Selbstmörderische Bibelauslegung

Ein aktueller Fall aus den USA – wohl unter Berufung auf den sekundären Markusschluss 1 hantierte ein Prediger während seines Gottesdienstes mit Giftschlangen – und starb an den Folgen eines Schlangenbisses, weil er aus »Glaubensgründen« eine ärztliche Behandlung ablehnte. In Mk 16,17-18 heißt es: Als Zeichen aber werden den Glaubenden diese folgen: in meinem Namen werden sie Dämonen hinauswerfen, in neuen Zungen werden sie reden, werden Schlangen sie tragen, und wenn immer etwas Tödliches sie trinken, nicht wird es Ihnen schaden, auf Schwache werden sie Hände auflegen und recht wird es ihnen gehen. (Ü: Münchner Neues Testament)

Die Auslegung des verstorbenen Pastors über die Schlangen: »Wir verwenden sie bei unseren Zeremonien und ich glaube, was mich betrifft, wenn ich sie dabei nicht nutzen würde, wäre ich dem Wort Gottes nicht gehorsam.« 2 Diese Auslegung hat ihn buchstäblich ins Grab gebracht.

Ein ähnlich tragischer Fall, ebenfalls aus den USA, passt dazu: Pastor Zachery Tims schrieb gar ein Buch darüber, wie er durch seinen Glauben von seiner Heroinsucht »befreit« wurde, gründete eine Mega-Church und starb … an einer Überdosis.

Ein Fest für die Blogger von The friendly atheist.  Was läuft hier schief? Ist die Bibel daran schuld – oder ihre offensichtlich falsche Auslegung? Und wie schützt man einen Text und sich selbst davor?

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  1. Zur Erklärung: Markus endete laut den ältesten Textzeugen ursprünglich mit 16,8
  2. We use them in our religious ceremonies, and I believe, as for me, if I don’t have them there to use, I’m not obeying the word of God.

Ein Gedanke zu „Selbstmörderische Bibelauslegung“

  1. Das ist wohl ein typischer Fall von Bildungsmangel. Man fragt sich, welchen Theologen bzw. Religionslehrern oder „Glaubensvermittlern“ diese Menschen in die Hände gefallen sind. Aufklaerung, und immer wieder Aufklärung ist hier gefragt!!!

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