Untersuchungen – Kapitel 23

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(Cap. XXIII – Vers. 2) «Et mortua est Sara in civitate Arboc, quae est in valle: haec est Chebron, in terra Chanaan.» Hoc quod hic positum est, quae est in valle, in authenticis codicibus non habetur. Nomen quoque civitatis Arboc paulatim a scribentibus legentibusque corruptum est. Neque enim putandum, Septuaginta Interpretes nomen civitatis Hebraeae, barbare atque corrupte, et aliter quam in suo dicitur, transtulisse. Arboc enim nihil omnino significat. Sed dicitur ARBEE (ארבע), hoc est, quatuor, quia ibi Abraham, et Isaac, et Iacob conditus est: et ipse princeps humani generis Adam, ut in Iesu libro apertius demonstrabitur.

(Gen 23,2): »Und Sara starb in der Stadt Arbok, die im Tal liegt: das ist Hebron, im Land Kanaan.« Das, was hier als die im Tal liegt angegeben ist, steht nicht in den ursprünglichen Handschriften. Auch der Namen der Stadt Arbok ist nach und nach von den Schreibern und Lesern verdorben worden. Denn man soll nicht glauben, dass die Siebzig Übersetzer den Namen der hebräischen Stadt barbarisch und verdorben und auf andere Weise, als er an sich heißt, übersetzt haben. Denn Arboc hat überhaupt keine Bedeutung. Sondern sie heißt Arba, das bedeutet vier, weil dort Abraham, Isaak und Jakob bestattet sind. Und selbst Adam, der erste des Menschengeschlechts, wie im Buch Josua deutlicher gezeigt werden wird.

(Vers. 6.) «Audi nos, Domine, rex a Deo tu es nobis, in electo sepulcro nostro sepeli mortuum tuum.» Pro rege principem habet in Hebraeo, sive ducem. NASI (נשׂיא) quippe non rex, sed dux dicitur.

(Gen 23,6): »Höre uns, Herr! Du bist für uns ein König von Gott her, begrabe deinen Leichnam in unserer ausgesuchten Grabstätte.« Statt König steht im Hebräischen Prinz oder Fürst, allerdings bedeutet nasi nicht König, sondern Fürst.

(Vers. 16.) «Et audivit Abraham Ephron, et appendit Abraham Ephron argentum, quod locutus est in auribus filiorum Heth.» In Hebraeo sicut hic posuimus, primum nomen eius scribitur EPHRON, secundum EPHRAN. Postquam enim pretio victus est, ut sepulcrum venderet argento, licet cogente Abraham, vau littera, quae apud illos pro o legitur, ablata de eius nomine est: et pro EPHRON appellatus est EPHRAN, significante Scriptura, non eum fuisse consummatae perfectaeque virtutis, qui potuerit memorias vendere mortuorum. Sciant igitur, qui sepulcra venditant, et non coguntur, ut accipiant pretium, sed a nolentibus quoque extorquent, immutari nomen suum, et perire quid de merito eorum, cum etiam ille reprehendatur occulte, qui invitus acceperit.

(Gen 23,6): »Und Abraham hörte Efron und er wog Efron den Geldbetrag ab, den er in die Ohren der Söhne Hets gesprochen hatte.« Im Hebräischen, so wie wir es hier dargestellt haben, wird sein Name zuerst Efron geschrieben, gleich danach Efran. Denn nachdem er durch den Preis umgestimmt worden war, das Grab um einen Geldbetrag zu verkaufen – mag Abraham ihn dazu gezwungen haben – wurde der Buchstabe wav, der bei ihnen als o gelesen wird, von seinem Namen entfernt: 1 und statt Efron wird er Efran genannt. Dadurch deutet die Schrift an, dass er nicht völlig und vollkommen tugendhaft war, da er ja im Stande war, die Gräber der Toten zu verkaufen. Daher sollen die, die Gräber verkaufen und nicht (dazu) gezwungen sind, wissen, dass sie den Preis annehmen sollen, dass jedoch ihr Name verändert wird und etwas von ihrem Verdienst verloren geht, wenn sie (den Preis) ebenfalls von den Unwilligen erpressen; weil auch der (Efron) heimlich dafür kritisiert wird, der gegen seinen Willen (das Geld) angenommen hat.

Show 1 footnote

  1. Efron wird im MT in Gen 23,16 einmal plene – mit wav, und direkt anschließend ohne wav geschrieben.

Die Stele des Königs Mescha von Moab II

Nachdem ich den Fund der Stele und die unglückliche Geschichte der Textsicherung geschildert habe, hier jetzt die Übersetzung des Textes. Aus urheberrechtlichen Gründen gebe ich die Fassung von Smend/Socin wieder. „Die Stele des Königs Mescha von Moab II“ weiterlesen

Untersuchungen – Kapitel 19

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(Vers. 14-15) «Et locutus est ad generos suos, qui acceperant filias eius». Quia postea duae filiae Lot virgines fuisse dicuntur (de quibus et ipse dudum ad Sodomaeos dixerat: Ecce duae filiae meae, quae non cognoverunt virum), et nunc Scriptura commemorat eum habuisse generos; nonnulli arbitrantur illas, quae viros habuerunt, in Sodomis remansisse, et eas exisse cum patre, quae virgines fuerunt. Quod cum Scriptura non dicat, Hebraea veritas exponenda est, in qua scribitur: «Egressus est Lot, et locutus est ad sponsos, qui accepturi erant filias eius.» Necdum igitur virgines filiae matrimonio fuerant copulatae.

(Gen 19,14-15) »Und er sprach zu seinen Schwiegersöhnen, die seine Töchter bekommen hatten.« Später sagte man dann von den beiden Töchtern des Lot, dass sie Jungfrauen gewesen seien (schon vorher hatte er selbst zu den Sodomitern gesagt: Seht, meine beiden Töchter, die noch keinen Mann erkannt haben), 1 und die Schrift erwähnt nun, dass er Schwiegersöhne hatte; einige nehmen an, dass die, die Männer hatten, in Sodom blieben, und dass (nur) die mit dem Vater hinausgingen, die Jungfrauen waren. 2 Da die Schrift das nicht sagt, ist der hebräische Urtext darzulegen, in dem geschrieben steht: »Und Lot ging hinaus und sprach zu den Verlobten, die seine Töchter bekommen sollten.« 3 Also waren seine Töchter Jungfrauen, die noch nicht verehelicht worden waren.

(Vers. 21.) Et dixit ei: «Ecce admiratus sum faciem tuam». In Hebraeo habet: «Ecce suscepi faciem tuam»: id est, acquiesco precibus tuis. Quod Symmachus secundum sensum interpretans ait, ὁράσει ἐδυσωπήθην τὸ πρόσωπόν σου.

(Gen 19,21): Und er sagte ihm: »Siehe, ich habe dein Angesicht geehrt.«Im Hebräischen steht: »Siehe, ich habe dein Gesicht angenommen«. 4 Das bedeutet: ich komme deinen Bitten nach. Das hat Symmachus dem Sinn gemäß so übersetzt: horásei edysópḗthēn tò prósōpón sou. (Ich bin durch das Ansehen deines Gesichtes erweicht worden).

Vers. 28.) «Et ecce ascendebat flamma de terra quasi vapor fornacis». Pro quo legimus in Hebraeo: Ecce ascendebat CITOR (קיטר), quasi ἀναθυμίασις fornacis: quod nos vaporem, vel fumum, sive favillam possumus dicere.

