Der Sabbat im Neuen Testament I

In der Regel wird zum Thema »Neues Testament und Sabbat« assoziiert, dass Jesus den Sabbat aufgehoben habe. Dass im Gegenteil viele Textzeugen des NT die Geltung des Ruhetages voraussetzen, bleibt da unbeachtet. Lukas schildert, dass sowohl Jesus vor Ostern als auch Paulus nach Ostern »nach seiner Gepflogenheit« 1 am Sabbat in die Synagoge gehen (Lk 4,16 und Apg 17,2). Genauso geht er davon aus, dass seine Leser und Leserinnen wissen, was ein Sabbatweg 2 ist (Apg 1,12).

Der »Freitag« im NT

Der Sabbat beginnt bekanntlich am Freitagabend. Was vielen wahrscheinlich nicht bewusst ist: Das NT kennt keinen »Freitag«. Grimms Wörterbuch sagt lakonisch zu diesem Stichwort, der Freitag sei der dies veneris, der Tag der Göttin Venus. Im Germanischen wurde daraus der Tag der Göttin Frigg. Wenig überraschend, dass diese Bezeichnung im griechischen NT undenkbar ist.

Hier ist eine andere Bezeichnung üblich: der Rüsttag. Am deutlichsten wird das in Mk 15,42: Und als es schon Abend geworden war (es war nämlich Rüsttag, das ist der Tag vor dem Sabbat) … (Ü: Schlachter 2000). Wieso heißt der Tag vor dem Sabbat (gr. prosábbaton) 3 aber Rüsttag (gr. paraskeuē)? 4

Die Antwort finden wir bei Flavius Josephus, einem jüdischen Historiker aus dem 1. Jh. CE. In seinem Werk »Der jüdische Krieg« schreibt er über die Essener: »Peinlicher als alle übrigen Juden vermeiden sie es, am Sabbat sich mit Arbeit zu befassen, und demzufolge bereiten (gr. paraskeuázō) sie nicht nur die Speisen tags vorher, um am Sabbat kein Feuer anzünden zu müssen, sondern sie wagen am Ruhetag nicht einmal, ein Gefäß von der Stelle zu rücken oder ihre Notdurft zu verrichten.« (II, 147; Ü: Heinrich Clementz) 5

Mit anderen Worten: im NT ist der Freitag der Tag, an dem der Sabbat vorbereitet wurde. 6

Frühes Christentum

Das frühe Christentum behielt diesen Namen, Rüsttag (des Sabbat) zunächst bei. Im Martyrium des Polykarp aus dem 2. Jh. heißt es zur Verhaftung des Märtyrers, dass sie am Rüsttag (paraskeuē) geschah. (VII,1)

In der Didache, einer christlichen Gemeindeordnung aus der Zeit um 100 n. Chr. wird vorgeschrieben, am Rüsttag (paraskeuē) zu fasten 7. (Didache VIII,1)

Fazit

Vor allen Diskussionen über Relevanz und Notwendigkeit war der Sabbat im frühen Christentum vor allem eins: selbstverständlich.

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  1. κατὰ τὸ εἰωθὸς αὐτῷ bzw. κατὰ τὸ εἰωθὸς τῷ Παύλῳ
  2. σαββάτου ἔχον ὁδόν
  3. ὅ ἐστιν προσάββατον. Interessanterweise muss Markus das seinen aus dem Heidentum stammenden Gemeindemitgliedern erklären.
  4. παρασκευή
  5. καὶ ταῖς ἑβδομάσιν ἔργων ἐφάπτεσθαι διαφορώτατα Ἰουδαίων ἁπάντων: οὐ μόνον γὰρ τροφὰς ἑαυτοῖς πρὸ μιᾶς ἡμέρας παρασκευάζουσιν, ὡς μὴ πῦρ ἐναύοιεν ἐκείνην τὴν ἡμέραν, ἀλλ‘ οὐδὲ σκεῦός τι μετακινῆσαι θαῤῥοῦσιν οὐδὲ ἀποπατεῖν.
  6. vgl. Mt,27,62; Joh 19,31; Lk 23,54
  7. ὑμεῖς δὲ νηστεύσατε τετράδα καὶ παρασκευήν. Quelle hier.

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