Die Legenden um die Entstehung der Septuaginta I

Das älteste Zeugnis über die Entstehung der Septuaginta ist der „Brief“ des Pseudo-Aristeas an Philokrates, in dem die Legende in ihrer ursprünglichen Gestalt erscheint. Das Alter des Berichtes, zu dessen Charakterisierung sein Autor denselben Begriff verwendete wie der Evangelist Lukas im Vorwort seines Evangeliums – διήγησις (Erzählung, Bericht) – ist nicht genau datierbar. Dazu ein paar Einschätzungen: „Die Legenden um die Entstehung der Septuaginta I“ weiterlesen

Untersuchungen – Kapitel 23

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(Cap. XXIII – Vers. 2) «Et mortua est Sara in civitate Arboc, quae est in valle: haec est Chebron, in terra Chanaan.» Hoc quod hic positum est, quae est in valle, in authenticis codicibus non habetur. Nomen quoque civitatis Arboc paulatim a scribentibus legentibusque corruptum est. Neque enim putandum, Septuaginta Interpretes nomen civitatis Hebraeae, barbare atque corrupte, et aliter quam in suo dicitur, transtulisse. Arboc enim nihil omnino significat. Sed dicitur ARBEE (ארבע), hoc est, quatuor, quia ibi Abraham, et Isaac, et Iacob conditus est: et ipse princeps humani generis Adam, ut in Iesu libro apertius demonstrabitur.

(Gen 23,2): »Und Sara starb in der Stadt Arbok, die im Tal liegt: das ist Hebron, im Land Kanaan.« Das, was hier als die im Tal liegt angegeben ist, steht nicht in den ursprünglichen Handschriften. Auch der Namen der Stadt Arbok ist nach und nach von den Schreibern und Lesern verdorben worden. Denn man soll nicht glauben, dass die Siebzig Übersetzer den Namen der hebräischen Stadt barbarisch und verdorben und auf andere Weise, als er an sich heißt, übersetzt haben. Denn Arboc hat überhaupt keine Bedeutung. Sondern sie heißt Arba, das bedeutet vier, weil dort Abraham, Isaak und Jakob bestattet sind. Und selbst Adam, der erste des Menschengeschlechts, wie im Buch Josua deutlicher gezeigt werden wird.

(Vers. 6.) «Audi nos, Domine, rex a Deo tu es nobis, in electo sepulcro nostro sepeli mortuum tuum.» Pro rege principem habet in Hebraeo, sive ducem. NASI (נשׂיא) quippe non rex, sed dux dicitur.

(Gen 23,6): »Höre uns, Herr! Du bist für uns ein König von Gott her, begrabe deinen Leichnam in unserer ausgesuchten Grabstätte.« Statt König steht im Hebräischen Prinz oder Fürst, allerdings bedeutet nasi nicht König, sondern Fürst.

(Vers. 16.) «Et audivit Abraham Ephron, et appendit Abraham Ephron argentum, quod locutus est in auribus filiorum Heth.» In Hebraeo sicut hic posuimus, primum nomen eius scribitur EPHRON, secundum EPHRAN. Postquam enim pretio victus est, ut sepulcrum venderet argento, licet cogente Abraham, vau littera, quae apud illos pro o legitur, ablata de eius nomine est: et pro EPHRON appellatus est EPHRAN, significante Scriptura, non eum fuisse consummatae perfectaeque virtutis, qui potuerit memorias vendere mortuorum. Sciant igitur, qui sepulcra venditant, et non coguntur, ut accipiant pretium, sed a nolentibus quoque extorquent, immutari nomen suum, et perire quid de merito eorum, cum etiam ille reprehendatur occulte, qui invitus acceperit.

(Gen 23,6): »Und Abraham hörte Efron und er wog Efron den Geldbetrag ab, den er in die Ohren der Söhne Hets gesprochen hatte.« Im Hebräischen, so wie wir es hier dargestellt haben, wird sein Name zuerst Efron geschrieben, gleich danach Efran. Denn nachdem er durch den Preis umgestimmt worden war, das Grab um einen Geldbetrag zu verkaufen – mag Abraham ihn dazu gezwungen haben – wurde der Buchstabe wav, der bei ihnen als o gelesen wird, von seinem Namen entfernt: 1 und statt Efron wird er Efran genannt. Dadurch deutet die Schrift an, dass er nicht völlig und vollkommen tugendhaft war, da er ja im Stande war, die Gräber der Toten zu verkaufen. Daher sollen die, die Gräber verkaufen und nicht (dazu) gezwungen sind, wissen, dass sie den Preis annehmen sollen, dass jedoch ihr Name verändert wird und etwas von ihrem Verdienst verloren geht, wenn sie (den Preis) ebenfalls von den Unwilligen erpressen; weil auch der (Efron) heimlich dafür kritisiert wird, der gegen seinen Willen (das Geld) angenommen hat.

Show 1 footnote

  1. Efron wird im MT in Gen 23,16 einmal plene – mit wav, und direkt anschließend ohne wav geschrieben.

Rabbi Chija und Rabbi Janai diskutieren, Hieronymus hört zu

Eine spezielle Frage zur Erzählung von der Bindung Isaaks ist die Bedeutung des Ausdrucks Morija – also des Ortes, an den Abraham mit einem seiner Söhne geschickt wurde. Hier ein kurzer Blick in die Diskussion: „Rabbi Chija und Rabbi Janai diskutieren, Hieronymus hört zu“ weiterlesen

Untersuchungen – Kapitel 22

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(Cap. XII, Vers. 2.) «Et dixit ei Deus: Tolle filium tuum unigenitum, quem diligis, Isaac, et vade in terram excelsam, et offer illum ibi in holocaustum super unum de montibus quem ego dicam tibi». Difficile est idioma linguae Hebraeae in Latinum sermonem vertere. Ubi nunc dicitur, vade in terram excelsam, in Hebraeo habet, MORIA (מריה), quod Aquila transtulit τὴν καταφανῆ, hoc est, lucidam: Symmachus, τῆς ὀπτασίας, hoc est, visionis. Aiunt ergo Hebraei hunc montem esse in quo postea templum conditum est in area Ornae Iebusaei, sicut et in Paralipomenis scriptum est: Et coeperunt aedificare templum in mense secundo, in secunda die mensis, in monte Moria (II Paralip. III, 1). Qui idcirco illuminans interpretatur et lucens, quia ibi est DABIR (דביר), hoc est, oraculum Dei: et Lex et Spiritus sanctus, qui docet homines veritatem, et inspirat prophetias.