(Gen 19,28) »Und siehe, eine Flamme stieg von der Erde auf wie der Rauch des Ofens.« Stattdessen lesen wir im Hebräischen: siehe, qitor 5 stieg auf, wie anathymíasis (das Aufdampfen) des Ofens, was wir als Rauch, Qualm oder als glimmende Asche bezeichnen können.

(Vers. 30.) «Et ascendit Lot de Segor, et sedit in monte: et duae filiae eius cum eo. Timuit enim sedere in Segor». Quaeritur quare cum primum fugae montis Segor praetulerit, et eam in habitaculum suum voluerit liberari, nunc de Segor rursum ad montem migret? Respondebimus veram esse illam Hebraeorum coniecturam de Segor, quod frequenter terrae motu subruta, Bale primum, et postea Salisa appellata sit: timueritque Lot, dicens, Si cum caeterae adhuc urbes starent, ista saepe subversa est: quanto magis nunc in communi ruina non poterit liberari? Et ob hanc occasionem infidelitatis, etiam in filias coitus dedisse principium. Qui enim caeteras viderat subrui civitates, et hanc stare, seque Dei auxilio erutum: utique de eo, quod sibi concessum audierat, ambigere non debuit. Illud igitur, quod pro excusatione dicitur filiarum, eo quod putaverint defecisse humanum gentis, et ideo cum patre concubuerint, non excusat patrem. Denique Hebraei, quod sequitur:

(Gen 19,30): »Und Lot stieg von Segor hinauf und blieb auf dem Berg, und seine beiden Töchter mit ihm. Denn er fürchtete sich, in Segor zu bleiben.« Es stellt sich die Frage, weshalb er – obwohl er Segor zuerst der Flucht auf den Berg vorzog und obwohl er es als seine Wohnstätte unbewohnt lassen wollte – nun wieder von Segor zum Berg wanderte? Wir werden antworten, dass diese Deutung der Hebräer von Segor wahr ist: weil es häufig durch ein Erdbeben einstürzte, wurde es zuerst Bale, 6 und dann Salisa 7 genannt. Und Lot fürchtete sich und sagte: Jedes Mal, wenn die übrigen Städte stehen blieben, wurde diese oft zerstört. Wie könnte sie jetzt bei diesem allgemeinen Untergang nicht entvölkert werden? Und bei dieser Gelegenheit zur Treulosigkeit liegt auch der Ursprung dafür, dass er sich dem Geschlechtsverkehr mit den Töchtern hingab. Denn er, der gesehen hatte, dass die übrigen Städte zum Einsturz gebracht wurden, und diese stehen blieb und dass er durch die Hilfe Gottes gerettet wurde: da durfte er doch nicht an dem zweifeln, was ihm – wie er gehört hatte – gewährt wurde. 8 Das also, was man zur Entschuldigung der Töchter sagen kann, dass sie nämlich glaubten, das Menschengeschlecht sei untergegangen und dass sie deshalb mit dem Vater schliefen, kann den Vater nicht entschuldigen. Und daher (sagen) die Hebräer folgendes:

(Vers. 35.) Et nescivit cum dormisset cum eo, et cum surrexisset ab eo, appungunt desuper, quasi incredibile, et quod rerum natura non capiat, coire quempiam nescientem.

(Gen 19,35): Und er merkte es nicht, als sie mit ihm geschlafen hatte und als sie sich von ihm erhoben hatte – darüber punktieren sie: geradezu unglaublich 9 – auch weil die Natur der Dinge es nicht zulässt, dass einer mit irgendjemandem schläft, ohne es zu merken.

(Vers. 36 – 38) «Et conceperunt duae filiae Lot de patre suo, et genuit primogenita filium, et vocavit nomen eius Moab. Iste est pater Moabitarum usque in hanc diem. Et minor, et ipsa peperit filium, et vocavit nomen eius Ammon id est, filius populi mei. Ipse est pater filiorum Ammon». Moab interpretatur, ex patre: et totum nomen etymologiam habet. Ammon vero, cuius quasi causa nominis redditur, filius generi mei, sive ut melius est in Hebraeo (עמי), filius populi mei, sic derivatur, ut ex parte sensus nominis, ex parte ipse sit sermo: AMMI enim, a quo dicti sunt Ammonitae, vocatur populus meus.

(Gen 19,36-38): »Und die beiden Töchter Lots empfingen von ihrem Vater und die erstgeborene gebar einen Sohn und gab ihm den Namen Moab. Der ist der Vater der Moabiter bis zum heutigen Tag. Auch die Jüngere brachte einen Sohn zur Welt und gab ihm den Namen Ammon, das bedeutet: Sohn meines Volkes. Er ist der Vater der Söhne Ammons.« Moab wird als aus dem Vater übersetzt und der ganze Namen hat eine besondere Bedeutung. Aber Ammon – die Ursache für seinen Namen wird etwa als Sohn meines Geschlechtes/meiner Familie wiedergegeben, oder wie es besser im Hebräischen heißt – Sohn meines Volkes – was so zum Teil von der Bedeutung des Namens, zum Teil von dem Ausdruck selbst hergeleitet wird: denn ammi, nachdem die Ammoniter benannt sind, heißt mein Volk.

weiter

Show 9 footnotes

  1. Gen 19,8
  2. Diese Auslegung vertritt auch MBR: וידבר אל חתניו וגו‘ ארבע בנות היו לו שתים ארוסות ושתים נשואות – »Und er sprach zu seinen Schwiegersöhnen usw. Er hatte vier Töchter: zwei waren verlobt und zwei waren verheiratet« (MBR L, 9; MÜ) Zitiert nach: http://www.sefaria.org/Bereishit_Rabbah.50
  3. MT liest heute: וַיֵּצֵ֨א ל֜וֹט וַיְדַבֵּ֣ר אֶל־חֲתָנָ֣יו לֹקְחֵ֣י בְנֹתָ֗י – Und Lot ging hinaus und sprach zu seinen Schwiegersöhnen, die seine Töchter nehmen sollten (Partizip).
  4. MT liest: וַיֹּאמֶר אֵלָיו הִנֵּה נָשָׂאתִי פָנֶיךָ – »Und er sprach: Siehe, ich habe dein Angesicht erhoben.«
  5. קִיטֺר bedeutet Rauch.
  6. Nach Gen 14,2+8 hieß die Stadt, die Hieronymus als Segor (hebr. צוֺעַר) bezeichnet, Bæla (hebr. בֶּלַע), was Hieronymus hier als Bale vokalisiert. Das dahinter stehende Verb בלע bedeutet verschlingen, vernichten.
  7. Schon in seiner Auslegung von Gen 14,2 hat Hieronymus diese Deutung vorgetragen und שָׁלִשָׁה aus 1 Sam 9,4 genannt. Siehe auch dort zu den weiteren Details.
  8. In Gen 19,21 hatte Gott dem Lot versprochen, die Stadt Segor/Zoar nicht zu vernichten.
  9. Dieses Angabe des Hieronymus wird durch den hebräischen Bibeltext und MBR bestätigt: In dem fast gleichlautenden Vers 19,33 findet sich einer der puncta extraordinaria des hebräischen Bibeltextes, der sicher älter ist, als die masoretische Vokalisierung. MBR liest: ותשקן את אביהן יין וגו‘ נקוד על וי“ו של ובקומה שבשכבה לא ידע בקומה ידע – »Und sie gaben ihrem Vater Wein zu trinken usw. (Gen 19,33) Ein Punkt ist über dem Wav von und bei ihrem Aufstehen. (Das bedeutet) dass er bei ihrem sich Niederlegen nichts bemerkte, bei ihrem Aufstehen bemerkte er es«. (Bereschit Rabba LI,8 zu Gen 19,33)

