»Herr, sollen wir befehlen, dass Feuer vom Himmel fällt und sie vernichtet?«

Diese Frage stellen Jakobus und Johannes an Jesus, als sich ein samaritanisches Dorf weigert, Jesus und seinen Anhängern über Nacht Unterkunft zu gewähren. Da wandte er sich um und wies sie zurecht. Und sie gingen zusammen in ein anderes Dorf. (Lk 9,54-55; EÜ)

Wie kommen eigentlich Jakobus und Johannes auf eine solche Idee? Die Abschreiber des Biblischen Textes wussten es, daher haben die alten griechischen Handschriften des Codex Alexandrinus (5. Jh.), des Codex Ephraemi Syri Rescriptus (ein Palimpsest, ebenfalls 5. Jh.), der Codex Bezae Cantabrigiensis (5. Jh.) und etliche andere Textzeugen folgende Ergänzung eingetragen: ως και Ηλιας εποιησεν – »wie es auch Elija getan hat«.

In 2 Kön 1,10 ff. wird erzählt, dass Elija zweimal auf einen Trupp von fünfzig samaritanischen Männern Feuer fallen lässt, das sie verzehrt (das macht 102 Tote). Als Jakobus und Johannes diese Szene aufführen wollen, reagiert Jesus sehr heftig: στραφεὶς δὲ ἐπετίμησεν αὐτοῖς bedeutet wörtlich übersetzt: er wandte sich um und herrschte sie an. Das Verb epitimáō wurde schon in Vers 21 des Kapitels 9 von Lukas eingesetzt, hier geht es um die wahre Identität Jesu.

Das entscheidende Problem in dieser Szene Lk 9,51-55 ist das Schriftverständnis des Jakobus und Johannes. Die beiden lesen und verstehen 2 Kön 1,10 ff. als Reportage und meinen, ihre grausame Auslegung aktualisieren zu können. Dagegen geht Jesus mit aller Heftigkeit vor. Wie aufwühlend diese Szene gewirkt hat, lässt sich wiederum an den alten Handschriften nachvollziehen.

Etliche Textzeugen aus der Tradition des Codex Bezae Cantabrigiensis haben folgenden ergänzenden Kommentar bewahrt, der z.B. oft in Vulgata-Ausgaben übernommen wurde:

και ειπεν· ουκ οιδατε οιου πνευματος εστε· ο υιος του ανθρωπου ουκ ηλθεν ψυχας ανθρωπων απολεσαι αλλα σωσαι. »Und er sagte: Wisst ihr nicht, wes Geistes Kinder ihr seid? Der Menschensohn ist nicht gekommen, um die Seelen der Menschen zu zerstören, sondern um zu retten/bewahren.«

Dem ist nichts hinzuzufügen.

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