(Gen 22,2) »Und Gott sagte ihm: Nimm deinen einziggezeugten Sohn, den du liebst, Isaak, und ziehe in das hohe Land und opfere ihn dort zum Ganzfeueropfer auf einem der Berge, den ich dir nennen werde.« Es ist schwierig, die Eigenart der hebräischen Sprache in die lateinische Redeweise zu übertragen. Wo es jetzt heißt, ziehe in das hohe Land, steht im Hebräischen morijah, was Aquila als tḕn katafanē – das bedeutet das leuchtende (Land) übersetzt. Symmachus (hat) tḕs optasías, das heißt (Land) der Vision. Daher sagen die Hebräer, dass dies der Berg ist, auf dem später der Tempel auf der Tenne des Jebusiters Arauna 1 errichtet wurde, wie in den Chronikbüchern geschrieben steht: Und sie begannen im zweiten Monat, am zweiten Tag des Monats, den Tempel auf dem Berg Moria zu bauen. (2 Chr 3,12) 2 Deswegen wird es (das Wort Moria) als erhellend und leuchtend ausgelegt, weil dort das debir 3 ist, das bedeutet die Orakelstätte Gottes: und das Gesetz und der Heilige Geist, der die Menschen die Wahrheit lehrt, und der die Propheten inspiriert.

(Vers. 3,4) «Et abiit in locum, quem dixit ei Deus, in die tertia». Notandum quod de Geraris usque ad montem Moria, id est, sedem templi, iter dierum trium sit, et consequenter illuc die tertio pervenisse dicatur. Male igitur sentiunt quidam, Abraham illo tempore ad quercum habitasse Mambre: cum inde usque ad montem Moria, vix unius diei iter plenum sit.

(Gen 22,3-4) »Und er ging fort an den Ort, den Gott ihm genannt hatte, am dritten Tag.« Es ist anzumerken, dass es von Gerar bis zum Berg Moria, das heißt, dem Sitz des Tempels, ein drei-Tages-Weg ist. Folgerichtig kann man sagen, dass er am dritten Tag dorthin gelangte. Manche also denken schlecht, (wenn sie sagen) dass Abraham zu dieser Zeit bei der Eiche von Mamre gewohnt habe: denn von da ist es kaum ein voller Tagesweg bis zum Berg Moria.

(Vers. 13) «Et elevavit Abraham oculos suos: et ecce aries post tergum eius tenebatur in virgulto Sabech cornibus suis». Ridiculam rem in hoc loco Emisenus Eusebius est locutus: Sabech, inquiens, dicitur hircus, qui rectis cornibus et ad carpendas arboris frondes sublimis attollitur. Rursum Aquila συχνεῶνα interpretatus est, quem nos veprem possumus dicere, vel spinetum: et ut verbi vim interpretemur, condensa et inter se implexa virgulta. Unde et Symmachus in eamdem ductus opinionem, Et apparuit, ait, aries post hoc retentus in rete cornibus suis. Verum quibusdam, in hoc dumtaxat loco, melius videntur interpretati esse Septuaginta et Theodotio, qui ipsum nomen SABECH (סבך) posuerunt, dicentes: In virgulto sabech cornibus suis. Etenim σύχνεων, sive rete, quod Aquila posuit et Symmachus, per SIN (ש) litteram scribitur: hic vero SAMECH (ס) littera posita est: ex quo manifestum est non interpretationem stirpium condensarum, et in modum retis inter se virgulta contexta verbum Sabech, sed nomen sonare virgulti, quod ita Hebraice dicitur. Ego vero diligenter inquirens, συχνεῶνα per SAMECH (ס) litteram scribi crebro reperi.

(Gen 22,13): »Und Abraham erhob seine Augen: und siehe, hinter seinem Rücken war ein Widder, der mit seinen Hörner im Strauch Sabek festgehalten wurde.« Eusebius von Emesa hat etwas Lächerliches zu dieser Stelle gesagt: Sabech, sprach er, wird der Ziegenbock genannt, der sich mit geraden Hörnern und zum Pflücken des Laubwerkes hoch aufrichtet. Aquila wiederum hat sychneōna 4 übersetzt, was wir einen Dornbusch oder eine Dornenhecke nennen können: und damit wir die Kraft des Wortes erklären, ein dichtes und in sich verwickeltes Gebüsch. Daher wurde auch Symmachus zu derselben Meinung gebracht: Und es erschien, sagt er, danach ein Widder, der mit seinen Hörnern in einer Schlinge verfangen war. Aber einigen scheint, wenn auch nur an dieser Stelle, von der Septuaginta und Theodotion besser übersetzt worden zu sein, die diesen Namen als sabech festsetzen, indem sie sagen: mit seinen Hörnern im Gebüsch sabech. Und in der Tat wird sychneōn oder die Schlinge, (wie) Aquila und Symmachus behaupten, mit dem Buchstaben Sin geschrieben. Aber hier wird der Buchstaben Samech verwendet: dadurch wird deutlich, dass das Wort Sabech nicht die Bedeutung dichter Pflanzen hat, die nach der Art einer Schlinge verwobene Gebüsche bilden, sondern dass der Namen des Gebüschs ausgesprochen wird, das so auf Hebräisch genannt wird. Ich habe aber durch gewissenhaftes Nachforschen entdeckt, dass sychneōna häufig mit dem Buchstaben Samech geschrieben wird.