Der Canon Muratori – das muratorische Fragment

Das Muratorische Fragment wurde von seinem Namensgeber, Ludovico Antonio Muratori (1672-1750) in einem aus dem 8. Jh. stammenden Sammelkodex entdeckt, den die Biblioteca Ambrosiana von der Abtei Bobbio übernommen hatte und erstmals 1740 publiziert. Es handelt sich um eine wohl im 4./5. Jh. erfolgte lateinische Übersetzung einer griechischen Vorlage aus der zweiten Hälfte des 2. Jh. Der Text dürfte in Rom erstellt worden sein und ist ein sehr frühes Zeugnis für den Prozess der Etablierung eines neutestamentlichen Kanons. Da die ersten Zeilen am Anfang fehlen, spricht man vom Muratorischen Fragment.

Die Wiedergabe des Textes erfolgt hier folgendermaßen: Zuerst wird jeweils eine Seite der Handschrift gezeigt, dann der transkribierte, sehr fehlerhafte lateinische Text mit Anmerkungen zu den erkennbaren Ausbesserungen, dann die deutsche Übersetzung.
Bei der Übersetzung habe ich versucht, die Zeilenumbrüche der Vorlage beizubehalten, was immer wieder ein etwas holpriges Deutsch zur Folge hat.
Alle Übersetzungen, inklusive der Kirchenväter-Zitate, sind von mir.

1. Blatt

Canon Muratori Spalte 1 - auslegungssache.at
Canon Muratori Spalte 1 – auslegungssache.at

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Transkription erstes Blatt

(Vom Schreiber nachträglich gelöschte Buchstaben sind kursiv geschrieben)

quibus tamen Interfuit et ita posuit ·
TERTIO EUANGELII LIBRUM SECAUNDO 1 LUCAN
Lucas Iste medicus post ascensum 2 xpi.
Cum eo Paulus quasi ut iuris studiosum.
Secundum adsumsisset numeni suo
ex opinione concribset 3 dnm tamen nec Ipse
duidit in carne et idm prout asequi potuit · 4
Ita et ad natiuitate Iohannis incipet dicere.
quarti euangeliorum Iohannis ex decipolis
cohortantibus condescipulis et eps suis
dixit conieiunate mihi· odie triduo et quid
cuique fuerit reuelatum alterutrum
nobis ennarremus eadem nocte reue
latum andreae ex apostolis ut recognis
centibus cuntis Iohannis suo nomine
cuncta discriberet et ideo licit uaria sin 5
culis euangeliorum libris principia
doceantur Nihil tamen differt creden
tium feidei 6 cum uno ac principali spu de
clarata sint in omnibus omnia de natiui
tate de passione de resurrectione
de conuersatione 7 cum decipulis suis
ac de gemino eius aduentu
Primo In humilitate dispectus quod fo 8
tu secundum potestate regali pre 9
clarum quod foturum est. quid ergo
mirum si Iohannes tam constanter
sincula etia In epistulis suis proferat
dicens In semeipsu Quae uidimus oculis
nostris et auribus audiuimus et manus
nostrae palpauerunt haec scripsimus vobis

Übersetzung erstes Blatt

(In den Fussnoten ist jeweils kursiv die Verbesserung des lateinischen Textes angegeben)

bei denen er doch dabei war und so hat er es dargestellt.
Drittens: das Evangelienbuch nach 10 Lukas.
Lukas ist dieser Arzt nach der Auffahrt Christi
als ihn 11 Paulus wie einen Rechtsstudenten 12
zu sich nahm und unter seinem Namen 13
schrieb er es der Reihe nach auf. 14 Doch den Herrn hat er selbst nicht
im Fleisch gesehen und deswegen, so wie er es erfassen 15 konnte,
begann er von der Geburt des Johannes an zu erzählen. 16
[DER AUTOR] DES VIERTEN BUCHES DER EVANGELIEN [IST] JOHANNES, [EINER] VON DEN JÜNGERN 17
Als ihn seine Mitjünger 18 und Bischöfe ermutigten
sagte er: fastet zusammen mit mir noch heute 19 an drei Tagen und was
jedem offenbart werden wird, wollen wir einander
erzählen. In derselben Nacht wurde
Andreas, [einem] von den Aposteln, offenbart, während über-
prüfen sollten alle, 20 sollte Johannes in seinem Namen
alles niederschreiben. 21 Und deswegen darf es sein 22, dass in den ein-
zelnen 23 Büchern der Evangelien verschiedene Ausgangspunkte 24
gelehrt werden. Doch das macht für den Glau-
ben der Gläubigen keinen Unterschied, da durch den einen und bestimmenden 25 Geist
alles in allen klar dargelegt wird: die Ge-
burt, die Passion, die Auferstehung,
den Umgang mit seinen Jüngern, 26
und seine zweifache Ankunft. 27
Die erste 28 wurde in Niedrigkeit erkannt, was [(bereits) geschehen ist], 29
in königlicher Macht die zweite, mäch-
tige, 30 die noch zukünftig 31 ist. 32 Was Wunder
also, wenn Johannes so immer wieder
einzelne Dinge 33 auch in seinen Briefen zur Sprache bringt,
indem er höchst persönlich 34 sagt: »Was wir mit unseren
Augen gesehen haben und mit [unseren] Ohren gehört haben und was unsere
Hände berührt haben, das haben wir euch geschrieben«. 35

2. Blatt

Canon Muratori Spalte 2 - auslegungssache.at
Canon Muratori Spalte 2 – auslegungssache.at

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Transkription zweites Blatt

Sic enim non solum uisurem sed & auditorem
sed et scriptore omnium mirabiliu dni per ordi
nem profetetur Acta aute omniu apostolorum
sub uno libro scribta sunt Lucas obtime theofi
le conprindit quia sub praesentia eius singula
gerebantur sicute 36 et semote passione Petri
euidenter declarat Sed & profectione pauli ad[b] 37 ur
bes 38 ad spania proficescentis Epistulæ autem
Pauli quae a quo loco uel qua ex causa directe
sint uolentatibus intellegere Ipse declarant,
Primu omnium corintheis scysmae heresis In
terdicens deInceps B callactis 39 circumcisione
Romanis aute ornidine 40 scripturarum sed et
principium earum osd 41 esse xpm Intimans
prolexius scripsit de quibus sincolis Neces
se est ad nobis desputari Cum ipse beatus
apostolus paulus sequens prodecessoris sui
lohannis ordine nonnisi cnomenati 42 . semptae
eccleseiis 43 scribat ordine tali a corenthios
prima . ad efesios seconda ad philippinses ter
tia ad colosensis quarta ad calatas quin
ta ad tensaolenecinsis sexta. ad romanos
septima Uerum core[i]ntlieis 44 et thesaolecen 45
sibus licet pro correbtione Iteretur una
tamen per omnem orbem terrae ecclesia
deffusa esse denoscitur Et lohannis eni In a
pocalebsy licet septe eccleseis scribat
tamen omnibus dicit ueru ad filemonem una‘
et at titu una et ad tymotheu duas pro affec
to et dilectione In honore tamen eclesiae ca
tholice In ordinatione eclesiastice

