Untersuchungen – Kapitel 5

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(Vers. 2.) «Virum et mulierem fecit eos, et benedixit eos, et vocavit nomen eorum Adam, id est, homo.» Hominis autem nomen, tam viro quam feminae convenit.

(Gen 5,2) »Als Mann und als Frau machte er sie, 1 und segnete sie, und er nannte sie Adam, das bedeutet Mensch«. Die Bezeichnung Mensch kommt nämlich sowohl einem Mann als auch einer Frau zu.

(Vers. 3.) «Vixit autem Adam ducentos et triginta annos, et genuit ad imaginem et similitudinem suam, et vocavit nomen eius Seth». Sciendum quod usque ad diluvium, ubi in nostris codicibus, ducentorum et quod excurrit annorum genuisse quis dicitur: in Hebraeo habeat centum annos, et reliquos qui sequuntur.

(Gen 5,3): »Adam lebte aber 230 Jahre, 2 und er zeugte nach seinem Bild und seiner Ähnlichkeit (einen Nachkommen) und er nannte in Seth.« Man muss wissen, dass bis zur Sintflut, wo in unseren Handschriften (steht), jemand soll mit über 200 Jahren noch (einen Nachkommen) gezeugt haben, im Hebräischen „hundert Jahre“ und noch mehr steht (= über 100 Jahre steht).

(Vers. 4.) «Fuerunt autem dies Adam, postquam genuit Seth, septingenti anni». Quia in ducentis erraverat, consequenter hic posuit septingentos, cum in Hebraeo hic habeatur octingentos, et supra centum.

(Gen 5,4): »Es waren aber die Tage Adams, nachdem er Seth gezeugt hatte, 700 Jahre.« Da er mit den 200 (Jahren) geirrt hatte, setzte er hier folgerichtig 700 Jahre, weil im Hebräischen an dieser Stelle von 800 die Rede ist und vorher von 100 (geschrieben wurde).

(Vers. 25.) «Et vixit Mathusala annis centum sexaginta septem, et genuit Lamech. Et vixit Mathusala, postquam genuit Lamech, annos octingentos duos, et genuit filios et filias. Et fuerunt omnes dies Mathusalae, quos vixit, anni nongenti sexagintanovem, et mortuus est.» Famosa quaestio, et disputatione omnium Ecclesiarum ventilata, quod iuxta diligentem supputationem, quatuordecim annos post diluvium Mathusala vixisse referatur. Etenim cum esset Mathusala annorum centum sexaginta septem, genuit Lamech. Rursum Lamech, cum esset annorum centum octoginta octo, genuit Noe. Et fiunt simul usque ad diem nativitatis Noe, anni vitae Mathusalae, trecenti quinquaginta quinque. Sexcentesimo autem anno vitae Noe, diluvium factum est. Ac per hoc, habita supputatione per partes, nongentesimo quinquagesimo quinto anno Mathusalae, diluvium fuisse convincitur. Cum autem supra nongentis sexaginta novem annis vixisse sit dictus, nulli dubium est quatuordecim eum annos vixisse post diluvium. Et quomodo verum est, quod octo tantum animae in arca salvae factae sunt? Restat ergo, ut quomodo in plerisque, ita et in hoc sit error in numero. Siquidem et in Hebraeis et Samaritanorum libris, ita scriptum reperi: «Et vixit Mathusala centum octoginta septem annis, et genuit Lamech. Et vixit Mathusala, postquam genuit Lamech, septingentos octoginta duos annos et genuit filios et filias. Et fuerunt omnes dies Mathusalae, anni nongenti sexagintanovem, et mortuus est. Et vixit Lamech centum octoginta duobus annis, et genuit Noe.» A die ergo nativitatis Mathusalae, usque ad diem ortus Noe, sunt anni trecenti sexaginta novem: his adde sexcentos annos Noe: quia in sexcentesimo vitae eius anno factum est diluvium: atque ita fit, ut nongentesimo sexagesimo nono vitae suae Mathusala mortuus sit, eo anno, quo coepit esse diluvium.