(Vers. 14) «Et vocavit Abraham nomen loci illius, Dominus videt: ut dicant hodie, in monte Dominus videt». Pro eo quod hic habet videt, in Hebraeo scriptum est, videbitur. Hoc autem apud Hebraeos exivit in proverbium, ut si quando in angustia constituti sunt, et Domini optant auxilio sublevari, dicant, In monte Dominus videbitur: hoc est, sicut Abrahae misertus est, miserebitur et nostri. Unde et in signum dati arietis solent etiam nunc cornu clangere.

(Gen 20,14) »Und Abraham gab jenem Ort den Namen der Herr zeigt sich: damit sie heute sagen, auf dem Berg zeigt sich der Herr.« Für dieses er zeigt sich, das er hier hat, steht im Hebräischen er wird gesehen werden. Das aber wurde bei den Hebräern zu einem Sprichwort, so dass sie sagen, wenn sie einmal in Not geraten sind und und wünschen, durch die Hilfe des Herrn aufgerichtet zu werden: Auf dem Berg wird der Herr gesehen werden. Das bedeutet: so wie er sich Abrahams erbarmt hat, wird er sich auch unser erbarmen. Daher pflegen sie auch jetzt noch als Zeichen des geopferten Widders mit einem Horn zu blasen.

(Vers. 20-22) «Et nuntiaverunt Abraham, dicentes: Ecce peperit Melcha et ipsa filios Nachor fratri tuo: Us primogenitum eius, et Buz fratrem eius, et Camuel patrem Syrorum, et Cassel.» Primogenitus Nachor fratris Abraham de Melcha uxore eius filia Aran, natus est Us: de cuius stirpe Iob descendit, sicut scriptum est in exordio voluminis eius: Vir fuit in terra Us, nomine Iob (Job 1,1). Male igitur quidam aestimant, Iob de genere esse Esau: siquidem illud quod in fine libri ipsius habetur, Eo quod de Syro sermone translatus est, et quartus sit ab Esau, et reliqua, quae ibi continentur, in Hebraeis voluminibus non habentur. Secundus natus est de Melcha Buz, quem Septuaginta Bauz transferre voluerunt. Et ex huius genere est Balaam ille divinus (Num. XXIV, 3 et seq.; Jos. XIII, 22), ut Hebraei tradunt, qui in libro Iob dicitur Eliu: primum vir sanctus, et prophetes Dei, postea per inobedientiam et desiderium munerum, dum Israel maledicere cupit, divini vocabulo nuncupatur: diciturque in eodem libro: Et iratus Eliu filius Barachiel Buzites (Job XXXII, 2), de huius videlicet Buzi radice descendens. Camuel vero pater est Damasci. Ipsa enim vocatur Aran, quae hic pro Syria scripta est: et ipso nomine legitur in Isaia. Chased quoque quartus est, a quo Chasdim, id est, Chaldæi postea vocati sunt.

(Gen 20,20-22) »Und sie berichteten Abraham: Siehe, Melcha, auch sie hat Nachor, deinem Bruder, Söhne geboren: Us, seinen Erstgeborenen, und Buz, seinen Bruder, und Camuel, den Vater der Syrer, und Cassel.« Als Erstgeborener Nachors, des Bruders Abraham, wurde von seiner Frau Melcha, der Tochter Arans, Us geboren: von diesem Geschlecht stammt Iob, wie in der Einleitung seines Buches geschrieben ist: Es war ein Mann im Lande Us, mit Namen Iob (Ijob 1,1). Also vermuten einige zu Unrecht, Iob sei aus dem Geschlecht Esaus: da ja das, was am Ende seines Buches steht – und zwar, dass es aus der Syrischen Sprache übersetzt wurde und dass er der vierte nach Esau sei, und das übrige, was dort enthalten ist, in den hebräischen Büchern nicht vorkommt. Der Zweite von Melcha Geborene ist Buz, den die Siebzig als Bauz übersetzen wollten. Und aus dessen Geschlecht stammt der Wahrsager Bileam, (Num 24,3 ff.; Jos 13,22), der – wie die Hebräer überliefern – im Buch Iob Eliu genannt wird. Zuerst wurde er ein heiliger Mann und Prophet Gottes genannt, später wurde er wegen Ungehorsam und Gier nach Geschenken, als er Israel verfluchen wollte, mit dem Ausdruck Wahrsager bezeichnet. Und in dem gleichen Buch wird gesagt: und Eliu, der Sohn Barachiels des Buziters, wurde zornig (Ijob 32,2). Offenbar stammt er von der Linie dieses Buti ab. Camuel aber ist der Vater des Damaskus. Denn Aran wird genannt, was hier anstelle von Syrien geschrieben wurde: und mit diesem Namen wird es bei Jesaja gelesen. Chased ist auch der Vierte, nach dem später die Chasdim, das bedeutet die Chaldäer, benannt wurden.

Fortsetzung

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  1. So gibt die EÜ den Namen in 2 Sam 24,18-25 wieder. Die LXX liest Orna, ihr ist Hieronymus gefolgt. Der MT hat אֲרַוְנָה (Arawnah) als Namen, in 2 Chr 3,1 führt sie ihn als אָרְנָן (Ornan).
  2. Das Zitat des Hieronymus entspricht nicht dem heutigen Text des Chronikbuches – hat er aus dem Gedächtnis zitiert?
  3. Dieser Begriff wird in 1 Kön 6,19 und 8,6 für das Innere des Tempels verwendet, das unter der Bezeichnung das Allerheiligste bekannt ist.
  4. Dickicht, vgl. Evangelinus Apostolides Sophocles: Greek Lexicon of the Roman and Byzantine Periods, S. 1060, der als einzige Fundstelle Aquilas Übersetzung zu Gen 22,13 anführt.