Übersetzung zweites Blatt

Denn so bekennt er sich nicht nur als Augen 46 – und Ohrenzeuge
sondern auch als Geschichtsschreiber aller Wundertaten des Herrn der Reihe
nach. 47 Aber die Taten aller Apostel 48
sind in einem Buch aufgeschrieben 49 worden. Lukas fasste für den »besten Theophi-
lus« 50 zusammen, 51 was in seiner Gegenwart im einzelnen
geschah, was er zum Beispiel durch das Auslassen 52 der Passion des Petrus
unverkennbar aufzeigt. 53 Aber auch [durch Auslassen] des Aufbruchs des Paulus, der sich von der
Stadt [Rom] nach Spanien auf den Weg machte. 54 Aber die Briefe
des Paulus – welche? von welchem Ort oder aus welchem Grund sie zugesendet worden 55
sind? – bekunden es selbst denen, die es begreifen wollen.
Als ersten von allen (schrieb er) an die Korinther, 56 die Spaltung der Häresie 57 ver-
bietend; daraufhin zweitens 58 an die Galater, 59 die Beschneidung 60 (untersagend).
Den Römern aber, indem er bekannt gab, dass das Ordnungsprinzip 61 der Schrift aber auch
ihr Ursprung/ihre Grundlage/ihr Leitprinzip Christus ist,
hat er ausführlicher 62 geschrieben. Über diese einzeln 63 zu diskutieren ist not-
wendig für uns, da der heilige
Apostel Paulus selbst, der Ordnung seines Vorgängers
Johannes folgend, lediglich sieben 64 namentlich genannten 65
Kirchen schreibt, in folgender Ordnung: an die Korinther
den ersten (Brief), 66 an die Epheser den zweiten, an die Philipper den drit-
ten, an die Kolosser den vierten, an die Galater den fünf-
ten, an die Thessalonicher den sechsten, an die Römer
den siebten. 67 Aber wenn auch an die Korinther und die Thessalo-
nicher 68 nochmals zur Zurechtweisung 69 (ein Brief geschrieben) wird, kann dennoch (nur) eine
Kirche erkannt werden, 70 die über den ganzen Erdkreis
ausgebreitet 71 ist. Denn auch wenn Johannes in der A-
pokalypse sieben Kirchen schreibt, 72
spricht er dennoch zu allen. 73 Jedoch einer an Philemon, 74
und einer an Titus und zwei an Timotheus, (geschrieben) aus Zunei-
gung 75 und Liebe, werden dennoch zur Ehre der ka-
tholischen Kirche für die Regelung der kirchlichen

3. Blatt

Canon Muratori Spalte 3 - auslegungssache.at
Canon Muratori Spalte 3 – auslegungssache.at

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Transkription drittes Blatt

de[i]scepline 76 scificate sunt Fertur etiam ad
Laudecenses alia ad alexandrinos Pauli no
mine fincte ad heresem 77 marcionis et alia plu
ra quae In chatholicam 78 eclesiam recepi non
potest Fel enim cum melle misceri non con
cruit epistola sane Iude et superscrictio
Iohannis duas In catholica habentur Et sapi
entia ab amicis salomonis in honore ipsius
scripta apocalapse etiam Iohanis et Pe
tri tantum recipe[i]mus 79 quam quidam ex nos
tris legi In eclesia nolunt Pastorem uero
nuperrim et 80 temporibus nostris In urbe
roma herma conscripsit sedente cathe
tra urbis romae aeclesiae Pio eps fratrer 81
eius et ideo legi eum quide Oportet se pu
plicare uero In eclesia populo Neque inter
profe*tas 82 conpletum numero Neque Inter
apostolos In fine temporum potest.
Arsinoi autem seu ualentini. uel mitiadieis 83
nihil In totum recipemus. Qui etiam nouu
psalmorum librum marcioni conscripse
runt una cum basilide assianum catafry
cum constitutorem 84
[Der nun folgende Text auf dem Blatt gehört nicht mehr zum muratorischen Fragment und wurde daher nicht mehr berücksichtigt.]

Übersetzung drittes Blatt

Disziplin heilig gehalten. 85 Es soll (einen Brief) an
die Laodizäer 86 geben und einen anderen an die Alexandriner, unter des Paulus Na-
men gefälscht 87 im Sinne der Häresie Marcions und mehr-
eres andere, das in der katholischen Kirche nicht aufgenommen werden
kann. Denn Galle mit Honig zu mischen pas-
st nicht zusammen. 88 Immerhin gilt ein Brief an Judas und zwei (Briefe), die überschrieben 89 sind
mit Johannes in der katholischen (Kirche). Und die Weis-
heit, die von den Freunden Salomos 90 zu seiner Ehre
geschrieben wurde. Wir nehmen auch nur die Offenbarungen 91 des Johannes und des Pe-
trus auf, welche einige von den un-
seren in der Kirche nicht lesen lassen wollen. 92 Den Hirten aber
hat neulich 93 und in unserer Zeit in der Stadt
Rom Hermas verfasst, während auf der Kathe-
dra der Kirche der Stadt Rom der Bischof Pius, sein Bruder
saß und daher soll er gelesen werden, allerdings kann er öffent-
lich jedoch in der Kirche dem Volk weder unter
den Propheten (deren Zahl abgeschlossen ist) 94 noch unter
den Aposteln bekannt gemacht werden bis zum Ende der Zeiten. 95
(Bücher) des Arsinous oder des Valentinus oder des Miltiades 96
nehmen wir überhaupt nicht auf. Sie haben auch ein neues
Buch der Psalmen für Marcion ver-
fasst, zusammen mit Basilides, 97 aus der Provinz Asia, der Kataphry-
ger Begründer.

Quelle für die Bilder, die Transkription und die weiteren Hinweise: der großartige Samuel Prideaux Tregelles.

