Die Einheitsübersetzung und die Männer

Mir ist aufgefallen, dass die Einheitsübersetzung (EÜ) auf eine etwas eigenartige Weise mit der Übersetzung des Ausdrucks Mann/männlich umgeht. Ein paar Beispiele:

Ich beginne mit der bekannten Aussage in Hos 11,9: »Denn Gott bin ich und kein Mann« – so lautet die wörtliche Übersetzung des hebräischen Textes. EÜ folgt wieder einmal der LXX und übersetzt: »Denn ich bin Gott, nicht ein Mensch

Apg 2,15 liest sich in der Einheitsübersetzung so: »Diese Männer sind nicht betrunken, wie ihr meint; es ist ja erst die dritte Stunde am Morgen« Aber was steht im griechischen Text?

Griechischer Text von Apg 2,15

»Denn nicht wie ihr annehmt sind diese betrunken, es ist erst die dritte Stunde des Tages!« Nicht nur kommt im Griechischen das Wort Männer gar nicht vor, sondern es ist eindeutig, dass mit »diese« Männer und Frauen gemeint sind. Denn die sich anschließende Pfingstpredigt des Petrus macht klar, dass der Heilige Geist auf Männer und Frauen ausgegossen worden ist!

Dass die Einheitsübersetzung mit dem weiblichen Geschlecht so ihre Probleme hat, zeigt die Übersetzung der Bileams-Perikope in Num 22. Während im Hebräischen Bileam auf einer Eselin reitet, die ihm sogar das Leben rettet, macht die EÜ aus dem sprechenden Tier einen Esel. Hieronymus etwa hat korrekterweise die weibliche Form »asina«.

Nun gut, theologisch wohl bedeutsamer ist die Übersetzung von Gen 1,27. Die EÜ liest hier: »Gott schuf also den Menschen als sein Abbild; als Abbild Gottes schuf er ihn. Als Mann und Frau schuf er sie«. Der Text verdient eine noch weitaus eingehendere Betrachtung, hier nur soviel: im Hebräischen steht: »männlich und weiblich schuf er sie«. In diesem Fall ist die EÜ aber immerhin konsequent: die korrekte Wiedergabe dieses Zitates im Neuen Testament durch Jesus und Paulus hat sie ebenfalls umgemodelt (Mt 19,4-6; Gal 3,28).

 

 

 

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