Untersuchungen – Kapitel 20 & 21

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(Cap. XX – Vers. 12.) «Etenim vere soror mea est de patre, sed non ex matre». Id est, fratris eius est Aran filia, non sororis. Sed quia in Hebraeo habet: «vere soror mea est, filia patris mei, et non filia matris meae;» et magis sonat, quod soror Abrahae fuerit, in excusationem eius dicimus, necdum illo tempore tales nuptias lege prohibitas.

(Gen 20,12): »Sie ist nämlich wirklich meine Schwester vom Vater her, nicht aber von der Mutter her«. Das bedeutet, sie ist die Tochter Harans, seines Bruders, nicht seiner Schwester. 1 Aber weil im Hebräischen steht: »Sie ist in Wahrheit meine Schwester, die Tochter meines Vaters, aber nicht die Tochter meiner Mutter;« und es mehr bedeutet, dass sie die Schwester Abrahams gewesen ist, so wollen wir zu seiner Entschuldigung sagen, dass in jener Zeit solche Ehen auch noch nicht durch das Gesetz verboten waren.

(Cap. XXI – Vers. 9.) «Et vidit Sara filium Agar Ægyptiae, quem peperit [Al. pepererat] Abraae ludentem;» quod sequitur, «Cum Isaac filio suo», non habetur in Hebraeo. Dupliciter itaque hoc ab Hebraeis exponitur: sive quod idola ludo fecerit, iuxta illud quod alibi scriptum est: Sedit populus comedere et bibere, et surrexerunt ludere (Exod. XXXII, 6): sive quod adversum Isaac, quasi maioris ætatis, ioco sibi et ludo primogenita vendicaret. Quod quidem Sara audiens, non tulit: et hoc ex ipsius approbatur sermone dicentis: «Ejice ancillam hanc cum filio suo. Non enim haeres erit filius ancillae cum filio meo Isaac».

(Gen 21,9): »Und Sara sah den Sohn der Hagar, der Ägypterin, den sie Abraham geboren hatte, wie er sich vergnügte/spielte«; was darauf folgt, »Mit Isaak, ihrem Sohn«, steht nicht im Hebräischen. Daher wird es von den Hebräern auf zweifache Weise erklärt: sei es, dass er im Spiel Götzenbilder anfertigte, gemäß dem was anderswo geschrieben steht: Das Volk setzte sich, um zu essen und zu trinken, und sie erhoben sich, um sich zu vergnügen/um zu spielen (Ex 32,6); 2 sei es, dass er gegenüber Isaak, gewissermaßen als der Ältere, für sich im Spaß und im Spiel die Rechte der Erstgeburt in Anspruch nahm. Als Sara das hörte, ertrug sie es sicher nicht. Das wird durch ihre eigene Äüßerung bestätigt, wenn sie sagt: Wirf diese Sklavin mit ihrem Sohn hinaus; denn der Sohn dieser Sklavin wird nicht mit meinem Sohn Isaak zusammen Erbe sein!

(Vers. 14.) «Et sumpsit panes et utrem aquae, et dedit Agar, ponens super humerum eius, et parvulum, et dimisit eam.» Quando Isaac natus est, tredecim annorum erat Ismael. Et post ablactationem eius, iste cum matre expellitur domo. Inter Hebraeos autem varia opinio est, asserentibus aliis, quinto anno ablactationis tempus statutum, aliis duodecimum annum vendicantibus. Nos igitur ut breviorem eligamus aetatem, post decem et octo annos Ismael supputavimus eiectum esse cum matre, et non convenire iam adolescenti matris sedisse cervicibus. Verum est igitur illud Hebraeorum linguae idioma, quod omnis filius ad comparationem parentum, infans vocetur et parvulus. Nec miremur barbaram linguam habere proprietates suas: cum hodieque Romae omnes filii vocentur infantes. Posuit ergo Abraham panes et utrem super humerum Agar: et hoc facto dedit puerum matri, hoc est, in manus eius tradidit, commendavit, et ita emisit e domo. Quod autem sequitur:

(Gen 21,14) »Er nahm Brote und einen Schlauch mit Wasser und gab es Hagar und er setzte ihr auch das Kind auf die Schulter und er schickte sie weg.« Als Isaak geboren wurde, war Ismael dreizehn Jahre alt. 3 Und nachdem er abgestillt worden war, 4 wurde er mit der Mutter aus dem Haus vertrieben. Unter den Hebräern ist man geteilter Meinung: von den einen wird versichert, dass die Zeit des Abstillens für das fünfte Jahr festgesetzt wurde, die anderen nehmen das zwölfte Jahr in Anspruch. Um das niedrigere Lebensalter auszuwählen, haben wir errechnet, dass Ismael nach achtzehn Jahren mit der Mutter vertrieben wurde, 5 und da passt es nicht mehr zu einem jungen Mann, auf den Schultern der Mutter zu sitzen. Allerdings ist es eine Eigentümlichkeit der Sprache der Hebräer, dass jeder Sohn in der Beziehung zu seinen Eltern Kind und Kleinkind genannt wird. Wir dürfen uns nicht wundern, dass eine barbarische Sprache ihre Eigenheiten hat, da auch heute noch in Rom alle Söhne Kinder genannt werden. Also legte Abraham Brote und einen Schlauch auf die Schulter der Hagar: und nachdem er das getan hatte, gab er den Sohn der Mutter, das heißt, er überließ ihn ihrer Hand, vetraute ihn ihr an und schickte sie aus dem Haus fort. Aber das, was folgt:

(Vers. 15, 16.) «Et projecit puerum subter abietem, et abiens sedit de contra longe, quasi iactu sagittae. Dixit enim: Non videbo mortem parvuli mei. Et sedit contra eum.» Et statim jungitur: «Exclamavit puer, et flevit, et audivit Deus vocem pueri de loco ubi erat. Et dixit Angelus Dei ad Agar de coelo,» et reliqua, nullum moveat. In Hebraeo enim post hoc, quod scriptum est, «Non videbo mortem parvuli mei,» ita legitur, quod ipsa Agar sederit contra puerum, et levaverit vocem suam, et fleverit, et exaudierit Deus vocem parvuli. Flente enim matre, et mortem filii miserabiliter praestolante, Deus exaudivit puerum: de quo pollicitus fuerat Abrahæ, dicens: Sed et filium ancillae tuae in gentem magnam faciam (cap. XVII, vers. 20). Alioquin et ipsa mater non suam mortem, sed filii deplorabat. Pepercit igitur ei Deus, pro quo fuerat et fletus. Denique in consequentibus dicitur (vers. 18): «Surge et tolle puerum, et tene manum ejus.» Ex quo manifestum est, eum qui tenetur, non oneri matri fuisse, sed comitem. Quod autem manu parentis tenetur, sollicitus monstratur affectus.