Show 97 footnotes

  1. Statt secundo wurde ursprünglich versehentlich secando geschrieben, das a gestrichen und durch ein u ersetzt.
  2. Bei ascensum wurde das vergessene erste s nachgetragen.
  3. Bei concribset wurde zwar verbessert, aber nicht das eigentlich gemeinte conscripsit erreicht.
  4. Der erste Buchstabe der Zeile wurde gestrichen, das pro nachträglich in ein prout verwandelt.
  5. Zwei Worte wurden nachträglich um einen Buchstaben ergänzt: das cuncta und das discriberet.
  6. fidei wurde zuerst als fedei geschrieben.
  7. Bei conuersatione wurde zuerst das r vergessen
  8. Die letzte Silbe wurde gelöscht.
  9. Die erste Silbe wurde gelöscht, bei potestate ein s ergänzt.
  10. secundum
  11. cum eum
  12. Nimmt man als vorliegenden griechischen Ausdruck τοῦ δικαίου (τοῦ νόμου) ζηλωτὴν (wie in Apg 21,20) an, dann steht dem entgegen, dass sowohl die Vulgata als auch die Vetus Latina dort aemulator legis haben. Daher schließe ich mich Harnack an, der den Terminus iuris studiosus aus den Digesten ableitet und auf eine entsprechende Passage bei Irenäus verweist. (Ius ecclesiasticum. Eine Untersuchung über den Ursprung des Begriffs. In: Sitzungsberichte der königlich preussischen Akademie der Wissenschaften, Jahrgang 1903, erster Halbband, S. 213 f.)
  13. secum adsumpsisset et nomine suo
  14. ex ordine conscripsit. Ich sehe eine Anspielung auf Lk 1,3 Vulgata: ex ordine tibi scribere.
  15. assequi
  16. ita et a nativitate Iohannis incepit dicere
  17. auctor quarti euangeliorum Iohannis ex discipulis
  18. condiscipulis
  19. hodie
  20. cunctis Johannes
  21. describeret
  22. licet
  23. singulis
  24. Tregelles meint zu der Stelle: »The „varia principia“ taught in the respective Gospels seem to be the different points of Christian truth as to our Lord’s incarnation, passion, resurrection, intercourse with his disciples, and his two advents.« (S. 36)
  25. Ich vermute ἡγεμονικόν in der griechischen Vorlage; die Vetus Latina übersetzt καὶ πνεύματι ἡγεμονικῷ στήρισόν με aus Ps 50,14 LXX mit et spiritu principali confirma me.
  26. discipulis
  27. advento
  28. primum in Übereinstimmung mit den folgenden secundum und praeclarum
  29. Die Löschung am Ende der Zeile lässt vermuten, dass der Schreiber hier am Ende der Zeile nach dem quod ein fuit setzen wollte.
  30. praeclarum
  31. futurum
  32. Siehe Tertullian, Apologeticum 21,15: Duobus enim adventibus eius significatis, primo, qui iam expunctus est in humilitate conditionis humanae, secundo, qui concludendo saeculo imminet in sublimitate divinitatis exertae … »Denn durch zwei Ankünfte geschah seine Vorherverkündigung: die erste, die bereits in der Niedrigkeit der menschlichen Natur vollzogen wurde, die zweite, die beim Abschluss des Zeitalters in der Erhabenheit der Enthüllung der Göttlichkeit bevorsteht …«
  33. singula
  34. semetipso
  35. Ein nicht genaues Zitat aus 1 Joh 1,1+3
  36. Das e am Schluss des Wortes wurde gelöscht
  37. d gelöscht und durch ein b ersetzt
  38. s am Ende der Silbe gelöscht
  39. Das zweite c des Wortes wurde nachträglich eingefügt
  40. Aus ornidine wurde durch Löschung ordine gemacht
  41. gelöscht
  42. Aus comenati wurde nachträglich nomenati gemacht
  43. Aus eccleses wurde nachträglich ecclesiis gemacht
  44. Das e in dem Wort wurde in ein i umgewandelt
  45. Das h wurde nachträglich eingefügt
  46. uisorem
  47. sed et scriptorem omnium mirabilium domini per ordinem profitetur
  48. Acta autem omnium apostolorum
  49. scripta
  50. Lk 1,3
  51. comprendit
  52. semota
  53. Diese Tradition hat offensichtlich Hieronymus zu seiner Aussage über Lukas veranlasst: Evangelium sicut audierat, scripsit ; Acta vero Apostolorum sicut viderat, composuit. »Das Evangelium schrieb er nach dem, was er gehört hatte – aber die Apostelgeschichte verfasste er nach dem, was er gesehen hatte.« (De viris illustribus VII). H. dürfte sie wohl von Eusebius, Kirchengeschichte III,4, übernommen haben.
  54. proficiscentis
  55. directae
  56. corinthiis
  57. schisma haeresis – falls die Übersetzung von haeresis als »Häresie« nicht anachronistisch ist.
  58. Der hier einsam stehende Buchstaben B hat im Griechischen den Zahlenwert zwei, ein weiteres Indiz dafür, dass der Text aus einer griechischen Vorlage übersetzt worden sein muss.
  59. galatis
  60. circumcisionem
  61. ordinem
  62. prolixius
  63. singulis
  64. septem
  65. nominati
  66. Ergänze jeweils epistula
  67. Also: ad corinthiis, ephesios, philippenses, colossenses, galatas, thessalonicenses. Der einzige dem Schreiber wirklich geläufige Namen dürfte der der Stadt Rom gewesen sein.
  68. verum corinthiis et thessalonicensibus
  69. correctione
  70. dignoscitur
  71. diffusa
  72. et Johannes enim in apocalypsi licet septem ecclesiis scribat
  73. Diese sehr alte Tradition von den sieben Kirchen (Sieben als Zahl der Vollkommenheit) findet sich auch bei Cyprian von Karthago: Et Apostolus Paulus, qui hujus legitimi numeri et certi meminit, ad septem ecclesias scribit. Et in Apocalypsi (I, 19-21) Dominus mandata sua divina et præcepta cœlestia ad Septem Ecclesias et earum angelos dirigit. (De Exhortatione Martyrii XI, MPL IV, 668) »Und der Apostel Paulus, der dieser gesetzmäßigen und zuverlässigen Zahl gedenkt, schreibt an sieben Kirchen. Und in der Offenbarung (Offb 1,19-20!) richtet der Herr seine göttlichen Aufträge und himmlischen Befehle an sieben Kirchen und ihre Engel.«
  74. verum ad Philemonem una
  75. pro affectu
  76. Das e wurde gelöscht und durch ein i ersetzt
  77. Mittlere Silbe re nachträglich hinzugefügt
  78. Das h wurde gelöscht
  79. Das e wurde gelöscht und durch ein i ersetzt
  80. Das t wurde gelöscht
  81. Auch frater wurde durch Streichung und Ergänzung fratre gemacht
  82. Der Asteriscus * zeigt an, dass an dieser Stelle ein Buchstabe gelöscht wurde
  83. Aus mitiadeis wurde mitiadis gemacht
  84. Das s wurde nachträglich eingefügt
  85. in honore tamen ecclesiae catholicae in ordinatione ecclesiasticae disciplinae sanctificatae sunt
  86. laodicenses
  87. finctae
  88. non congruit
  89. superscripti
  90. Die »Freunde Salomos« scheinen auf einem Missverständnis zu beruhen. Hieronymus schreibt in seinem Vorwort zu den Salomonischen Büchern: Liber sapientiæ apud Hebræos nusquam est, quin et ipse stylus Græcam eloquentiam redolet, et nonnulli scriptorum veterum hunc esse Philonis Judaei affirmant. (zitiert nach de Wette, Lehrbuch S. 447) »Das Buch der Weisheit gibt es bei den Hebräern nirgends, ja vielmehr verbreitet die Schreibart selbst den Geruch griechischer Beredsamkeit und einige der alten Schriften behaupten, dass es von dem Juden Philo stammt.« Vermutlich hat der Schreiber des Textes Φίλωνος (phílōnos = Philo) mit Φίλων (phílōn = Freunde) verwechselt. Gemeint war also in der Vorlage die »Weisheit Salomos«, geschrieben von Philo von Alexandrien.
  91. apocalypses
  92. Zur Petrus Apokalypse vergl. Eusebius, HE VI,14
  93. nuperrime
  94. prophetas completo numero
  95. Origenes identifiziert in seinem Kommentar zum Römerbrief den Verfasser des Hirten mit dem in der Grußliste Röm 16,14 genannten Hermas. Er schreibt dazu (in der Übersetzung Rufins): Puto tamen, quod Hermas iste sit scriptor libelli illius, qui »Pastor« appelatur, quae scriptura valde mihi utilis videtur et ut puto divinitus inspirata. (MPG XIV 1282) »Ich meine dennoch, dass dieser Hermas der Verfasser jenes Büchleins ist, das „Der Hirte“ heißt. Dieses Schreiben scheint mir sehr nützlich zu sein und ich meine, dass es göttlich inspiriert ist.« Mit anderen Worten: für Origenes ist der »Hirte des Hermas« kanonisch.
  96. miltiadis
  97. asianum cataphrygum constitutorem (?)