(Gen 5,25): »Und Mathusala lebte 167 Jahre und zeugte Lamech. Und Mathusala lebte, nachdem er Lamech gezeugt hatte, 802 Jahre, und er zeugte Söhne und Töchter. Und es waren alle Tage des Mathusala, die er lebte, 969 Jahre, und er starb.« Das ist eine berühmte Frage 3, die durch die Diskussion aller Kirchen bekannt gemacht worden ist, weil nach sorgfältiger Berechnung überliefert wird, dass Mathusala nach der Sintflut noch 14 Jahre gelebt habe. Und in der Tat, als Mathusla 167 Jahre alt war, zeugte er Lamech. Lamech wiederum zeugte Noe, als er 188 Jahre alt war. Und das macht zusammen bis zum Tag der Geburt des Noe 355 Lebensjahre des Methusala. Im sechshundersten Lebensjahr des Noe ereignete sich die Sintflut. Und deshalb wird durch das Zusammenrechnen der einzelnen Zahlen bewiesen, dass die Sintflut im 955. Lebensjahr des Mathusala war. Da es aber oben heißt, er habe 969 Jahre gelebt, ist es für niemanden zweifelhaft, dass er nach der Sintflut (noch) 14 Jahre gelebt hat. Und wie kann das stimmen, dass nur 8 Seelen in der Arche gerettet wurden (1 Petr 3,20)? Also bleibt nur, dass wie schon oft, so auch hier ein Fehler in der Zahlenangabe vorliegt. So habe auch ich hier herausge­funden, dass in den hebräischen Büchern und in denen der Samariter (Folgendes) geschrieben steht: »Und Methusala lebte 187 Jahre und er zeugte den Lamech. Und es lebte Methusala, nachdem er den Lamech gezeugt hatte, (noch) 782 Jahre und er zeugte Söhne und Töchter. Und alle Tage des Methusala waren 969 Jahre, und er starb. Und Lamech lebte 182 Jahre, und er zeugte den Noe.« Also sind es vom Geburtstag des Mathusala bis zum Tag der Geburt des Noe 369 Jahre: diesen füge 600 Jahre des Noe hinzu – denn im sechshundertsten Jahr seines Lebens ereignete sich die Sinflut. Und so geschah es, dass Mathusala im 969ten Jahr seines Lebens starb, dem Jahr, in dem die Sinflut begann. 4

(Vers. 29.) «Et vocavit nomen eius Noe, dicens: Iste requiescere nos faciet ab operibus nostris». NOE (נה), requies interpretatur. Ab eo igitur, quod sub illo omnia retro opera quieverunt per diluvium, appellatus est requies.

(Gen 5,29): »Und er nannte ihn Noe, indem er sagte: dieser wird uns ausruhen lassen von unseren Mühen.« Noe wird als Ruhe 5 übersetzt. Von daher also, dass unter ihm alle vorherigen Arbeiten durch die Sinflut ruhten, wurde er »Ruhe« genannt.

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  1. MT und LXX haben »männlich und weiblich« – nicht »Mann und Frau«. Diese Version hier ist insofern ungewöhnlich, als sowohl die Vetus Latina wie die Vulgata masculum et feminam (männlich und weiblich) lesen.
  2. Im hebräischen Text sind es 130 Jahre.
  3. Augustinus befasst sich mit der hier behandelten Frage sehr ausführlich im Gottesstaat: http://www.unifr.ch/bkv/kapitel1933-12.htm. Die einzige ihm möglich scheinende Erklärung ist dabei, dass der erste Abschreiber der Septuaginta sich bei den Zahlenangaben geirrt habe, und dass spätere Kopisten den Fehler noch verschlimmerten, weil sie ihn durch nochmals anderen Angaben korrigieren wollten. Alles in allem machen diese unleugbaren Fehler im Text dem Bischof von Hippo große Probleme.
  4. Dass die Rabbinen davon ausgingen, das Methusalem – der Gerechte – sicher vor der Flut gestorben war, belegt Susanne Plietzsch in ihrer Übersetzung des Midrasch Bereschit Rabba: http://bereschitrabba.hypotheses.org/543
  5. Anlass dieser Deutung ist, dass die Etymologie des Namens Noah durch die hebräische Bibel Schwierigkeiten bereitet: »Und nannte seinen Namen Noach, um zu sagen, dieser wird uns trösten wegen unserer Arbeit.« (Gen 5,29; Ü: Zunz). Er wird uns trösten – jechamenu – ist Piel Imperfekt von nchm, was nicht wirklich gut zu dem hebräischen Namen Noach passt. Daher versucht die LXX eine Herleitung von dem Verb nwch, was zu folgender Übersetzung führt: »Und er gab ihm den Namen Noah, indem er sagte: Dieser wird uns ein wenig ausruhen lassen von unseren Arbeiten« (Gen 5,29 Ü: LXX deutsch). Dem hat sich Hieronymus angeschlossen. Die Rabbinen sagen zur Stelle in MBR: »Nach Rabbi Jochanan stimmt die Erklärung nicht mit dem Namen und der Namen nicht mit der Erklärung, es brauchte nur zu heissen: er nannte ihn entweder Noach, weil er uns Ruhe verschaffte, oder Nachman, weil er uns trösten wird.« (MBR XXV Ü: August Wünsche) Mit anderen Worten, wenn die Tora den Namen von nchm herleitet, dann soll sie Noah auch gleich Nachman nennen!