(Gen 21,15+16) »Und sie warf den Jungen unter einen Nadelbaum, und sie ging weg und saß ihm in der Ferne gegenüber, etwa einen Bogenschuss weit entfernt; denn sie sagte: ich werde den Tod meines Sohnes nicht ansehen!« Und sofort schließt sich an: »Der Junge schrie auf und weinte, und Gott hörte die Stimme des Jungen von dem Ort aus, wo er war. Und der Engel Gottes sprach zu Hagar vom Himmel,« und das Übrige, es soll keineswegs erschüttern. Denn im Hebräischen liest man nach dem, was als »ich werde den Tod meines Kindes nicht ansehen «geschrieben steht, so: dass Hagar selbst dem Jungen gegenüber saß und ihre Stimme erhob, und weinte, und Gott die Stimme des Kleinkindes hörte. Denn während die Mutter weinte und den Tod ihres Sohnes unter Klagen erwartete, erhörte Gott den Jungen, über den er Abraham ein Versprechen mit den Worten gegeben hatte: Aber auch den Sohn deiner Magd will ich zu einem großen Volk machen (Gen 17,20). Jedenfalls beweinte die Mutter nicht ihren Tod, sondern den des Sohnes. Also gewährte Gott dem Schonung, der beweint worden war. Daher wird in den nachfolgenden (Versen) gesagt: »Steh auf, nimm den Jungen und halte sein Hand.« (Gen 21,18). Dadurch wird offenkundig, dass der, der gehalten wird, der Mutter keine Last, sondern ein Gefährte war. Dass er aber von der Hand der Mutter gehalten wird, weist auf ein banges Gefühl hin.

(Vers. 22.) «Et dixit Abimelech et Ochozath pronubus eius, et Phicol princeps exercitus ejus.» Excepto Abimelech et Phicol, tertium nomen, quod hic legitur, in Hebraeo volumine non habetur.

(Gen 21,22): »Abimelech und Ochozath, sein Brautführer, und Phichol, der Oberbefehlshaber seiner Streitmacht, sagte.« Mit Ausnahme von Abimelech und Phicol steht der dritte Name, der hier gelesen wird, nicht im hebräischen Buch.

(Vers. 30.) «Et dixit: Septem oves has accipies a me, ut sint in testimonium mihi, quia ego fodi puteum istum.» Ideo cognominavit nomen loci illius puteus juramenti, quia ibi juraverunt ambo. Ubi hic legitur, puteus juramenti, in Hebraeo habetur BERSABEE (באר–שׁבע). Duplex autem est causa cur ita appellatus sit: sive quia septem agnas Abimelech de manu Abrahæ acceperit: Septem enim dicuntur SABEE: sive quod ibi juraverint: quia et juramentum SABEE similiter appellatur. Quod si ante hanc causam supra nomen hoc legimus, sciamus per dictum esse: sicut et Bethel et Galgala, quae utique usque ad tempus quo ita appellatae sunt, aliter vocabantur. Notandum autem et ex prioribus, et ex praesenti loco, quod Isaac non sit natus ad quercum Mambre, sive in Aulone Mambre, ut in Hebraeo habetur: sed in Geraris, ubi et Bersabee usque hodie oppidum est. Quae provincia ante non grande tempus, ex divisione praesidum Palaestinæ, Salutaris est dicta. Huius rei Scriptura testis est, quae ait (Vers. 34): «Et habitavit Abraham in terra Philistinorum.»

(Gen 21,30) »Und er (Abraham) sagte: Du wirst diese sieben Schafe von mir erhalten, damit sie mir Zeugnis sind, weil ich diesen Brunnen gegraben habe.« Deswegen gab er diesem Ort den Beinamen Schwurbrunnen, auf Hebräisch steht beer schāwa. Es gibt einen doppelten Grund, warum er so genannt wird: entweder weil Abimelech sieben Lämmer von der Hand Abrahams erhielt – denn schæwa heißt Sieben; oder weil sie dort geschworen hatten, denn auch der Schwur heißt gleichfalls schawa. 6 Wenn wir aber vor dieser Angelegenheit den Namen weiter oben (im Bibeltext schon) gelesen haben, dann sollten wir wissen, dass er durch eine Vorwegnahme so genannt wurde: gleichwie sowohl Bet-El als auch Galgala, die jedenfalls bis zu der Zeit, als sie so genannt wurden, anders hießen. Es ist aber sowohl an Hand der vorhergehenden als auch der vorliegenden Stelle anzumerken, dass Isaak nicht bei der Eiche von Mamre, 7 oder in elonei mamre, 8 wie im Hebräischen steht, geboren wurde; sondern in Gerar, wo auch bis heute die befestige Stadt Beerscheva ist. Diese Provinz wurde vor nicht all zu langer Zeit durch eine Aufteilung der Provinzstatthalter Palästinas, Salutaris genannt. Diese Angelegenheit wird durch die Schrift bezeugt, die sagt: »Und Abraham wohnte im Land der Philister« (Gen 21,34).