Rembrandt und der Talmud

Der große Rembrandt Harmenszoon van Rijn hat viele biblische Motive gemalt. Eines davon beschäftigt mich schon des längeren, nämlich Beschazzars Festmahl und das berühmte Menetekel an der Wand (Dan 5,25). „Rembrandt und der Talmud“ weiterlesen

Untersuchungen – Kapitel 13

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(Vers. 4.) «Et ascendit Abram ex Aegypto ipse et uxor eius, et omnia quae illius erant: et Lot cum eo in desertum. Erat autem Abram dives valde in pecore, et argento, et auro: et abiit unde venit in desertum usque Bethel.» Pulchre de Aegypto liberatus ascendisse dicitur. Sed occurrit huic sensui illud, quod sequitur: quomodo potuerit exiens de Aegypto fuisse dives valde? Quod solvitur illa Hebraica veritate, in qua scribitur: Abram gravis vehementer, hoc est, βαρύς σφόδρα: Aegypti enim pondere gravabatur. Et licet videantur esse divitiae pecoris, auri, et argenti, tamen si Aegyptiae sunt, viro sancto graves sunt. Denique, non ut in Septuaginta legimus, «Abiit unde venerat in desertum usque Bethel»; sed sicut in Hebraeo scriptum est: «Abiit itinere suo per Austrum usque Bethel». Idcirco profectus de Aegypto est, ut non desertum ingrederetur, quod cum Aegypto reliquerat: sed ut per Austrum, qui Aquiloni contrarius est, veniret ad domum Dei, ubi fuerat tabernaculum eius in medio Bethel et Ai.

(Gen 13,4): »Und Abram stieg aus Ägypten hinauf mit Allem, was ihm gehörte; er und seine Frau zogen hinauf: und Lot zog mit ihm in die Wüste . Abraham war sehr reich: er besaß viele Schafe und (auch ) Silber und Gold. Und er zog in die Wüste, bis nach Bethel, woher er gekommen war.« Glücklich aus Ägypten befreit, sei er – wie man sagt – hinaufgezogen. Aber das Folgende steht in Widerspruch zu dieser Bemerkung: Wie konnte er bei seinem Auszug aus Ägypten reich gewesen sein? Das (diese Frage) lässt sich durch den hebräischen Urtext lösen, in dem geschrieben steht: Abraham war ungemein belastet, das heißt (auf griechisch) varýs sfódra: Denn er fühlte sich von der Last/Gewicht Ägyptens belastet. 1 Es mag auch den Anschein haben, dass Reichtum an Vieh, an Gold und Silber, insofern es aus Ägypten kommt, für den heiligen Mann eine schwere Bürde ist. Daher lesen wir nicht wie bei den Siebzig: »Er ging, woher er gekommen war, in die Wüste nach Bethel«, sondern so, wie es im Hebräischen geschrieben steht: »Er zog auf seinem Weg durch den Süden bis Bethel.« Deshalb brach er von Ägypten auf, sodass er die Wüste nicht betreten musste, die er zugleich mit Ägypten verlassen hatte (oder: die er ebenso wie Ägypten verlassen hatte). (Er tat dies), damit er durch den Süden, der dem Norden entgegengesetzt ist, zum Haus Gottes komme, wo dessen Zelt in der Mitte zwischen Bethel und Ai gewesen war.

Vers. 13.) «Et viri Sodomorum mali et peccatores in conspectu Dei vehementer.» Superflue hic in Septuaginta Interpretibus additum est, in conspectu Dei, siquidem Sodomorum coloni apud homines [Al. omnes], mali et peccatores erant. Ille autem dicitur in conspectu Dei peccator, qui potest apud homines iustus videri, quomodo de Zacharia et Elizabeth in praeconio ponitur, quod fuerint iusti ambo in conspectu Dei (Luc. I, 6). Et in Psalterio dicitur: Non iustificabitur in conspectu tuo omnis vivens (Ps. CXLII, 2).

(Gen 13,13): »Und die Männer von Sodoma waren ungemein böse und Sünder vor den Augen Gottes«. Überflüssigerweise wurde (an dieser Stelle) von den Siebzig hinzugefügt : vor den Augen Gottes. Es galten jedoch die Bewohner Sodoms bereits in den Augen der (aller) Menschen als böse und als Sünder. Wer aber vor den Augen Gottes Sünder genannt wird, der kann bei den Menschen als ein Gerechter gesehen werden, wie von Zacharias und Maria festgehalten wird, dass sie beide vor den Augen Gottes gerecht waren (Lk 1,6). Und im Psalter heißt es: Vor deinen Augen handelt kein Lebender gerecht. (Ps 143,2 LXX).

(Vers. 14 et 15.) «Leva oculos tuos, et vide a loco, in quo tu nunc es ad Aquilonem, et ad austrum, et ad orientem, et ad mare: quia omnem terram, quam tu vides, tibi dabo eam et semini tuo.» Quatuor climata mundi posuit, orientem et occidentem, septentrionem et meridianum. Quod autem in omnibus Scripturis legitur, hic semel dixisse sufficiat, mare semper pro occidente poni: ab eo quod Palaestinae regio ita sita sit, ut mare in occidentis plaga habeat.

(Gen 13,14-15): »Erhebe deine Augen und blicke von dem Ort, an dem du nun bist, nach Norden, nach Süden, nach Osten und zum Meer: Denn das ganze Land, das du siehst – dir und deinem Samen werde ich es geben«. Vier Weltgegenden setzte er: Osten und Westen, Norden und Süden. Es soll aber reichen, hier einmal zu sagen, was in allen Schriften gelesen wird: das Meer wird immer als Westen bezeichnet (mit Meer ist immer der Westen gemeint), weil das Gebiet Palästinas sich so erstreckt, dass das Meer in westlicher Himmelsrichtung liegt.

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  1. MBR kennt auch eine Verbindung zu Ägypten, die durch eine Parallele mit dem Exodus-Psalm 105 gewonnen wird: »Und Abram war sehr schwer/gewichtig an Vieh, an Silber und an Gold. (Gen 13,2) Dies ist es, das geschrieben ist: Und er führte sie heraus mit Silber und Gold, und nicht gab es einen von seinen Stämmen, der strauchelte. (Ps 105, 37)« (MBR XLI MÜ)

Untersuchungen – Kapitel 12

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(Vers. 4.) «Erant autem Abram septuaginta quinque annorum, quando egressus est ex Charra.» Indissolubilis nascitur quaestio: si enim Thara pater Abrahae, cum adhuc esset in regione Chaldaea, septuaginta annorum, genuit Abram, et postea in Charra ducentesimo quinto aetatis suae anno mortuus est: quomodo nunc post mortem Thare, Abram exiens de Charra, septuaginta quinque annorum fuisse memoratur: cum a nativitate Abrae usque ad mortem patris eius, centum triginta quinque fuisse anni doceantur. Vera est igitur illa Hebraeorum traditio, quam supra diximus, quod egressus sit Thara cum filiis suis de igne Chaldaeorum: et quod Abram Babylonio vallatus incendio, quia illud adorare nolebat, Dei sit auxilio liberatus; et ex illo tempore ei dies vitae, et tempus reputetur aetatis, ex quo confessus est Dominum, spernens idola Chaldaeorum. Potest autem fieri, ut quia Scriptura reliquit incertum, ante paucos annos Thara de Chaldaea profectus, venerit in Charran, quam mortem obierit. Vel certe statim post persecutionem in Charran venerit, et ibi diutius sit moratus. Si quis ergo huic expositioni contrarius est, quaeret aliam solutionem: et tunc recte ea, quae a nobis dicta sunt, improbabit.

