewegung, die Rückkehr seiner Anhänger in die vorherige Berufswelt (Joh 21,2 ff.) sprechen eine deutliche Sprache.

b: Die Metamorphose der Raupe zum Schmetterling ist ein zutiefst vertrauter Vorgang. Die Erscheinungen des Auferstandenen vor seinen Anhängern war etwas vollkommen Unerwartetes, nicht Vorhersehbares und Neues. An der Emmaus-Perikope kann man sehr schön ablesen, dass die Anhänger Jesu eine ganze Zeit der Verarbeitung brauchten, dass ihnen die Augen geöffnet werden mussten, dass sie ohne »die Schrift« nichts verstanden (Lk 24,13-35). Paulus, der Zeuge einer Ostererscheinung, schildert nirgendwo, was er da eigentlich gesehen hat.

Man merkt deutlich, wie sehr die biblischen Verfasser darum ringen, das nicht darstellbare in Worte zu fassen (Joh 20,29). Dazu kommt, dass mit der Auferweckung Jesu nicht eine Art Wiederbelebung gemeint ist. Der Tod Jesu wird nicht rückgängig gemacht – er wird überwunden.

Auch die entscheidende Frage, warum Gott nach christlichem Glauben gerade den Gekreuzigten auferweckt hat, kann das Bild von der Raupe und dem Schmetterling nicht einfangen.

Fazit

Das mit der Raupe und dem Schmetterling kennen die Kinder schon – dafür brauchen sie nicht in den Gottesdienst zu kommen. Bei der Auferweckung Jesu geht es um etwas vollkommen Neues und Anderes. Ich meine, dass das mit dem Bild des Schmetterlings nicht deutlich werden kann.

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