Fortsetzung

Show 8 footnotes

  1. Vgl. dazu die Ausführungen des Hieronymus zu Gen 11,29.
  2. Ex 32 erzählt die Geschichte vom goldenen Kalb. Weil auch dort das gleiche Wort verwendet wird, das zur Beschreibung der Tätigkeit des Ismael in Gen 21,9 verwendet wird, schlossen die Rabbinen, dass Ismael ebenfalls ein Götzenbild angefertigt hatte.
  3. Nach Gen 16,16 war Abraham sechsundachtzig Jahre alt, als Ismael von Hagar geboren wurde. Nach Gen 17,25 wurde Ismael mit dreizehn Jahren beschnitten, als Abraham neunundneunzig war. In Gen 17,17 lachte Abraham darüber, dass einem hundertjährigen noch ein Sohn geboren werden sollte. Laut Gen 21,5 war Abraham hundert Jahre alt, als ihm Isaak geboren wurde. Hieronymus dürfte hier also vom vierzehnten Lebensjahr des Ismael ausgehen.
  4. Im vorausgehenden Vers Gen 21,8 wird gesagt, dass Abraham anlässlich der Entwöhnung des Isaak ein großes Fest feierte.
  5. Ismael war bei Isaaks Geburt dreizehn, dazu kommen die fünf Jahre bis zum Abstillen des Kindes, das macht dann achtzehn Jahre bei der Vertreibung.
  6. Das Wort für »Sieben« und die Wortwurzel für »schwören« sind im nicht vokalisierten Hebräisch identisch. Dementsprechend ist der »Siebenbrunnen« in der LXX ein φρέαρ τοῡ ὅρκου – ein »Schwurbrunnen«.
  7. Gen 13,8 und 18,1
  8. Dahinter steckt ein nomen gentile: elon stammt vom akkadischen ilãnu, und bedeutet »kleiner Gott«. Gemeint ist also ein »Gottesbaum«. (s. Koehler&Baumgartner, Hebräisches und Aramäisches Lexikon zum AT, Band I, S. 52)

Hieronymus und Bereschit Rabba zu Lots Töchtern

Eine wirklich seltsame Erzählung der Genesis ist die von Lots Töchtern, die in der Meinung, sie und ihr Vater seien die letzten überlebenden Menschen, Lot betrunken machen, um dann mit ihm den Stammvater der Moabiter und Ammoniter zu zeugen. Das klang schon in der Antike sehr erklärungsbedürftig. „Hieronymus und Bereschit Rabba zu Lots Töchtern“ weiterlesen

Untersuchungen – Kapitel 19

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(Vers. 14-15) «Et locutus est ad generos suos, qui acceperant filias eius». Quia postea duae filiae Lot virgines fuisse dicuntur (de quibus et ipse dudum ad Sodomaeos dixerat: Ecce duae filiae meae, quae non cognoverunt virum), et nunc Scriptura commemorat eum habuisse generos; nonnulli arbitrantur illas, quae viros habuerunt, in Sodomis remansisse, et eas exisse cum patre, quae virgines fuerunt. Quod cum Scriptura non dicat, Hebraea veritas exponenda est, in qua scribitur: «Egressus est Lot, et locutus est ad sponsos, qui accepturi erant filias eius.» Necdum igitur virgines filiae matrimonio fuerant copulatae.

(Gen 19,14-15) »Und er sprach zu seinen Schwiegersöhnen, die seine Töchter bekommen hatten.« Später sagte man dann von den beiden Töchtern des Lot, dass sie Jungfrauen gewesen seien (schon vorher hatte er selbst zu den Sodomitern gesagt: Seht, meine beiden Töchter, die noch keinen Mann erkannt haben), 1 und die Schrift erwähnt nun, dass er Schwiegersöhne hatte; einige nehmen an, dass die, die Männer hatten, in Sodom blieben, und dass (nur) die mit dem Vater hinausgingen, die Jungfrauen waren. 2 Da die Schrift das nicht sagt, ist der hebräische Urtext darzulegen, in dem geschrieben steht: »Und Lot ging hinaus und sprach zu den Verlobten, die seine Töchter bekommen sollten.« 3 Also waren seine Töchter Jungfrauen, die noch nicht verehelicht worden waren.

(Vers. 21.) Et dixit ei: «Ecce admiratus sum faciem tuam». In Hebraeo habet: «Ecce suscepi faciem tuam»: id est, acquiesco precibus tuis. Quod Symmachus secundum sensum interpretans ait, ὁράσει ἐδυσωπήθην τὸ πρόσωπόν σου.

(Gen 19,21): Und er sagte ihm: »Siehe, ich habe dein Angesicht geehrt.«Im Hebräischen steht: »Siehe, ich habe dein Gesicht angenommen«. 4 Das bedeutet: ich komme deinen Bitten nach. Das hat Symmachus dem Sinn gemäß so übersetzt: horásei edysópḗthēn tò prósōpón sou. (Ich bin durch das Ansehen deines Gesichtes erweicht worden).

Vers. 28.) «Et ecce ascendebat flamma de terra quasi vapor fornacis». Pro quo legimus in Hebraeo: Ecce ascendebat CITOR (קיטר), quasi ἀναθυμίασις fornacis: quod nos vaporem, vel fumum, sive favillam possumus dicere.

(Gen 19,28) »Und siehe, eine Flamme stieg von der Erde auf wie der Rauch des Ofens.« Stattdessen lesen wir im Hebräischen: siehe, qitor 5 stieg auf, wie anathymíasis (das Aufdampfen) des Ofens, was wir als Rauch, Qualm oder als glimmende Asche bezeichnen können.