(Gen 12,4): »Abram war aber fünfundsiebzig Jahre alt, als er aus Charra auszog.« Es ergibt sich eine unlösbare Frage: Wenn nämlich Thara, der Vater Abrahams, während er bis dahin im Gebiet der Chaldäer war, mit siebzig Jahren Abram zeugte, 1 und später in Charra im zweihundertundfünften Jahr seines Lebensalters starb: 2 Wie kann dann berichtet werden, dass Abram, als er nach dem Tod Tharas von Charra wegzog, fünfundsiebzig Jahre gewesen sei, während doch gelehrt wird, dass es von der Geburt Abrams bis zum Tod seines Vaters hundertfünfundreissig Jahre gewesen seien? 3 Wahr ist also die alte Tradition der Hebräer, die wir oben erwähnt haben, dass Thara mit seinen Söhnen aus dem Feuer der Chaldäer entkommen sei; und dass Abram das Feuer nicht anbeten wollte und dass er deshalb vom babylonischen Feuer wie von einem Wall umgeben war; doch durch die Hilfe Gottes wurde er befreit; und seit dieser Zeit sollen sie ihm die Tage seines Lebens und damit sein Lebensalter errechnen, von dem an er sich zum Herrn bekannte, indem der die Götzenbilder der Chaldäer verschmähte. Es kann auch sein, dass Thara – weil die Schrift Ungewisses stehen ließ – wenige Jahre, bevor er sich von den Chaldäern aufmachte, nach Charran kam, wo er starb. Oder er kam in der Tat sofort nach der Verfolgung nach Charran, wo er sich länger aufhielt. Wenn einer ein Gegner dieser Erklärung ist, wird er eine andere Lösung suchen: Und er wird dann mit Recht unsere Lösung verwerfen.

(Vers. 9.) «Et proficiscens Abram, abiit in desertum: et fames facta est super terram.» Et in praesenti et in plurimis aliis locis, pro deserto, ad Austrum, scriptum est in Hebraeo. Hoc igitur notare debemus.

(Gen 12,9): »Und Abram brach auf und zog in die Wüste: Und eine Hungersnot entstand auf der Erde.« An der vorliegenden Stelle und an vielen anderen steht im Hebräischen für Wüste nach Süden. 4 Das müssen wir aber anmerken.

(Vers. 15 et 16.) «Et viderunt eam principes Pharaonis, et laudaverunt eam apud Pharaonem, et introduxerunt eam in domum Pharaonis: et Abram benefecit propter eam: et fuerunt ei oves, et armenta, et asini, et servi, et ancillae, muli et cameli.» Licet corpus sanctarum mulierum non vis maculet, sed voluntas: et excusari possit Sarai, quod famis tempore sola regis in peregrinis locis, marito connivente, resistere nequiverit; tamen potest et aliter foeda necessitas excusari: quod iuxta librum Esther quaecumque mulierum placuisset regi apud veteres sex mensibus ungebatur oleo myrtino, et sex mensibus in pigmentis variis erat, et curationibus feminarum, et tunc demum ingrediebatur ad regem (Esther II, 12, 13). Atque ita potest fieri, ut Sarai postquam placuerat regi, dum per annum eius ad regem praepararetur introitus, et Abrahae Pharao multa donaverit, et Pharao postea sit percussus a Domino, illa adhuc intacta ab eius concubitu permanente.

(Gen 12,15 und 16) »Und es sahen sie die Vornehmen des Pharao, und sie lobten sie vor dem Pharao und führten sie in das Haus des Pharao: und Abram wurden ihretwegen Wohltaten erwiesen, und er erhielt Schafe, Herdenvieh, Esel, Knechte, Mägde, Maultiere und Kamele.« Nicht Gewalt vermag den Körper frommer Frauen zu besudeln, sondern der Wille/die Absicht: und Sarai könnte man entschuldigen, dass sie zur Zeit der Hungersnot, während ihr Mann die Augen schloss, allein an den fremden Orten des Königs nicht widerstehen konnte. Doch kann man auch eine andere schmähliche Notsituation entschuldigen: Nach dem Buch Esther: welche der Frauen auch immer dem König gefiel (bei den alten Schreibern steht), »dass sie sechs Monate lang mit Myrtenöl gesalbt wurde und sechs Monate lang mit verschiedenen Schönheits- und Pflegemitteln für Frauen verbrachte, und dann endlich zum König hineinschritt (Est 2,12-13). Und so konnte es geschehen, dass Sarai, da sie dem König gefallen hatte, während einem Jahr auf ihren Eintritt zum König vorbereitet wurde, während der Pharao dem Abraham vieles schenkte und danach aber vom Herrn geschlagen worden war, blieb sie unversehrt von seinem Beilager.

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  1. »Terach war siebzig Jahre alt, da zeugte er Abram, Nahor und Haran«. (Gen 11,26 EÜ)
  2. »Die Lebenszeit Terachs betrug zweihundertfünf Jahre, dann starb Terach in Haran« (Gen 11,32 EÜ)
  3. Dieses Alter errechnet Hieronymus, indem er die Jahresangabe von Gen 11,26 von der in Gen 11,32 abzieht: 205 Jahre – 75 Jahre = 135 Jahre.
  4. נֶגְבָּה heißt Wüste bzw. Süden; davon stammt die heute bekannte Bezeichnung »Negev« für die Wüste im Süden Israels.

Untersuchungen – Kapitel 11

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(Vers. 28.) «Et mortuus est Aran ante patrem suum in terra, qua natus est in regione Chaldaeorum.» Pro eo, quod legimus, in regione Chaldaeorum, in Hebraeo habetur, in UR CHESDIM (באור כשּזום), id est in igne Chaldaeorum. Tradunt autem Hebraei ex hac occasione, istiusmodi fabulam: Quod Abraham in ignem missus sit, quia ignem adorare noluerit, quem Chaldaei colunt, et Dei auxilio liberatus, de idololatriae igne profugerit: quod in sequentibus scribitur, egressum esse Tharam cum sobole sua de regione Chaldaeorum: pro quo in Hebraeo habetur, de incendio Chaldaeorum. Et hoc esse quod nunc dicitur: «Mortuus est Aran ante conspectum Thare patris sui in terra nativitatis suae, in igne Chaldaeorum;» quod videlicet ignem nolens adorare, igne consumptus sit. Loquitur autem postea Dominus ad Abraham: Ego sum qui eduxi te de igne Chaldaeorum. (Gen XV,7)

