»Da reute es den HERRN … «

Mehrfach heißt es in der Bibel: »Da reute es den HERRN«. Gleichzeitig kann man aber auch lesen: »Gott ist kein Mensch, der lügt, kein Menschenkind, das etwas bereut« (Num 23,19). Was ist davon zu halten? Dass die Bibel immer wieder von der Reue Gottes spricht, ist unübersehbar (Ex 32,14; 1 Sam 15,35; Am 7,3 um nur einige zu nennen). Die stärkste Aussage trifft wohl Gen 6,6 am Beginn der Fluterzählung: »Da reute es den HERRN, auf der Erde den Menschen gemacht zu haben, und es tat seinem Herzen weh.« Warum reute es den HERRN? »Der HERR sah, dass auf der Erde die Schlechtigkeit des Menschen zunahm und dass alles Sinnen und Trachten seines Herzens immer nur böse war.« (Gen 6,5) Bemerkenswerter Weise dient dieses Argument für die Flut am Ende der Erzählung zugleich als Begründung dafür, dass Gott nie wieder eine solche Flut schicken wird:  »Ich will die Erde wegen des Menschen nicht noch einmal verfluchen; denn das Trachten des Menschen ist böse von Jugend an. Ich will künftig nicht mehr alles Lebendige vernichten, wie ich es getan habe.« (Gen 8,21). Damit macht meiner Meinung nach die Erzählung von sich aus klar, dass wir es hier nicht mit einer Reportage oder Wesensbeschreibung  Gottes zu tun haben.

Schon die alten Ausleger wussten um die Problematik dieser Rede von der Reue Gottes. Zwei seien beispielhaft angeführt:

Aus Raschis (=Rabbi Schlomo Izchaki, 1040-1105) Torakommentar zu Gen 6,6

Ein Leugner fragte Rabbi Joschua b. Korcha und sagte zu ihm: »Ihr gebt doch zu, dass der Heilige, gelobt sei Er, die Zukunft sieht?« Er sagte: »Ja.« »Es steht aber doch, Er war betrübt in seinem Herzen.« Er erwiderte dem Leugner: »Ist dir einmal ein Sohn geboren worden?« »Ja.« »Und was hast du da getan?« »Ich habe mich gefreut und alle anderen auch erfreut!« »Wusstest Du nicht, dass er zuletzt doch wieder sterben würde?« Er antwortete: »In der Zeit der Freude freut man sich, in der Zeit der Trauer trauert man.« Da sprach Rabbi Joschua: » So ist auch das Werk des Heiligen, gelobt sei Er. Wenn auch vor Ihm offenbar war, dass sie zuletzt sündigen und untergehen würden, hielt Er sich doch nicht zurück, sie zu erschaffen um der Gerechten willen, die von ihnen erstehen würden.«

Aus Thomas v. Aquin (1225-1274) Summa Theologica I, Quaestio 19,7: Ist Gottes Willen veränderlich?

1. Es spricht der Herr Gen 6,6: „Es reut mich, den Menschen geschaffen zu haben.“ Wer aber immer das Getane bereut, hat einen veränderlichen Willen. Also hat Gott einen veränderlichen Willen. (…)

ANDERERSEITS heißt es Num 23,19: „Nicht ist Gott wie ein Mensch, dass Er lügen würde, noch wie der Sohn des Menschen, dass Er sich ändern würde.“

ANTWORT: Der Wille Gottes ist gänzlich unveränderlich. Dazu ist Folgendes zu bedenken. Es ist etwas anderes, den Willen zu ändern, und etwas anderes, die Veränderung gewisser Dinge zu wollen. Mit dem gleichen, unveränderlich bleibenden Willen kann jemand wollen, dass jetzt dieses geschehe und später das Gegenteil. (…)

Zu 1: Jenes Wort des Herrn ist im übertragenen Sinne zu verstehen (…). Wenn wir nämlich Reue haben, vernichten wir nämlich, was wir gemacht haben. Freilich könnte das ohne Willensänderung sein, wie auch gelegentlich ein Mensch ohne Willensänderung etwas machen will, zugleich mit der Absicht, es nachher zu zerstören.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.