Wenn ein Mann und eine Frau über das Gleiche lachen, ist es trotzdem nicht dasselbe

In Gen 17 und 18 lachen zuerst Abraham und dann Sara, als sie von Gott erfahren, dass sie in ihrem hohen Alter noch einen Sohn bekommen sollen. Von dem Verb צחק (= lachen) wird der Namen des Kindes – nämlich יצחק (Jitzchak – Isaak) abgeleitet. Interessant finde ich, wie unterschiedlich in der traditionellen Bibelauslegung das Lachen des Mannes und das Lachen der Frau über den selben Sachverhalt beurteilt wird. „Wenn ein Mann und eine Frau über das Gleiche lachen, ist es trotzdem nicht dasselbe“ weiterlesen

Was ist das wichtigste Gebot der Tora?

Emmanuel Levinas veröffentlichte 1963 in dem Sammelband »Difficile liberté. Essais sur le judaïsme« den Aufsatz »Une religion d’adultes«. Hier zitiert er ohne Stellenangabe einen Abschnitt, der im französischen Original bei ihm folgendermaßen lautet: „Was ist das wichtigste Gebot der Tora?“ weiterlesen

Zum neutestamentlichen Kanon des Origenes

Um den neutestamentlichen Kanon ranken sich viele Verschwörungstheorien. Aber es gibt auch Versuche, den Kanonschluss (es wird nichts mehr hinzugefügt und nichts mehr weggenommen) deutlich früher anzusetzen, als mit dem berühmten Osterfestbrief von Bischof Athanasius von Alexandria, der als der erste Zeuge für den abgeschlossenen Kanon gilt. Das war im Jahr 367 n. Chr. 1 Als Kronzeuge einer früheren Datierung wird gerne Origenes genannt. „Zum neutestamentlichen Kanon des Origenes“ weiterlesen

Show 1 footnote

  1. Zeitangabe nach Martin Ebner/Stefan Schreiber: Einleitung in das neue Testament² S. 32

Die Legenden zur Entstehung der Septuaginta IV

Im Grunde genommen hatte mit Irenäus die Legendenbildung zur Septuaginta ihren Höhepunkt erreicht, von nun an wurde die erreichte Fassung verbreitet und theologisch ausgewertet. Wie schnelle das ging, kann man an Clemens von Alexandria sehen, der 215 gestorben ist. Erstaunlich ist, wie rasch Clemens in Alexandria die Bücher von Irenäus aus Lyon zur Verfügung standen. 1 „Die Legenden zur Entstehung der Septuaginta IV“ weiterlesen

Show 1 footnote

  1. Larry Hurtado macht darauf aufmerksam, dass in Oxyrhynchus Kopien des »Hirten des Hermas«, Irenäus »Gegen die Häresien« und Schriften von Melito von Sardes gefunden wurden, die alle innerhalb eines Jahrzehnts oder zweier Jahrzehnte angefertigt wurden, nachdem das ursprüngliche Werk entstanden war. Siehe Destroyer of the Gods, S. 248, Fn. 81

Die Legenden zur Entstehung der Septuaginta III

Im letzten Beitrag hatte ich gezeigt, wie Justin von Rom (gest. 162/168) die erstmals im Aristeas-Brief greifbare Legende charakteristisch abgewandelt hatte. Noch deutlich weiter geht Irenäus von Lyon, der allerdings Motive des Justin aufgreift. „Die Legenden zur Entstehung der Septuaginta III“ weiterlesen

Die Legenden zur Entstehung der Septuaginta II

Ich untersuche hier, wie die ursprünglich im Bericht des Pseudo-Aristeas erzählte Legende weitergewachsen ist und im jungen Christentum transformiert wurde.

„Die Legenden zur Entstehung der Septuaginta II“ weiterlesen

Die Legenden um die Entstehung der Septuaginta I

Das älteste Zeugnis über die Entstehung der Septuaginta ist der „Brief“ des Pseudo-Aristeas an Philokrates, in dem die Legende in ihrer ursprünglichen Gestalt erscheint. Das Alter des Berichtes, zu dessen Charakterisierung sein Autor denselben Begriff verwendete wie der Evangelist Lukas im Vorwort seines Evangeliums – διήγησις (Erzählung, Bericht) – ist nicht genau datierbar. Dazu ein paar Einschätzungen: „Die Legenden um die Entstehung der Septuaginta I“ weiterlesen

Die neue Einheitsübersetzung – ein Elchtest

Gestern hatte ich das erste Mal die neue Einheitsübersetzung der Bibel in der Hand – was liegt näher als eine Durchsicht durch die falsch übersetzten Stellen, die ich bisher hier im Blog aufgeführt habe? Wie schlägt sich die revidierte Fassung – und lohnt eine Neuanschaffung? „Die neue Einheitsübersetzung – ein Elchtest“ weiterlesen

Wer nicht Vater und Mutter und Frau und Kinder hasst, kann nicht mein Schüler sein

Wenn Jesus für eine Aussage besonders bekannt ist, dann die, seinen Nächsten so zu lieben wie sich selbst (Lev 19,18; Mt 22,39; Mk 12,31; Lk 10,27). Da ist es einigermaßen verstörend, in Lk 14,26 zu lesen:

Wenn einer kommt zu mir und nicht hasst seinen Vater und seine Mutter und die Frau und die Kinder und die Brüder und die Schwestern und auch noch sein eigenes Leben, nicht kann er sein mein Schüler (Ü: Münchner NT).

Da erheben sich doch einige Fragen.

„Wer nicht Vater und Mutter und Frau und Kinder hasst, kann nicht mein Schüler sein“ weiterlesen

Diese Bibelstelle verstehe ich nicht

Die größte Herausforderung für bibelauslegende Menschen ist nicht ein schwer verständlicher oder gar unverständliche Texte der Bibel, sondern das Eingeständnis, mit einem solchen Abschnitt der Schrift Schwierigkeiten zu haben oder ihn gar nicht zu verstehen. Dabei befindet man sich mit beiden Problemen in guter Gesellschaft. „Diese Bibelstelle verstehe ich nicht“ weiterlesen