(Gen 11,28): »Und Aran starb vor seinem Vater in dem Land, in dem er geboren worden war, im Gebiet der Chaldäer.« Für das, was wir als im Gebiet der Chaldäer lesen, steht im Hebräischen in Ur Kasɘddim, 1 das heißt im Feuer der Chaldäer. 2 Von diesem Vorfall aber überliefern die Hebräer folgende Fabel: Abraham sei in das Feuer geworfen worden, weil er das Feuer nicht anbeten wollte, das die Chaldäer verehren, und sei – mit Gottes Hilfe befreit – vor dem Feuer des Götzendienstes geflohen. Im Folgenden steht geschrieben, dass Thara mit seiner Nachkommenschaft das Gebiet der Chaldäer verlassen habe, wofür im Hebräischen vom Feuerbrand der Chaldäer steht. Und das bedeute das, was nun gesagt wird: »Aran starb vor dem Angesicht seines Vaters Thara 3 im Land seiner Geburt, im Feuer der Chaldäer«, weil er offensichtlich – als er das Feuer nicht anbeten wollte – vom Feuer verzehrt worden sei. Auch spricht der Herr später zu Abraham: Ich bin es, der dich aus dem Feuer der Chaldäer herausgezogen hat (Gen 15,7). 4

(Vers. 29.) «Et sumpserunt Abram et Nachor sibi uxores. Nomen uxoris Abram, Sarai: et nomen uxoris Nachor, Melcha filia Aran. Pater autem Melchae, ipse est pater Iescae.» Aran filius Thare, frater Abraham et Nachor, duas filias genuit, Melcham, et Sarai cognomento Iescan, δυώνυμον. E quibus Melcham accepit uxorem Nachor, et Sarai Abraham: necdum quippe inter patruos, et fratrum filias nuptiae fuerant lege prohibitae, quae in primis hominibus, etiam inter fratres et sorores initae sunt.

(Gen 11,29): »Und Abram und Nachor nahmen sich Frauen. Der Name der Frau Abrams war Sarai; und der Name der Frau Nachors war Melcha, eine Tochter Arans. Aber der Vater Melchas ist auch der Vater Iescas«. 5 Aran, der Sohn Tharas, der Bruder Abrahams und Nachors, zeugte zwei Töchter: Melcha und Sarai mit dem Beinamen Iescan, ein Duonym. 6 Von den beiden nahm Nachor die Melcha zur Frau und Abram die Sara. Allerdings waren durch das Gesetz Ehen zwischen Onkeln und den Töchtern der Brüder noch nicht verboten, die bei den ersten Menschen auch zwischen Brüdern und Schwestern geschlossen wurden. 7

Fortsetzung

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  1. Die Hieronymus vorliegende Hexapla vokalisiert den Namen anders, als der MT, der כַּשְׂדִּֽים bietet.
  2. אוּר wird in der hebräischen Bibel auch im Sinn von Feuer verwendet; vgl. Jes 31,9; 44,16; 47,14; Ez 5,2
  3. In der EÜ lauten die Namen Haran und Terach.
  4. Diese fabula ist in der jüdischen Tradition breit bezeugt, hier die Fassung des MBR: Im Zuge einer langen Erzählung, in der Abraham zuerst die Götzenbilder seines Vaters zerschlägt, wird er vor Nimrod gebracht. »Wenn du mich nur mit Worten abfertigst, sprach endlich Nimrod, (so wisse) ich bete nur das Feuer an. Ich werde dich ins Feuer werfen und es mag dich der Gott, den du anbetest, aus ihm erretten. Haran stand dabei und war noch voller Zweifel. Er sprach bei sich: Siegt Abraham, so spreche ich, ich bin von Abraham (d.i. ich bin seiner Meinung), siegt Nimrod, so spreche ich: Ich bin von Nimrod. Als hierauf Abraham in den Glutofen hinabstieg, um von den Flammen verzehrt zu werden, aber gerettet wurde, fragte man den Therach: Wem schliesst du dich nun an? Er antwortete: dem Abraham. Da nahm man ihn und warf ihn ins Feuer und er starb vor dem Angesicht seines Vaters. Das ist nun der Sinn der Worte: Und Haran ging heraus und starb vor dem Angesicht seines Vaters Therach.« (MBR XXXVIII, Ü: August Wünsche). Dass Abrahams Vorfahren Götzenanbeter waren, entnahm man Jos 24,2: »Josua sagte zum ganzen Volk: So spricht der Herr, der Gott Israels: Jenseits des Stroms wohnten eure Väter von Urzeiten an (Terach, der Vater Abrahams und der Vater Nahors) und dienten anderen Göttern.« (EÜ) Noch älter als MBR ist die aramäische Erzählung im Danielbuch, die das Motiv der Feuerprobe eindeutig aufnimmt (Dan 3 – die drei Jünglinge im Feuerofen). Pirke de Rabbi Eliezer kennt diese Tradition als die Zweite von den zehn Prüfungen Abrahams (PRE XXVI), der Koran kennt die gesamte Tradition, das Feuer wird in 37,95-96 zitiert. Augustinus ist diese Erzählung vom Feuer ebenfalls bekannt (De Civ XVI,15)
  5. So werden die Namen in der EÜ wiedergegeben: Nahor, Milka und Jiska.
  6. In diesem Sinn verwendet Hieronymus das für mich nicht herleitbare Wort δυώνυμον auch in seinem Jesaja Kommentar: »Jerusalem et Sion esse δυώνυμον saepe docui« – »dass Jerusalem und Sion ein Duonym sind, habe ich häufig gelehrt«. (Commentariorum in Isaiam Prophetam libri duodeviginti; Liber decimus quartus, Auslegung zu Jes 50,17)
  7. Diese Geschwisterehen mussten die antiken Ausleger als zwingend voraussetzen, um die Abstammung des Menschengeschlechtes aus einem Menschenpaar, nämlich Adam und Eva, erklären zu können. Bei den Rabbinen klingt das so: »Und sie fuhr fort zu gebären seinen Bruder Hebel (Gen 4,2): Das ist ein Beweis für die Ansicht des Rabbi Josua ben Karcha, nach welcher zwei ins Bett stiegen und sieben herauskamen. Sie fuhr fort zu gebären d.h. nämlich: das Gebären ging fort, aber nicht das Schwangerwerden« (MBR XXII,3 zu Gen 4,2; Ü: August Wünsche); also Adam und Eva zeugten neben Kain und Abel noch weitere Kinder – eben ihre namentlich nicht genannten Schwestern, mit denen sie ihrerseits – im Sinne des Hieronymus – Kinder zeugten.

Aus pMeg 1:9

דף י,א פרק א הלכה ט משנה אין בין ספרים לתפילין ומזוזות אלא שהספרים נכתבין בכל לשון ותפילין ומזוזות אינן נכתבות אלא אשורית רבן שמעון בן גמליאל אומר אף בספרים לא התירו שיכתבו אלא יונית

Mischna (mMeg 1:8): Es ist kein (Unterschied) zwischen Büchern (des Tanak) und Teffilin 1 und Mezuzot, 2 , außer dass die Bücher geschrieben werden können in jeder Sprache; und Teffilin und Mezuzot: Sie können nicht geschrieben werden außer Assyrisch. 3 „Aus pMeg 1:9“ weiterlesen

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  1. Gebetsriemen, die in Kapseln Tora Abschnitte auf Pergamentstreifen enthalten.
  2. Kapseln auf den Türpfosten mit Tora Abschnitten auf Pergamentstreifen.
  3. Gemeint ist laut Jastrow die hebräische Quadratschrift im Unterschied zur althebräischen Schrift.