(Vers. 30.) «Et ascendit Lot de Segor, et sedit in monte: et duae filiae eius cum eo. Timuit enim sedere in Segor». Quaeritur quare cum primum fugae montis Segor praetulerit, et eam in habitaculum suum voluerit liberari, nunc de Segor rursum ad montem migret? Respondebimus veram esse illam Hebraeorum coniecturam de Segor, quod frequenter terrae motu subruta, Bale primum, et postea Salisa appellata sit: timueritque Lot, dicens, Si cum caeterae adhuc urbes starent, ista saepe subversa est: quanto magis nunc in communi ruina non poterit liberari? Et ob hanc occasionem infidelitatis, etiam in filias coitus dedisse principium. Qui enim caeteras viderat subrui civitates, et hanc stare, seque Dei auxilio erutum: utique de eo, quod sibi concessum audierat, ambigere non debuit. Illud igitur, quod pro excusatione dicitur filiarum, eo quod putaverint defecisse humanum gentis, et ideo cum patre concubuerint, non excusat patrem. Denique Hebraei, quod sequitur:

(Gen 19,30): »Und Lot stieg von Segor hinauf und blieb auf dem Berg, und seine beiden Töchter mit ihm. Denn er fürchtete sich, in Segor zu bleiben.« Es stellt sich die Frage, weshalb er – obwohl er Segor zuerst der Flucht auf den Berg vorzog und obwohl er es als seine Wohnstätte unbewohnt lassen wollte – nun wieder von Segor zum Berg wanderte? Wir werden antworten, dass diese Deutung der Hebräer von Segor wahr ist: weil es häufig durch ein Erdbeben einstürzte, wurde es zuerst Bale, 6 und dann Salisa 7 genannt. Und Lot fürchtete sich und sagte: Jedes Mal, wenn die übrigen Städte stehen blieben, wurde diese oft zerstört. Wie könnte sie jetzt bei diesem allgemeinen Untergang nicht entvölkert werden? Und bei dieser Gelegenheit zur Treulosigkeit liegt auch der Ursprung dafür, dass er sich dem Geschlechtsverkehr mit den Töchtern hingab. Denn er, der gesehen hatte, dass die übrigen Städte zum Einsturz gebracht wurden, und diese stehen blieb und dass er durch die Hilfe Gottes gerettet wurde: da durfte er doch nicht an dem zweifeln, was ihm – wie er gehört hatte – gewährt wurde. 8 Das also, was man zur Entschuldigung der Töchter sagen kann, dass sie nämlich glaubten, das Menschengeschlecht sei untergegangen und dass sie deshalb mit dem Vater schliefen, kann den Vater nicht entschuldigen. Und daher (sagen) die Hebräer folgendes:

(Vers. 35.) Et nescivit cum dormisset cum eo, et cum surrexisset ab eo, appungunt desuper, quasi incredibile, et quod rerum natura non capiat, coire quempiam nescientem.

(Gen 19,35): Und er merkte es nicht, als sie mit ihm geschlafen hatte und als sie sich von ihm erhoben hatte – darüber punktieren sie: geradezu unglaublich 9 – auch weil die Natur der Dinge es nicht zulässt, dass einer mit irgendjemandem schläft, ohne es zu merken.

(Vers. 36 – 38) «Et conceperunt duae filiae Lot de patre suo, et genuit primogenita filium, et vocavit nomen eius Moab. Iste est pater Moabitarum usque in hanc diem. Et minor, et ipsa peperit filium, et vocavit nomen eius Ammon id est, filius populi mei. Ipse est pater filiorum Ammon». Moab interpretatur, ex patre: et totum nomen etymologiam habet. Ammon vero, cuius quasi causa nominis redditur, filius generi mei, sive ut melius est in Hebraeo (עמי), filius populi mei, sic derivatur, ut ex parte sensus nominis, ex parte ipse sit sermo: AMMI enim, a quo dicti sunt Ammonitae, vocatur populus meus.

(Gen 19,36-38): »Und die beiden Töchter Lots empfingen von ihrem Vater und die erstgeborene gebar einen Sohn und gab ihm den Namen Moab. Der ist der Vater der Moabiter bis zum heutigen Tag. Auch die Jüngere brachte einen Sohn zur Welt und gab ihm den Namen Ammon, das bedeutet: Sohn meines Volkes. Er ist der Vater der Söhne Ammons.« Moab wird als aus dem Vater übersetzt und der ganze Namen hat eine besondere Bedeutung. Aber Ammon – die Ursache für seinen Namen wird etwa als Sohn meines Geschlechtes/meiner Familie wiedergegeben, oder wie es besser im Hebräischen heißt – Sohn meines Volkes – was so zum Teil von der Bedeutung des Namens, zum Teil von dem Ausdruck selbst hergeleitet wird: denn ammi, nachdem die Ammoniter benannt sind, heißt mein Volk.

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  1. Gen 19,8
  2. Diese Auslegung vertritt auch MBR: וידבר אל חתניו וגו‘ ארבע בנות היו לו שתים ארוסות ושתים נשואות – »Und er sprach zu seinen Schwiegersöhnen usw. Er hatte vier Töchter: zwei waren verlobt und zwei waren verheiratet« (MBR L, 9; MÜ) Zitiert nach: http://www.sefaria.org/Bereishit_Rabbah.50
  3. MT liest heute: וַיֵּצֵ֨א ל֜וֹט וַיְדַבֵּ֣ר אֶל־חֲתָנָ֣יו לֹקְחֵ֣י בְנֹתָ֗י – Und Lot ging hinaus und sprach zu seinen Schwiegersöhnen, die seine Töchter nehmen sollten (Partizip).
  4. MT liest: וַיֹּאמֶר אֵלָיו הִנֵּה נָשָׂאתִי פָנֶיךָ – »Und er sprach: Siehe, ich habe dein Angesicht erhoben.«
  5. קִיטֺר bedeutet Rauch.
  6. Nach Gen 14,2+8 hieß die Stadt, die Hieronymus als Segor (hebr. צוֺעַר) bezeichnet, Bæla (hebr. בֶּלַע), was Hieronymus hier als Bale vokalisiert. Das dahinter stehende Verb בלע bedeutet verschlingen, vernichten.
  7. Schon in seiner Auslegung von Gen 14,2 hat Hieronymus diese Deutung vorgetragen und שָׁלִשָׁה aus 1 Sam 9,4 genannt. Siehe auch dort zu den weiteren Details.
  8. In Gen 19,21 hatte Gott dem Lot versprochen, die Stadt Segor/Zoar nicht zu vernichten.
  9. Dieses Angabe des Hieronymus wird durch den hebräischen Bibeltext und MBR bestätigt: In dem fast gleichlautenden Vers 19,33 findet sich einer der puncta extraordinaria des hebräischen Bibeltextes, der sicher älter ist, als die masoretische Vokalisierung. MBR liest: ותשקן את אביהן יין וגו‘ נקוד על וי“ו של ובקומה שבשכבה לא ידע בקומה ידע – »Und sie gaben ihrem Vater Wein zu trinken usw. (Gen 19,33) Ein Punkt ist über dem Wav von und bei ihrem Aufstehen. (Das bedeutet) dass er bei ihrem sich Niederlegen nichts bemerkte, bei ihrem Aufstehen bemerkte er es«. (Bereschit Rabba LI,8 zu Gen 19,33)

