Urgeschichte II

In Gen 2,4 wird die Erschaffung der Welt noch einmal erzählt – übrigens nicht zum letzten Mal in der hebräischen Bibel (vgl. etwa Spr 8,22-31). Doch die Reihenfolge der Schöpfungswerke ist diesmal eine ganz andere, und der Stil der Erzählung ist es auch. 

Während im Sechs-Tage Werk von Gen 1  die Erschaffung des Menschen erst nach den Pflanzen und Tieren als Abschluss der Schöpfung erfolgt, steht sie in Gen 2 am Anfang. Erst kommt der Mensch (Gen 2,7), dann die Pflanzen (Gen 2,8-9) und erst danach die Tiere (Gen 2,19). Außerdem wird der Mensch nicht als männlich und weiblich erschaffen, sondern aus der Rippe des Mannes formt der HERR die Frau (Gen 2,21 f.).

Allein von diesen Beobachtungen her sollte klar sein, dass die beiden ersten Kapitel der Genesis keine Reportage der Prozesse bei der Entstehung des Universums sein wollen. Aber: das Hintereinander-Schalten der beiden chronologisch unterschiedlichen Erzählungen ist den Verfassern und Herausgebern dieser Texte auch nicht passiert, sondern es geschah planvoll. Nachdem in Gen 1 immer wieder betont wird, wie gut die Welt ist, die Gott geschaffen hat, bereitet Gen 2 den Boden für die Erzählung von der Herkunft des Bösen.

Mit anderen Worten: der Beginn der hebräischen Bibel will gar keine naturwissenschaftlichen Aussagen treffen, er gibt theologisch Auskunft über das Wesen und den Sinn der Welt, in der wir heute leben. Die Konsequenz: »Es ist darum kein Gegenstand unseres Glaubens, dass Gott die Welt, wie es die Bibel bildhaft darstellt, in sechs Tagen geschaffen hat und dass er alles am Anfang so geschaffen hat, wie wir es heute vorfinden.“ (Katholischer Erwachsenen-Katechismus III.1.1 – vgl. Youcat Nr. 42)

Fortsetzung

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