Untersuchungen – Kapitel 18

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Cap. XVIII. – Vers. 6) «Et dixit ei: Festina, tres mensuras farinae similae commisce.» Quia tres mensurae absolute hic dictae videntur, et est incerta mensura: propterea addidi, quod in Hebraeo tria sata habeat, id est tres amphoras: ut idem mysterium et hic, et in Evangelio, ubi mulier tria sata farinae fermentare dicitur, cognoscamus (Matth. XIII, 33).

Gen 18,6): »Und er sagte zu ihr: Schnell, mische drei Maß Weizenmehl«. Die drei Maß steht hier anscheinend ohne nähere Bestimmung und die Menge ist unbestimmt. Deshalb habe ich hinzugefügt, dass im Hebräischen drei Scheffel 1 steht, das bedeutet drei Vorratskrüge: sodass wir sowohl hier als auch im Evangelium das selbe Gleichnis wiedererkennen, wo gesagt wird, dass eine Frau drei Sata Mehl durchsäuert (Mt 13,33).

Vers. 10.) «Dixit autem: Revertens veniam ad te in tempore hoc, et in hora, et habebit filium Sara.» Pro hora, vitam legimus in Hebraeo: ut sit ordo vel sensus: Revertar ad te in tempore vitae: quasi dixerit, si vixero, si fuerit vita comitata: haec autem ἀνθρωποπάθως, quomodo et caetera.

(Gen 18,10): »Er aber sagte: Ich werde zu dir wiederkommen zu dieser Zeit, und zu dieser Frist, und Sara wird einen Sohn haben.« Statt Frist lesen wir im Hebräischen Leben, 2 so dass sich als Reihenfolge und Sinn ergibt: ich werde zu dir zurückkehren in der Zeit des Lebens. So als wenn er sagt: so wahr ich leben werde, so wahr wird das Leben mich begleiten. Das aber (ist) anthrōpopáthōs (mit menschlichen Gefühlen) 3 (gesagt), auf welche Weise usw.

(Vers. 12.) «Risit autem Sara in semetipsa, dicens: Necdum mihi factum est usque nunc, et dominus meus senex est.» Aliter multo legitur in Hebraeo: Et risit Sara in semetipsa, dicens: Postquam attrita sum, et facta est mihi voluptas? Simul nota quod ubi nos posuimus, voluptatem, EDEN scriptum est in Hebraeo. Symmachus hunc locum ita transtulit: Postquam vetustate consenui, facta est mihi adolescentia?

Gen 18,12): »Aber Sara lachte bei sich und sagte: Noch ist es nicht an mir geschehen bis zum jetzigen Zeitpunkt, und mein Herr ist ein Greis.« Häufig wird im Hebräischen anders gelesen: Und Sara lachte bei sich und sagte: Nachdem ich schon verbraucht / aufgerieben worden bin, wird mir noch Wollust verliehen? Bedenke zugleich, dass dort wo wir Wollust lesen, im Hebräischen Eden 4 geschrieben steht. Symmachus hat diese Stelle so übersetzt: nach dem ich so alt geworden bin, ist mir noch Jugend geschenkt?

(Vers. 32.) «Et dixit: Numquid est, Domine, si loquar?» Quod Graece scriptum est, μήτι, Κύριε, ἐὰν λαλήσω. Secundo Abraham est locutus ad Dominum: quod non videtur manifeste sonare quid dicat. In Hebraeo igitur planius scribitur: Ne, quaeso, irascaris, Domine, si locutus fuero. Quia enim videbatur interrogans, Dominum arctare responsione, temperat praefatione quod quaerit.

Gen 18,32): »Und er sagte: Macht es etwas aus, Herr, wenn ich rede?« Das wird auf Griechisch geschrieben: mēti, kýrie, eàn lalḗsō. 5 Abraham hat zum zweiten Mal zum Herrn gesprochen, denn seine Worte scheinen nicht deutlich zu klingen. Folglich steht im Hebräischen deutlicher: Herr, bitte, sei nicht zornig, wenn ich (nochmals) spreche. Denn mit seiner Frage schien er den Herrn in seiner Erwiderung einzuschränken und milderte / mäßigte durch die im Voraus gesprochenen Worte das, worum er bittet.

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  1. Im Hebräischen wird das Wort סְאָה verwendet. Seāh ist ein Hohlmaß zur Messung von Getreide.
  2. כָּעֵת חַיָּה, was Buber/Rosenzweig als »wann die lebenspendende Zeit ist« übersetzen. Hieronymus übersetzt den Begriff hier wie das Targum Onkelos: (Ausgabe Berliner, Band I, S. 26)
  3. Vgl. Evangelinus Apostolides Sophocles: Greek Lexicon of the Roman and Byzantine Periods, S. 170
  4. Der hebräische Text liest heute עֶדְנָה(ædnāh), das ist die weibliche Form von עדן. Der Ausdruck ist ein Hapax Legomenon und bedeutet »Üppigkeit«, »Lustgefühl«.
  5. »Doch nicht etwa, Herr, wenn ich reden werde?« LXX Deutsch übersetzt: (Möge mir,) Herr, nicht etwas (geschehen), wenn ich spreche.